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Bodo Illgner stand insgesamt 54 Mal im Tor der deutschen Nationalmannschaft © getty

Vor der Neuauflage des Finales von 1990 spricht Ex-Weltmeister Illgner bei SPORT1 über deutsche Chancen und Argentiniens Stärken.

Von Reinhard Franke

München - 8. Juli 1990. Bodo Illgner hat im Olympiastadion in Rom die ganz große Chance und nutzt sie.

Der Keeper wird mit der deutschen Nationalmannschaft durch das 1:0 im WM-Endspiel über Argentinien Weltmeister

In der Neuauflage des Finales 24 Jahre später erkennt der einstige Torhüter des 1. FC Köln und von Real Madrid einige Merkmale des Teams von 1990.

Vor dem WM-Finale (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Illgner im SPORT1-Interview über die DFB-Elf, Lionel Messi und die deutschen Chancen auf den vierten Stern.

SPORT1: Herr Illgner, nur noch wenige Stunden bis zum WM-Finale - steigt da auch bei Ihnen die Nervosität?

Bodo Illgner: Natürlich bin ich wie alle Fans ganz gespannt, was in Rio de Janeiro passieren wird. Wir wissen, dass im Fußball nicht alles immer logisch zu erklären ist. Wenn es aber doch logisch zugehen sollte, dann müsste Deutschland Weltmeister werden - aber das haben die Argentinier 1990 auch gedacht, damals mit ihrem "Gott" Diego Maradona.

SPORT1: Wo sehen Sie Vergleiche zu der deutschen Mannschaft von 1990?

Illgner: Die beiden Teams lassen sich insofern vergleichen, dass wir 1990 einige Spieler hatten, die 1986 im Finale dabei waren und den ganz großen Wurf nicht geschafft haben wie Lothar Matthäus, Thomas Berthold, Andreas Brehem, Rudi Völler oder Pierre Littbarski. Sie waren 1986 im Kader und konnten den Weltpokal leider nicht gewinnen. Ähnlich sehe ich es in diesem Jahr mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Manuel Neuer oder Miroslav Klose, die schon bei den letzten Welt- und Europameisterschaften kurz davor waren den Titel zu gewinnen und den ganz großen Wurf aber nicht schafften. Da sehe ich die großen Parallelen, dass die jetzige Generation endlich Wetmeister werden will.

SPORT1: Könnte das 7:1 gegen Brasilien gefährlich in den Hinterköpfen der deutschen Spieler herumspuken? (BERICHT: Finale! DFB-Team schreibt Geschichte)

Illgner: Ich hoffe es nicht. Der Sieg gegen Brasilien war phantastisch, es war ein Sieg für die Ewigkeit. Aber jedes Spiel muss wieder neu gespielt werden, jede einzelne Minute und jede einzelne Sekunde. Ich bin einfach neugierig und auch etwas nervös, wie das Spiel ausgehen wird und ob die Deutschen ihre tolle Leistung und die Euphorie aus dem Halbfinale gegen Brasilien mit in das Finale nehmen können.

SPORT1: Die DFB-Elf geht als Favorit in das Endspiel. Zu Recht?

Illgner: Ja. Ich denke, dass die deutsche Mannschaft bei diesem Turnier gezeigt hat, dass sie auch mit schwierigen Situationen umgehen kann. Da gab es die Diskussion um Philipp Lahm, wo er spielen soll, die Verletzungen zu Beginn des Turniers und dass angeschlagene Spieler wie Khedira und Schweinsteiger erst im Laufe des Turniers zu ihrer Form gefunden haben. Das alles spricht dafür, dass in der deutschen Elf sehr viel stimmt. (WM-Tippspiel: Mitmachen und 100.000 Euro gewinnen!)

SPORT1: Stimmte gegen Brasilien bei der deutschen Mannschaft alles?

Illgner: Das kann man so sagen. Es war ein unglaubliches Spiel. Das 7:1 hat gezeigt, dass ein großer Siegeswille im Team steckt, dass man immer weiter Tore schießen wollte und das Spiel bis zum Ende absolut ernst genommen hat. Deshalb glaube ich, dass die Deutschen im Finale der Favorit sind. Da führt kein Weg daran vorbei. Diese Rolle muss man einfach annehmen und daraus das Beste machen. (919961DIASHOW: Der steinige Weg ins Finale)

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SPORT1: Was spricht für Argentinien?

Illgner: Lionel Messi! Es ist und bleibt der Superstar und Chef im Team. Er hat leider bisher nur ansatzweise gezeigt, was er kann. Dennoch ist er immer noch in jeder Sekunde gefährlich und man kann ihn nicht für 90 Minuten komplett ausschalten. Eine gute Aktion reicht oft, um ein Tor zu machen oder ein Tor vorzubereiten. Und wenn man einmal gegen Argentinien hinten liegt, dann wird es natürlich sehr schwer. Die spielen sehr diszipliniert und sind unter Trainer Alejandro Sabella sehr abwehrstark, wenn sie als ganze Mannschaft zusammen verteidigen. Die Defensive ist das neue Prunkstück. Die Deutschen müssen vermeiden, dass sie in Rückstand geraten.

SPORT1: Durch das Brasilien-Spiel dürfte das DFB-Team mit ganz breiter Brust daherkommen.

Illgner: Auf jeden Fall. Das hat natürlich enorm gepusht und gibt den Spielern sehr viel Selbstbewusstsein für das Finale. Joachim Löw lenkt das alles richtig, so, dass niemand in der Truppe abhebt. Das hat man auch anhand der Äußerungen nach dem Brasilien-Spiel gemerkt. Das Selbstbewusstsein dürfte sowieso das wichtigste sein für so ein Endspiel.

SPORT1: Dennoch ist auch Respekt vor Argentinien da, oder?

Illgner: Mit Sicherheit. Man sollte mit sehr viel Respekt vor Argentinien in das Endspiel gehen, weil sie vorne sehr gut besetzt sind. Und Messi spielt wie schon erwähnt keine sehr gute WM, hat aber in den letzten Jahren immer gezeigt, dass er in einzelnen Situationen sehr gefährlich ist und bei ihm immer etwas passieren kann.

SPORT1: Wie sehen Sie die beiden Trainer?

Illgner: Beide Trainer sind ihren Weg gegangen. Joachim Löw hatte es ein bisschen leichter, weil er jetzt seit acht Jahren seinen Weg gehen konnte. Die argentinische Nationalmannschaft hat ihre Identität eigentlich bei dieser WM aufgegeben, weil die vier Topleute vorne nicht in der besten Verfassung sind. Sabella musste sein System etwas umstellen und eine defensivere Marschroute wählen. Die Identität, die Argentinien sonst an den Tag legte, konnte man bei der WM nicht mehr so zeigen.

SPORT1: Von Manuel Neuer gab es Bestleistungen zu sehen. Wie erfreut sind Sie als ehemaliger Nationaltorwart über ihn?

Ilgner: Manuel Neuer ist für mich der beste Torwart bei dieser WM. Er ist sehr komplett in der Strafraum-Beherrschung, auf der Linie und hinter der Abwehr, wenn er bei langen Bällen aushelfen muss, ist zudem mit dem Fuß exzellent. Neuer spielt da wie ein Feldspieler. Zuletzt hat mich eine Aktion extrem beeindruckt, als Neuer einen Rückpass aufnahm und den Ball dann mit dem linken Fuß auf den linken Flügel raus passte. Es war aber kein Sicherheitspass über fünf Meter, sondern ein Pass über 30 Meter. Das war phantastisch. Er ist ein sehr guter Keeper, für mich ein sehr sicherer Rückhalt für die deutsche Mannschaft, so dass da schon mal die Grundlage für den Erfolg gelegt ist.

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