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Trainiert seit sechs Jahren Werders zweite Mannschaft: Thomas Wolter © getty

In der Bundesliga sind Bayern und Bremen Erzrivalen, in der Dritten Liga aber gute Freunde. Denn: Sie haben die gleichen Sorgen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Verhasste, aber gern gesehene Gäste sind sie in der Bundesliga - die Profi-Teams von Bayern München und Werder Bremen. Ganz anders ergeht es den zweiten Mannschaften der Bundesligisten.

In der Dritten Liga schlägt ihnen vielerorts eine derart große Abneigung entgegen, dass sich die Trainer der beiden Teams prompt nach dem 1:1 am Freitagabend in München verbrüderten, das das erste Aufeinandertreffen beider Teams in einem Punktspiel war.

Werder II-Coach Thomas Wolter stellte nach der technisch anspruchsvollen Partie vor 1200 Zuschauern mit Genugtuung fest: Man habe gesehen, dass beide Teams zu Recht in der dritthöchsten deutschen Spielklasse aktiv seien.

"Wir haben uns sportlich qualifiziert, obwohl das viele nicht wahrhaben wollen." Neben Bayern II und Werder II mischt auch Stuttgarts Zweite in der Liga mit.

Gerland: "Regionalliga wäre eine Schande"

FCB II-Coach Hermann Gerland pflichtete Wolter bei. "Es wäre eine Schande, wenn beide Mannschaften in der Regionalliga spielen würden", sagte er während der Pressekonferenz im Grünwalder Stadion.

Der Bayern-Ausbilder sprach gar vom "besten Drittliga-Spiel", das er in dieser Saison beobachtet habe.

Die bösen Plakate, die den Talenten von Werder und Bayern in zig Arena entgegenleuchten, entziehen sich angeblich seinem Blickfeld.

"Die", so Gerland, "sind gottseidank so weit weg auf der anderen Stadienseite, da kann ich sie gar nicht richtig lesen."

Bremer kein Zuschauermagnet

Immerhin hat Gerland den Vorteil, dass "seine" Bayern andernorts als Zuschauermagnet gelten.

Die "kleinen" Bremer garantieren aus Sicht anderer Drittliga-Mannschaften noch nicht einmal für Fan-Andrang. Auch deshalb glaubt Wolter, viele Beteiligte der neu geschaffenen dritten Profiliga wollten sein Team am liebsten nicht in der Klasse haben.

Dabei bietet sowohl die aus vielen Talenten besetze SV Werder-Auswahl zumeist offensiven Fußballl - genauso wie Bayerns Nachwuchs.

FCB-Mittelfeldarbeiter Marco Stier hat von 2001 bis 2006 beim SV Werder in der Regionalliga gespielt, seit zwei Jahren streift er das Dress des Südrivalen über.

Ausbildungsschmiede für die Erste

Der 24-Jährige kann die Arbeitsweise beider Klubs im Nachwuchsbereich also aus eigener Anschauung beurteilen.

"Beide Mannschaften sind sehr professionell geführt. Bayern vielleicht noch einen Tick mehr", erklärt er gegenüber Sport1.de.

Und bei beiden Teams gelte das Primat der "Ausbildungsmannschaft". Soll heißen, trotz des Drucks hin zum sportlichen Erfolg, seien Fehler möglich.

Sowohl Hermann Gerland und Thomas Wolter bescheinigt Stier "eine Superarbeit".

In der Tat: Erstliga-Profis haben beide einige hervorgebracht. Aktuelle Beispiele Christian Lell und Philipp Lahm (Bayern) bzw. Martin Harnik (Bremen) und Kevin Schindler (Bremen, mittlerweile Hansa Rostock).

Stars von morgen gesucht

Die zweiten Mannschaften der Bundesligaklubs gelten auch in Expertenkreisen längst als Talentschmiede. Das Match Bayern II gegen Werder II beobachtete daher auch Herthas-Ex-Bundesligatrainer Falko Götz.

Dabei war unter den Namen der 22 Spieler weder ein Toni Kroos noch ein Martin Harnik zu finden, die beide in der vergangenen Saison immer wieder in der zweiten Mannschaft ausgeholfen haben.

Stattdessen zogen unter anderem Bayerns Torschütze Mehmet Ekici und Deniz Yilmaz die Blicke auf sich. Bei Bremen gefiel neben dem Torschützen Torsten Oehrl (Foulelfmeter) auch Marc Heider.

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