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Jens Lehmann begann seine Profikarriere 1989 beim FC Schalke 04 in der zweiten Liga © getty

Der Bundestrainer macht dem Routinier Hoffnungen auf ein Comeback, vertraut aber vorerst weiter den WM-Kandidaten. Die sind sauer.

Frankfurt/Main - Bundestrainer Joachim Löw heizt die Torwartdebatte in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter an.

Er lässt Keeper Jens Lehmann von einem Comeback bei der WM 2010 in Südafrika träumen.

"Ich gehe davon aus, dass sich an der jetzigen Situation nichts ändert. Aber natürlich kann es Verletzungen oder auch Formkrisen geben...", sagte der 49-Jährige der Bild-Zeitung.

Damit machte er Lehmann indirekt Hoffnungen auf eine Teilnahme an der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent.

"T-Frage" offener denn je

Die "T-Frage" beim dreimaligen Welt- und Europameister wird damit zunehmend kurioser.

Offenbar ist das Rennen um die Nummer eins im deutschen Tor offener denn je.

Lehmann spekuliert bereits seit seiner Vertragsverlängerung beim VfB Stuttgart vor knapp zwei Wochen mit einem Rücktritt vom Rücktritt im Nationalteam.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass ich im nächsten Jahr gebraucht werde, ist groß", sagte der VfB-Torwart, der im November seinen 40. Geburtstag feiert.

"Die Nationalmannschaft war immer ein Anreiz für mich. Mich würde es in jedem Fall motivieren, in Südafrika noch einmal mein Bestes zu geben."

Hintertür für den Routinier

Bislang hatten Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke eine Rückkehr des am 8. August 2008 nach insgesamt 61 Länderspielen zurückgetretenen Schlussmanns jedoch kategorisch ausgeschlossen.

Überraschend lässt Löw dem streitbaren Lehmann nun aber eine Hintertür offen und empfindet es zudem als nachvollziehbar, dass der 39-Jährige weiter für den DFB auflaufen will.

"Jens ist ein sehr ehrgeiziger Torwart, seine Karriere war immer mit einer klaren Zielsetzung verbunden", sagte Löw.

"Für ihn ist es eine persönliche Zielsetzung und Motivation, 2010 noch einmal ein großes Turnier wie die WM zu spielen. Dafür habe ich schon Verständnis."

Vertrauen in Enke und Co.

Gleichzeitig sprach er den vier WM-Kandidaten Robert Enke, Rene Adler, Tim Wiese und Manuel Neuer einmal mehr das "absolute Vertrauen" aus:

"Wir gehen davon aus, dass sie sich noch weiter verbessern werden. Deshalb ist Jens Lehmann jetzt kein Thema."

Die Betonung des Bundestrainers liegt auf dem Wort "jetzt".

Aktuell setzt Löw vor allem auf die derzeit "gefühlte Nummer eins" Enke, dahinter kämpfen Adler, Wiese und Neuer um den Stammplatz im Tor der DFB-Auswahl.

Sollten Löw und Köpke jedoch zu dem Schluss kommen, dass keiner der vier Kandidaten unumstritten in die WM gehen kann, stünde Lehmann Gewehr bei Fuß.

Wiese rastet aus

Deshalb hat der Exzentriker auch das Erscheinungsdatum seines Buches verschoben.

Offenbar will Lehmann bei der WM 2010 noch ein Kapitel hinzufügen, und sich nicht mit etwaigen Internas aus dem DFB-Bereich die Tür vorher selbst vor der Nase zuschlagen.

Dass Oldie Lehmann öffentlich mit der Rückkehr ins DFB-Tor kokettiert, scheint die Konkurrenz nervös zu machen.

So lässt Bremens Keeper Wiese derzeit keine Möglichkeit aus, Lehmann auf das Übelste zu attackieren.

"Ich spreche auch für die anderen Torhüter. Was Lehmann macht, ist nur noch provozierend und verarschend", sagte Wiese.

"Der ist doch nicht ernst zu nehmen. Lehmann macht ständig komische Sachen. Entweder er schmeißt Schuhe weg, oder er schreit unseren Diego an. Mir geht er nur noch auf die Nerven."

Asien-Reise mit Lehmann?

Nervös macht die deutschen Torhüter derzeit auch, dass Löw bei der Ende Mai anstehenden Asien-Reise möglicherweise auf Lehmann angewiesen ist.

Die aktuellen Nationalkeeper Enke, Adler und Wiese können wegen ihren Verpflichtungen im Verein eventuell nicht mitreisen.

So droht Enke mit Hannover 96 die Relegation, Leverkusens Adler und Bremens Wiese könnten am 30. Mai im DFB-Pokal-Finale in Berlin aufeinandertreffen und stünden Löw damit ebenfalls nicht zur Verfügung.

"Ich hoffe, dass wir bloß nicht in die Relegation müssen. Ich will die Asien-Reise unbedingt mitmachen", meinte Enke.

Dagegen genießt für den enttäuschten Wiese offenbar mittlerweile der Klub die höchste Priorität. "In erster Linie will ich mit meinem Klub in die Finals kommen. Dafür würde ich auch auf die Asien-Reise verzichten", sagte Wiese.

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