Es gab gute Gründe für Löw aufzuhören, doch noch bessere Argumente fürs Weitermachen. Zudem tut er dem DFB einen großen Gefallen.

Wolfgang Niersbach wird ein Stein vom Herzen gefallen sein.

Obwohl der DFB-Präsident ja angeblich nie daran gezweifelt hat, dass Joachim Löw seinen bis 2016 laufenden Vertrag erfüllen wird.

Und dennoch war die Unsicherheit über die Zukunft des Weltmeister-Coaches zuletzt mit jedem Tag gewachsen, an dem er ein klares Bekenntnis verweigert hatte.

Schließlich hat Philipp Lahm zuletzt genug gute Argumente für einen Rücktritt geliefert: Abtritt auf dem Höhepunkt, zehn Jahre sind genug, mehr Zeit für die Familie etc.

Für ein vorzeitiges Ende der Ära Löw sprachen aber vor allem die persönlichen Verletzungen der Vergangenheit.

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Mit einem Paukenschlag hätte sich der Badener bei den vielen Kritikern bei Fans und Medien revanchieren können, die ihn praktisch bis zum Abpfiff des WM-Endspiels als zaudernde Fehlbesetzung dargestellt hatten.

Löw hat sich das gemerkt, gleichwohl ist ihm seit der Rückkehr nach Deutschland aber deutlich vor Augen geführt worden, dass sich der Wind gedreht hat.

Der langjährige Zweitligaprofi ist nun eine Person der Fußball-Zeitgeschichte, gleichauf mit den Trainer-Ikonen Sepp Herberger, Helmut Schön und Franz Beckenbauer.

Daran hat Löw selbst den größten Anteil, weil er nach dem schwachen Algerien-Spiel mit seinen Umstellungen die bei früheren Turnieren oft vermisste Flexibilität gezeigt hat - was zuvor auch an dieser Stelle heftig kritisiert worden war.

Der Lohn für seine Arbeit war schließlich der verdiente Triumph in Rio, so dass Löw nun mit einem gehörigen WM-Bonus in seine weitere Amtszeit geht.

Er kann jetzt in Ruhe an seinem Erfolgsteam für die EM 2016 tüfteln, die Voraussetzungen für ein historisches Double sind dank Rückkehrern wie Reus, Gündogan oder Gomez hervorragend.

Obendrein hat Löw dem DFB einen riesigen Gefallen getan, denn bei einem Rücktritt hätte kein adäquater Nachfolger parat gestanden.

Mit 54 Jahren ist Löw ohnehin zu jung für die Rente und den außerhalb von Turnieren wesentlich stressigeren Job als Vereinstrainer kann er auch in zwei Jahren noch antreten ? vermutlich kann er dann zwischen den absoluten europäischen Topklubs auswählen.

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