Der verletzte Kapitän Michael Ballack hat die deutschen Fans vor zu hohen Erwartungen hinsichtlich der WM gewarnt. "Schon nach der Auslosung hatte ich gesagt: Die Leute sollten wissen, dass du in der Vorrunde gegen jeden verlieren kannst. Australien, Serbien, Ghana, das sind athletische, robuste Teams", sagte der 33-Jährige in einem Interview mit dem Magazin "Stern".

Ballack, der wegen einer Bänderverletzung auf die WM verzichten muss, meinte weiter: "Unsere Mannschaft muss am Limit spielen, um in der K.o.-Runde große Nationen zu schlagen. Das war vor meinem Ausfall so, das ist jetzt immer noch so."

Für die DFB-Auswahl ginge es zunächst vorrangig darum, ein sportliches Desaster zu verhindern. "Furchtbar ist das als Mannschaft, wenn erst ab dem Halbfinale ein Turnier zu genießen ist. Alles andere bedeutet Versagen. Das treibt dich zwar, es puscht dich, aber es ist auch ein gnadenloses Spiel", so der 98-malige Nationalspieler.

Der Mittelfeldstar vom FC Chelsea, der die Nationalmannschaft trotz seiner Verletzung während der ersten Vorbereitungsphase auf Sizilien besucht hatte und auch den einen oder anderen Abstecher nach Südafrika plant, baut trotz des Verletzungspechs aber auf das junge deutsche Team und die Erfahrung von Bundestrainer Joachim Löw:

"Unsere Mannschaft hat eine gute Mentalität, sie wird sich nicht verstecken, sie wird sich reinhauen, an die Leistungsgrenze gehen. Joachim Löw wird das Optimum herauskitzeln, davon bin ich überzeugt. Bei den letzten Turnieren wurden wir Zweiter und Dritter, warum soll so etwas nicht wieder klappen?"

Ein Problem für die vielen unerfahrenen Spieler könnte nach Ballacks Ansicht aber die hohe Erwartungshaltung in Deutschland werden.

"Deutschland ist eine Nation, die gewinnen muss. Als ich im Februar die deutschen Sportler bei den Olympischen Winterspielen sah, dachte ich: Denen geht es wie uns. Du hast dich unwahrscheinlich quälen müssen, um überhaupt dahin zu gelangen, aber jetzt beginnt erst die richtige Qual. Denn du bekommst erst Respekt, wenn du gewinnst", sagte er.

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