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Horst Köppel begann seine Trainerkarriere 1982 bei Arminia Bielefeld © imago

Am Samstag startet die Dritte Liga. Sport1.de sprach mit Ingolstadts Trainer Horst Köppel über Favoritenrollen und Leitfiguren.

Von Robert Gherda

München - Den Abstieg des FC Ingolstadt aus der Zweiten Liga hat Horst Köppel mit seiner Verpflichtung nur fünf Spieltage vor Saisonschluss nicht verhindern können.

Doch anstatt sich gleich wieder vom Klub zu verabschieden, will der 61-Jährige das Projekt "Wiederaufstieg" angehen.

Für Köppel eine ganz neue Erfahrung, denn in der dritthöchsten Spielklasse trainerte er noch nie.

Sport1.de sprach kurz vor dem Saisonstart der Dritten Liga am Samstag (ab 14 Uhr LIVESCORES) mit Horst Köppel über Ingolstadts Favoritenrolle in Liga drei, die Leitfiguren seiner Mannschaft und die Konkurrenz.

Sport1.de: Herr Köppel, Sie kamen recht spät zum FC Ingolstadt und konnten den Abstieg nicht mehr verhindern. Haben Sie je mit dem Gedanken gespielt, nicht mit in die Dritte Liga zu gehen?

Horst Köppel: Erstmal haben wir gehofft, dass der Abstieg noch zu verhindern ist. Als er dann aber besiegelt war, habe ich mich mit der Vereinsführung sehr schnell darauf geeinigt weiterzumachen. Nach fünf Spielen wieder aufzuhören, ist nicht mein Ding. Und jetzt gehen wir voller Motivation in die neue Saison.

Sport1.de: War es für Sie kein Problem, "nur" noch einen Drittligisten zu trainieren?

Köppel: Nein, obwohl ich bisher viele Erstligisten im In- und Ausland trainiert habe. Als Ralf Rangnick damals Hoffenheim in der Regionalliga übernommen hat, habe ich mir gedacht, vielleicht schafft er da etwas Großes. Ich denke mit dem FC Ingolstadt nicht an die Bundesliga, aber an die Zweite Liga. Und mit einem jungen Team und diesem Ziel zu arbeiten, ist eine sehr reizvolle Aufgabe.

Sport1.de: Ingolstadt gilt als einer der Favoriten für den Aufstieg. Bis auf vier sind alle Stammspieler geblieben. Hat die Mannschaft den Abstieg schon verdaut?

Köppel: Das denke ich schon, aber ich weiß es nicht genau. Wir hatten wochenlang Zeit, uns vorzubereiten und haben auch darüber geredet, wie in der Dritten Liga gespielt wird. Ob das gefruchtet hat, wird es sich aber erst zeigen, wenn die ersten Spiele gelaufen sind.

Sport1.de: Empfinden Sie einen besonderen Druck, wieder aufsteigen zu müssen?

Köppel: Innerhalb des Vereins wissen wir, dass das nicht einfach wird. Es ist unser Ziel, vielleicht nicht im ersten Jahr, dann aber im zweiten. Das hängt davon ab, wie wir in die Saison starten, wie viele Verletzte man hat und den Dingen, die sonst noch wichtig im Fußball sind. Klar wollen wir oben mitspielen und wenn möglich auch aufsteigen, aber Pflicht ist das dieses Jahr noch nicht.

Sport1.de: Wen sehen Sie als die größten Konkurrenten?

Köppel: In dieser Liga gibt es acht bis zehn Teams, die aufsteigen können. Holstein Kiel, das sich sehr gut verstärkt hat, aber auch die beiden Mitabsteiger werden oben mitspielen. Dann sehe ich Jena, Dresden, Aue, Offenbach und auch Unterhaching als Mitfavoriten, dazu gibt es oft eine Überraschungsmannschaft. Die Liga ist sehr ausgeglichen, aber mit einem guten Lauf sind wir oben dabei.

Sport1.de: Was erwarten Sie von der Dritten Liga? (Die Hinrunde der Dritten Liga im Überblick)

Köppel: Eine spannende Saison. Mit Eintracht Braunschweig und Kickers Offenbach sind Traditionsvereine dabei, die auch schon in der Bundesliga gespielt haben. Dazu kommen andere große Namen. Für mich ist diese Liga beinahe so stark wie die Zweite Liga.

Sport1.de: Was halten Sie von der aufgehobenen Beschränkung bezüglich der zweiten Mannschaften der Profiklubs?

Köppel: Ich bin für eine Begrenzung auf sechs respektive acht Teams bei 18 beziehungsweise 20 Mannschaften pro Liga. Sonst wäre auch der Sinn dieser zweiten Mannschaften verfehlt. Die Spieler können nur den Anschluss zur ersten Mannschaft finden, wenn sie ebenfalls höherklassig spielen.

Sport1.de: Wen nehmen Sie in Ihrer Mannschaft besonders in die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen?

Köppel: Zecke Neuendorf soll eine führende Position übernehmen und die Mannschaft ein bisschen lenken und leiten. Aber wir haben mit Fabian Gerber und Stefan Leitl noch weitere erfahrene Spieler. Wenn diese drei fit sind, sollen sie die Leitfiguren der Mannschaft sein.

Sport1.de: Sind die Personalplanungen abgeschlossen?

Köppel: Ja, definitiv. Es sei denn, es gibt in den nächsten Wochen einige Verletzte, dann müsste man sich noch mal umsehen.

Sport1.de: Am ersten Spieltag geht es gegen die Amateure der Bayern, das Team von Mehmet Scholl. Was halten Sie von ihm?

Köppel: Als ich in Mönchengladbach Trainer war, habe ich ihn als guten Spieler schätzen gelernt. Aber ich kenne ihn kaum. Was ich weiß, ist: Er hat als Spieler sehr viel geleistet. Er ist bei seinen TV-Auftritten auch rhetorisch sehr gut und macht sich viele Gedanken über Fußball. Ich bin davon überzeugt, dass er ein ganz großer Trainer werden kann.

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