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Bereits in der LTU-Arena kurz nach dem Spiel gab es für die Anhänger kein Halten mehr © getty

Nach zehnjähriger Abstinenz schafft die Fortuna den Aufstieg in Liga zwei. Fan-Ausschreitungen überschatten die Feierlichkeiten.

Düsseldorf - Die längste Theke der Welt war fest in rot-weißer Hand: Tausende Fans feierten auch am Sonntag in der Düsseldorfer Altstadt ihre Aufstiegshelden.

Mit dem 1:0 (1:0)-Erfolg gegen Werder Bremen II (Spielbericht: Düsseldorf zurück in Liga zwei) ist die Odyssee des zweimaligen DFB-Pokalsiegers Fortuna Düsseldorf durch die Niederungen des deutschen Fußballs endlich beendet. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Fortuna, Fortuna", hallte es minutenlang über den Rathausvorplatz, während der frischgebackene Aufsteiger in die 2. Liga die offizielle Ehrung durch Oberbürgermeister Dirk Elbers über sich ergehen lassen musste. ad

Ausgelassen auf dem Rathausbalkon

Umso ausgelassener zeigten sich die sichtlich übermüdeten Spieler aber dann auf dem Rathausbalkon:

Singend und mit überdimensionalen Altbier-Gläsern in den Armen ließen sie sich sogar dazu hinreißen, bengalische Feuer vor der rot-weißen Menschenmenge abzubrennen.

"Das ist für Düsseldorf etwas Besonderes", hatte ein überglücklicher und mit Sekt durchtränkter Trainer Norbert Meier bereits am Samstag gesagt und die ausgelassenen Feierlichkeiten in der Stadt vorweggenommen:

"Das ist nicht nur ein Aufstieg, das ist mehr. Ich glaube, jetzt versinkt ganz Düsseldorf im Altbier."

Fan-Ausschreitungen in der Nacht

Doch die Feierstimmung schlug in der Nacht zumindest teilweise in Gewalttätigkeiten um.

Wie die Polizei mitteilte, sei die Stimmung bis in die frühen Morgenstunden sehr aggressiv und gereizt gewesen. 24 Personen wurden festgenommen.

Insgesamt wurden 25 Polizisten, sowie zahlreiche weitere Personen teils schwer verletzt.

Unbekannte Brandstifter zündeten einen VW-Bus der Polizei an. Bei den Löscharbeiten wurden sowohl Feuerwehr, als auch Polizei tätlich angegangen und mit Flaschen beworfen.

Ausverkauftes Tollhaus

50.095 begeisterte Düsseldorfer Fans hatten zuvor in der ausverkauften Arena frenetisch den 1:0-Erfolg der Fortuna gefeiert und für einen Zuschauerrekord bei einem Drittliga-Spiel gesorgt.

Marco Christ hatte das Stadion dabei in der 12. Spielminute erstmals in ein Tollhaus verwandelt, als er mit einer verunglückten Flanke den spielentscheidenden Treffer erzielte.

Schon nach knapp 30 Minuten schwappte La Ola durch die Arena, minutenlange Standing Ovations waren dem Sturm des Spielfeldes vorausgegangen.

Unglaubliches Potential

"Düsseldorf hat zehn Jahre in der Unterklassigkeit gelitten", sagte Stürmer Ranisav Jovanovic überglücklich: "Heute hat man wieder gesehen, welches Potenzial hier in der Stadt steckt."

Denn nicht nur während der 90 Minuten hatten die Düsseldorfer Bundesliga-Stimmung aufkommen lassen.

Schon am Morgen hatten Fortuna-Fans das Mannschaftshotel belagert und die Spieler mit lautstarken Gesängen gefeiert.

Meier vor Vertragsverlängerung

"Dass sich so viele Fans auch im Stadion zu Fortuna bekennen, damit hätte ich nicht gerechnet", sagte der Düsseldorfer Vorstands-Vorsitzende Peter Frymuth, der in der Stunde des Erfolgs auch ein klares Bekenntnis zum derzeitigen Trainer abgab:

"Natürlich gehen wir mit Norbert Meier in die neue Saison."

Der Coach besitzt nur einen Vertrag für die gerade zu Ende gegangene Saison.

Erste Gespräche mit Investor

Zuletzt hatte es in Düsseldorf Spekulationen über einen Trainerwechsel gegeben, nachdem bekannt geworden war, dass der Frankfurter Geschäftsmannes Daniel Jammer über einen Einstieg beim Traditionsverein nachdenkt.

Frymuth und Jammer hatten sich in der vergangenen Woche erstmals getroffen. "Die Trainerfrage war nicht Gegenstand unserer Gespräche", sagte allerdings Frymuth.

Dennoch scheinen sich die Anzeichen zu verdichten, dass sich Jammer, dem auch der israelische Erstligist Maccabi Netanya gehört, für ein Engagement in Düsseldorf erwärmen kann.

Und auch die Fortunen, die angeblich Schulden in Höhe von sieben Millionen Euro plagen, scheinen einer Zusammenarbeit alles andere als abgeneigt zu sein.

"Es war ein angenehmes Treffen", sagte Frymuth, der Jammer per SMS immer über die aktuellen Zwischenstände informiert hatte.

"Man hat gemerkt, dass Herr Jammer nicht nur ein Wirtschaftsfachmann, sondern auch fußballkompetent ist. Wir werden unsere Gespräche in der kommenden Woche fortsetzen."

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