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Falko Götz war von 2004 bis 2007 Trainer bei Hertha BSC Berlin © getty

Der Tabellen-18. setzt Falko Götz vor die Tür. Nun ist Fakt: Der Trainer wurde gegen einen Spieler in der Kabine handgreiflich.

Von Nikolai Kube

Kiel - Das Projekt war eigentlich auf vier Jahre angesetzt: Falko Götz sollte den Drittliga-Aufsteiger Holstein Kiel im Profifussball etablieren.

Doch nur neun Monate später ist die "Ära Götz" bei den "Störchen" bereits wieder beendet:

Nach einer, wie es heißt, "eindeutigen Spielerabstimmung" haben Präsidium und Aufsichtsrat entschieden, den Ex-Hertha-Coach zu beurlauben.

Kiel hat die Freistellung von Trainer Falko Götz mittlerweile in eine fristlose Kündigung umgewandelt.

Tätlichkeit bestätigt

"Unsere Recherchen haben eindeutig ergeben, dass es in Braunschweig zu einer Tätlichkeit von Herrn Götz gekommen ist", erklärte Holstein-Präsident Roland Reime den "Kieler Nachrichten".

Dem Trainer wird vorgeworfen, unmittelbar nach der 1:2-Niederlage am 8. August bei Eintracht Braunschweig in der Kabine Marco Stier attackiert haben.

Wie ein Augenzeuge berichtete, schrie der Trainer den Spieler zunächst an und schlug ihm anschließend mit der flachen Hand auf die Stirn.

Götz dementiert

Götz habe sich nach diesem Vorfall mit den Worten, "es tut mir leid, aber ich stehe dazu", vor dem Team entschuldigt.

Im "Kölner Express" dementierte der Coach:

"Ich habe weder eine Handgreiflichkeit, noch eine Tätlichkeit gegenüber irgendwem begangen. Meine Freistellung von Holstein ist ein laufendes Verfahren, das wohl zu keiner gütlichen Einigung führen wird."

Und weiter: "Deswegen kann ich nichts weiter kommentieren - auch wenn es in mir kocht."

Keine genaueren Angaben zur Entlassung

Der 47-jährige, der von 2004 bis 2007 Trainer in Berlin war, hatte sein Amt zusammen mit Ex-Profi und Co-Trainer Andreas Thom erst am 15. Dezember vergangenen Jahres als Nachfolger von Peter Vollmann übernommen

"Ich bin persönlich tief enttäuscht, dass wir die Arbeit mit Falko Götz nicht fortsetzen können", meinte Präsident Reime.

Fröhling als "Interimslösung"

Neuer Trainer ist von sofort an Torsten Fröhling, der frühere Abwehrspieler des Hamburger SV und des FC St. Pauli (Alle Drittliga-News). Der 43-Jährige soll das Amt jedoch nur übergangsweise bekleiden:

"Herr Fröhling ist eine Interimslösung", betonte Reime in den "Kieler Nachrichten".

Fröhling trainierte bisher die U-23-Mannschaft der Kieler in der Schleswig-Holstein-Liga (Fünfte Liga) und arbeitete bis Ende Februar 2009 erfolgreich beim Hamburger Verein Altona 93.

Neutrainer Fröhling wird von Ex-Nationalspieler Thom (44) und Torwarttrainer Klaus Thomforde (46, früher FC St. Pauli) unterstützt.

Spielerabstimmung nach dem Dynamo-Spiel

Dass es atmosphärische Störungen in der Mannschaft gegeben hat, ist jedoch kein großes Geheimnis.

Angeblich fand nach der 0:3-Niederlage am letzten Spieltag gegen Dynamo Dresden eine interne Abstimmung der Spieler statt.

Das Ergebnis des Votings sei niederschmetternd gewesen: 24 Akteure waren für eine Ablösung, nur einer der Profis stand auf der Seite des Trainers.

Handgreiflichkeiten in der Kabine

Bestätigen wollten die Aktiven dies allerdings nicht. Ein eventeller Rauswurf des 47-Jährigen sei den Profis zufolge kein Thema gewesen.

Holstein Kiel liegt nach dem 9. Spieltag in der Dritten Liga nach nur zwei Siegen im August gegen Bremen II (4:0) und in Offenbach (3:2) auf dem 18. Tabellenplatz.

Bereits sechs Mal verließen die Kieler als Verlierer den Platz (DATENCENTER: Die Dritte Liga).

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