vergrößernverkleinern
Marco Gebhardt kickte in Liga zwei schon für die Eintracht, Cottbus und 1860 © getty

5000 Fans fahren mit den "Eisernen Auswärtsaufsteigern" im Autokorso zur Partie. Das VIP-Zelt auf der Baustelle wackelt.

Berlin - Als die "Auswärtsaufsteiger" nach einem zweistündigen Autokorso zu Hause angekommen waren, verwandelte sich die Baustelle der heimischen Arena an der Alten Försterei in eine riesige Partymeile.

Union Berlin feierte die im ungeliebten Jahn-Sportpark erkämpfte Rückkehr in die 2. Bundesliga nach fünfjähriger Abstinenz wie es sich für einen Kultklub gehört: ausgelassen und ohne Rücksicht auf den Tag danach. (Die "Eisernen" sind zurück im Unterhaus)

Während 5000 Fans auf dem Rasen des Trainingsplatzes sangen, brachte die Mannschaft den Balkon des VIP-Zeltes mit ihren Tänzen ins Schwanken.

Aufstiegsparty schlägt Muttertag

"Hallo Mutti. Alles Liebe zum Muttertag. Ich kann morgen leider nicht kommen, weil ich besoffen in der Ecke liegen werde", rief Mittelfeldspieler Torsten Mattuschka in eine Fernsehkamera.

"Jetzt wird gefeiert bis es nicht mehr geht", sagte Macchambes Younga-Mouhani, der zuvor mit seinem 1:0 (60.) gegen Jahn Regensburg die Weichen auf Sieg und damit auf Aufstieg und Meisterschaft in der neuen 3. Liga gestellt hatte.

Nach Karim Benyaminas 2:0 (72.) waren auch die letzten Zweifel verflogen. Drei Spieltage vor Schluss sind die Eisernen aus Köpenick nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Überragendes geleistet"

"Wenn man mit nur drei Niederlagen durch die Saison geht, dann hat man etwas Überragendes geleistet", sagte Trainer Uwe Neuhaus.

Der "Wessi", 2002 als Co-Trainer von Matthias Sammer mit Borussia Dortmund deutscher Meister, hat zusammen mit Sportdirektor Christian Beeck den ostdeutschen Kultverein Union Berlin wieder stark gemacht. "Damit war vor der Saison nicht zu rechnen. Es war beachtlich, wie konstant wir gespielt haben", meinte Beeck.

Zumal die Heimspiele wegen des Umbaus der Alten Försterei im einstigen "Feindesland", dem Jahn-Sportpark, ausgetragen werden mussten. Dort kickte zu DDR-Zeiten der von der Staatsmacht unterstützte BFC Dynamo.

"Auswärtsaufstieg" in Berlin

Und deshalb stülpten sich die Unioner nach dem Spiel gegen Regensburg auch zuerst die T-Shirts mit der Aufschrift "Auswärtsaufsteiger" über, ehe der Autokorso nach Köpenick begann.

"Ich fühle Genugtuung und Stolz. Wir hatten nicht den höchsten Etat und nicht die stärkste Mannschaft, aber das beste Team", sagte Präsident Dirk Zingler, der fünf Millionen Euro für die Saison aufgetrieben hatte. "Heute müssen wir feiern und an nichts anderes denken."

Doch daran hielten sich am Samstag nicht alle. "Nun liegt noch viel mehr Arbeit vor uns", meinte Trainer Neuhaus.

Zehn-Millionen-Euro-Etat

Für den neuen Anlauf in der 2. Liga wird der Etat voraussichtlich auf zehn Millionen Euro aufgestockt, fünf neue Spieler sollen geholt werden und das Stadion in einem Monat umgebaut sein. Dann kommt Hertha BSC zum Eröffnungsspiel (8. Juli).

Selbst der Präsident träumt schon von regelmäßigen Bundesliga-Derbys gegen den Klub aus dem Westteil der Stadt. Natürlich sei das ein Ziel, sagt Zingler. "In fünf bis acht Jahren. " Vorerst gilt es aber, in Liga zwei zu bestehen. Die erste Zugehörigkeit dauerte nur drei Jahre.

Egal wie das Abenteuer dieses Mal ausgeht, auf den Rückhalt ihrer Fans können sich die Eisernen verlassen. So ist der Umbau des Stadions in Deutschland wohl einmalig. Seit Saisonbeginn arbeiteten rund 1500 freiwillige Anhänger daran mit, 75.000 Stunden kamen so zusammen. Ersparnis für den Verein: 1,5 Millionen Euro.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel