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Der Bundestrainer ging vom 4-1-4-1- zurück zur bewährten Ordnung ins 4-2-3-1-System und beorderte Kapitän Philipp vom defensiven Mittelfeld wieder auf die rechte Abwehrseite. Prompt wirkte die Abwehr im Zusammenschluss mit dem starken Innenverteidiger-Duo Mats Hummels und Jerome Boateng wesentlich stabiler als zuletzt. Löws Umstellung kam spät, aber nicht zu spät - so ist der Titel drin
Philipp Lahm (l.) ist der deutsche Kapitän unter Bundertrainer Joachim Löw © imago

Joachim Löw bleibt stur. Dass gefühlt die halbe Fußball-Welt seine Aufstellung bei der WM in Brasilien kritisiert, beeindruckt den Bundestrainer überhaupt nicht.

"Ich habe meine Entscheidungen getroffen - auch was die Rolle von Philipp Lahm betrifft. Und dazu stehe ich bis zum Schluss", stellte der 54-Jährige in der Wochenzeitung "Die Zeit" klar.

Damit steht wohl fest, dass der Kapitän auch im Viertelfinale gegen Frankreich am Freitag (ab 17.30 Uhr im LIVE-TICKER) im Mittelfeld auflaufen wird.

Ein Wechsel auf seine alte Position auf der rechten Seite in der Vierer-Abwehrkette könne "eigentlich nur aus einem Spiel heraus passieren", sagte Löw: "Aber dieses Szenario beschreibt den Notfall."

Lahm war im Achtelfinale gegen Algerien (2:1 n.V.) wegen der Verletzung von Shkodran Mustafi nach hinten gerückt. Die Umstellung tat dem deutschen Spiel sichtlich gut, doch Löw sieht keinen Anlass, darauf zu reagieren.

Der 30-Jährige vom FC Bayern werde nur dann die Position wechseln, "falls wir auf der rechten Seite ein akutes Problem im Spiel bekommen sollten und ich sage: Okay, jetzt ist Philipp Lahm gefordert, der viel Druck nach vorne entfalten kann."

Lahm hat bislang in seiner Rolle nicht überzeugt, und das gilt auch für Mesut Özil. Löw hat aber überhaupt kein Verständnis für den Umgang mit dem Offensivspieler:

"Diese Art der öffentlichen Kritik ist für mich genauso unverständlich wie jene an Philipp Lahm. Mesut Özil war 2010 und 2012 der überragende Spieler des Turniers. Das kann ich doch nicht einfach vergessen", so Löw.

Es werde "einiges eilig publiziert", es fehle "manchmal am richtigen Maß".

Löw hält weiter am Regisseur des FC Arsenal fest - und verspricht sich davon einiges. "Ich bleibe dabei, Mesut Özil ist extrem wichtig für uns", so Löw:

"Wenn wir es schaffen, ihn in den nächsten Tagen in Topform zu bringen, dann ist er für die Mannschaft unersetzlich. Weil ich weiß, dass er Spiele mit einer einzigen Aktion entscheiden und beeinflussen kann."

Ähnlich wie Özils Klubkollege Per Mertesacker, der in einem TV-Interview angefressen auf kritische Fragen zur Leistung gegen Algerien reagiert hatte, will sich auch Löw den Erfolg nicht kleinreden lassen.

"Soll ich enttäuscht sein, dass wir weitergekommen sind?", antwortete der Bundestrainer auf die Frage, ob er mit der Vorstellung unzufrieden gewesen sei.

Beschönigen wollte Löw aber nichts: "Wir haben einfache Fehler gemacht, den Ball zu häufig verloren. Wir waren anfällig bei langen Bällen."

Bei einer WM könne eine Mannschaft aber "nicht immer fantastisch spielen. Man muss als Sieger vom Platz gehen - das ist uns gelungen."

Verbesserungspotenzial sieht Löw natürlich dennoch. Vor allem in Sachen Abschluss. "Wir sind in der Auswertung der Chancen nicht mehr so effizient, wie wir es schon einmal waren", sagte Löw und formulierte eine klare Forderung an seine Spieler:

"Wir müssen in der Offensive noch mehr investieren, uns mehr konzentrieren, um zum Erfolg zu kommen."

An der defensiven Ausrichtung möchte der Bundestrainer vorerst nichts ändern: "Bis jetzt lagen wir auch mit der Einschätzung richtig, dass wir keine Abwehrspieler brauchen, die ständig nach vorne laufen."

Ausschließen will Löw den Einsatz offensiverer Verteidiger, etwa wegen Verletzungen, aber nicht.

Im Falle eines Misserfolgs will auch Löw die Verantwortung übernehmen. "Ganz allgemein gilt: Wir Trainer machen auch Fehler, wir sind nicht vollkommen."

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