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Sechs U-21-Europameister von 2009 holten 2014 auch den WM-Titel in Brasilien. Die Bilder der Weltmeister-Feier von Berlin ZUM DURCHKLICKEN © getty

Sechs U-21-Europameister von 2009 holen in Brasilien den WM-Titel - für den damaligen Trainer Horst Hrubesch nicht überraschend.

Von Jonas Nohe

München - Schon lange bevor das DFB-Team im Maracana feierte, hatte einer den vierten deutschen WM-Titel kommen sehen.

"Die Mannschaft hat das Potenzial, Weltmeister zu werden", hatte Horst Hrubesch bei SPORT1 gesagt.

Wohlgemerkt unter dem Eindruck eines hart erkämpften 2:2 gegen Ghana und eines müden 1:0 gegen die USA. Und lange vor dem berauschenden 7:1 gegen Gastgeber Brasilien.

Sechs Europameister von 2009 mit dabei

Aber Hrubesch musste es wissen. Schließlich hatte er dem DFB als Trainer mit der U-21-Europameisterschaft 2009 den letzten großen Titel bei den Herren beschert.

Damals wie heute mit dabei: Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil (921551DIASHOW: Die Bilder des Finales).

Für Hrubesch ist diese Kontinuität ein entscheidender Faktor auf dem Weg zum ersehnten vierten WM-Titel: "Diese Jungs sind absolut zusammengewachsen und harmonieren nicht nur im sportlichen Bereich sehr gut miteinander."

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Was sie spätestens bei den Feierlichkeiten auf der Berliner Fanmeile unter Beweis stellten: Der Schalker Höwedes knipste Bilder vom Dortmunder Hummels und umgekehrt. Nur ein Beispiel von vielen (922108DIASHOW: Die Bilder vom Empfang der Weltmeister).

"Sie sind Winner-Typen"

Nebensächlichkeiten wie die Vereinszugehörigkeit spielten keine Rolle mehr, schließlich waren sie alle am Ziel ihrer Träume angekommen (BERICHT: Lange Partynacht nach dem Triumph).

Und gerade die sechs Europameister von 2009 hatten daran großen Anteil.

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Auch das hatte Hrubesch schon lange vorhergesagt.

"Sie sind Winner-Typen", charakterisierte er die damals neue deutsche Spielergeneration schon während der WM 2010 in Südafrika bei SPORT1 und lobte seine ehemaligen Schützlinge als "Realisten und in ihrer Art weder überheblich noch vermessen. Die heben nicht ab."

Hummels und Boateng räumen ab

Angefangen bei Manuel Neuer, der in Brasilien als großer Rückhalt in den K.o.-Spielen nur zwei Last-Minute-Gegentore gegen Algerien und Brasilien zuließ und darüber hinaus als eine Art Libero zur Kultfigur avancierte.

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Vor ihm räumten Mats Hummels und Jerome Boateng ab dem Viertelfinale gemeinsam in der Abwehrzentrale ab. Der Dortmunder glänzte zudem als zweimaliger Torschütze (921982DIASHOW: SPORT1-Zeugnis für die Weltmeister).

Boateng machte sein Meisterstück im Finale gegen Argentinien, als er nahezu fehlerfrei verteidigte und damit auch die eine oder andere Schwäche des angeschlagen ins Spiel gegangenen Hummels ausmerzte.

Antwort auf die Kritiker

Dementsprechend groß war anschließend der Stolz auf die eigene Leistung, aber auch die Genugtuung, es den zahlreichen Kritikern gezeigt zu haben.

"Typen? Fehlen Typen? Weltmeister!", schrieb Boateng nach der Rückkehr bei Twitter - und teilte damit auch gegen Bruder Kevin-Prince aus, der vor der WM noch ebensolche "Typen" im DFB-Team vermisst hatte.

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Für Hrubesch war die spätestens seit dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 schwelende Debatte über Führungsspieler und Hierarchien in der Nationalmannschaft ohnehin nicht nachvollziehbar.

Khedira beweist Größe

"Man muss sich zum Beispiel nur mal Manuel Neuer angucken. Der ist ein Jahrhunderttorwart, aber auch ein absoluter Typ", sagte Hrubesch bei SPORT1, "das sind aber Mats Hummels und Sami Khedira auch."

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Khedira, 2009 als Kapitän der Anführer der U-21-Europameister, stellte seine Führungsqualitäten in Brasilien auf ganz besondere Art unter Beweis.

Statt sich mit einer Wadenverletzung angeschlagen ins Finale zu schleppen, überließ er seinen Platz dem fitten Christoph Kramer und trug damit womöglich mehr zum Titelgewinn bei, als er es an diesem Abend auf dem Rasen gekonnt hätte.

Özil steigert sich kontinuierlich

Von Mesut Özil hätte sich manch einer wohl erhofft, dass er mit seinen genialen Momenten das deutsche Spiel noch etwas mehr bestimmen würde. Wie so oft wirkte der Arsenal-Profi das eine oder andere Mal etwas phlegmatisch - eine Eigenschaft, die auch Hrubesch nur zu gut von ihm kennt.

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"Özil ist sicher kein Trainingsweltmeister", charakterisierte er den Spielmacher einst, "aber er ist im Spiel bereit, alles zu geben."

Tatsächlich steigerte sich der Arsenal-Profi auch in Brasilien kontinuierlich und stand letztlich nur in 35 WM-Minuten nicht auf dem Platz.

Höwedes überrascht

Und keine einzige Turnierminute verpasste ausgerechnet einer, dem man es vor der WM wohl mit am wenigsten zugetraut hätte: Benedikt Höwedes.

Der Schalker galt lange als Streichkandidat, wurde von Löw dann auf die ungewohnte Linksverteidigerposition beordert und spielte sich mit defensiv stabilen Leistungen in der Startelf fest.

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Fast hätte Höwedes seinem Ex-Trainer und "Kopfballungeheuer" Hrubesch sogar noch alle Ehre gemacht: Sein Versuch in der 45. Minute des Finales gegen Argentinien klatschte aber nur an den Pfosten.

Und doch hatten letztlich alle verbliebenen U-21-Europameister von 2009 ihren Anteil am ersten großen Titel der A-Nationalmannschaft seit dem EM-Triumph 1996.

Viel Lob für Hrubesch

Genauso wie Hrubesch seinen Anteil an ihrem Aufstieg hatte.

"Er ist ein sehr umgänglicher Trainer, führt viele Einzelgespräche mit den Spielern und versucht, jedem Spieler Verantwortung zu übertragen", lobte Khedira den ehemaligen Stürmer schon vor dem Titelgewinn 2009: "Für mich ist er ein sehr guter Trainer und erledigt seine Aufgabe perfekt."

Vor derselben Aufgabe wie damals mit Khedira und Co. steht Hrubesch derzeit übrigens erneut.

Neue Generation - alte Aufgabe

Seit 2013 ist er wieder U-21-Trainer, in den letzten beiden Qualifikationsspielen im September kann sein Team den Einzug in die Playoffs perfekt und damit einen großen Schritt in Richtung EM-Endrunde 2015 in Tschechien machen.

Dort geht es dann auch um die Qualifikation für Olympia 2016 in Brasilien - und Hrubeschs Zielsetzung ist klar.

Man werde nicht zur EM fahren, "um uns mit dem dritten Platz irgendwie für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Sondern wir werden auf den Titel spielen. Und für Rio de Janeiro gilt das Gleiche."

Nur zu gerne würde es Hrubesch seinen ehemaligen Schützlingen nachmachen und - dann mit einer neuen Spielergeneration - selbst einmal im Maracana feiern.

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