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Andreas Möller spielte sechs Jahre für den OFC-Erzrivalen Eintracht Frankfurt © getty

Andreas Möller hat als neuer Sportchef bei Kickers Offenbach keinen leichten Stand - nicht nur wegen seiner Zeit beim Rivalen Frankfurt.

München - Schon als Spieler war Andreas Möller eine Reizfigur.

In seiner aktiven Zeit stand der heute 40-Jährige insgesamt sechs Spielzeiten bei der Frankfurter Eintracht unter Vertrag.

Nun ist Möller seit dem 1. Juli als Manager beim Zweitliga-Absteiger Offenbach tätig.

Und die offene Rivalität zwischen den Kickers und der Eintracht ist wahrlich kein Geheimnis.

In der dritten Liga etablieren

Nach dem aus OFC-Sicht kaum vorstellbaren Gang in die Regionalliga (immerhin rutschte der Klub erst am letzten Spieltag in die Abstiegszone) ist es nun Möllers dringlichste Aufgabe, eine schlagkräftige Truppe für die neue Saison zu formen.

Darauf konzentriert sich der Weltmeister von 1990 voll. "Wir werden versuchen, in der dritten Liga ein ehrgeiziges und dynamisches Team aufzubauen", sagte Möller im Gespräch mit Sport1.

"Wir wollen Vertrauen zurückgewinnen und uns in der neuen Profiliga etablieren."

Aber das werde nicht einfach, so der ehemalige Mittelfeldspieler. "Es ist ein Umbruch, daher bitten wir um Geduld bei den Fans."

Guten Kontakt zu den Fans

Gerade bei den Offenbach-Fans muss sich Möller als Ex-Frankfurter ohnehin beweisen, Schwierigkeiten sieht er aber keine auf sich zukommen: "Das ist kein Problem. Es ist Lichtjahre her", sagte er und konkretisierte bei seiner Vorstellung in Offenbach:

"Ich weiß, dass es Ressentiments gegen meine Person geben wird. Ich möchte aber nicht an meiner fußballerischen Vergangenheit gemessen werden."

Der 85-fache Nationalspieler weiter: "Es ist mir sehr wichtig, einen guten Kontakt zu den Fans zu haben. Ich will danach beurteilt werden, wie ich für den OFC arbeite."

Möller backt kleine Brötchen

Und die Tätigkeit bei dem hessischen Traditionsklub wird alles andere als einfach. Etliche Leistungsträger wie Suat Türker (SC Freiburg), Anastasios Agritits (Iraklis Saloniki) oder Nico Bungert (FSV Frankfurt) haben den Bieberer Berg verlassen.

Daher hat Möller auch die Äußerungen bei seiner Vorstellung ("den OFC wieder zweitklassig machen") inzwischen relativiert und backt kleinere Brötchen.

Fünf plus vier

In erster Linie ist der Weltmeister von 1990 dafür verantwortlich, gemeinsam mit dem neuen Trainer Hans-Jürgen Boysen eine konkurrenzfähige Truppe für die kommende Spielzeit auf die Beine zu stellen.

Ein stark gekürzter Etat und geringere Einnahmen lassen den Verantwortlichen aber nicht viel Handlungsspielraum.

Mit Torwart Robert Wulnikowski (Sportfreunde Siegen), Verteidiger Nassim Banouas (1. FC Kaiserslautern), den Mittelfeldspielern Steffen Haas (Leihgabe 1899 Hoffenheim) und Sebastian Becker (FC Augsburg) sowie Stürmer Tufan Tosunoglu (MSV Duisburg) sind aber schon fünf neue Spieler gekommen. Vier weitere sollen noch folgen.

Nach den ersten beiden Testspielen, unter anderem einem 2:0 gegen den 18-maligen rumänischen Meister Dinamo Bukarest, war Möller aber schon zuversichtlich. "Man hat schon spüren können, das hier etwas zusammenwächst", sagte er

Leistungsbezogener Vertrag bis 2010

Nach der Trennung vom früheren Manager Michael Dämgen sollte die Stelle des Sportdirektors aus finanziellen Gründen eigentlich nicht neu besetzt werden.

Möller hat nun einen stark leistungsbezogenen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Jedoch scheint der Ex-Profi von Schalke, Dortmund, Frankfurt und Juventus Turin kein allzu großer Kostenfaktor zu sein.

Den Trainerjob bei seinem früheren Klub Viktoria Aschaffenburg erledigte er sogar unentgeltlich.

Finanzielle Situation ausschlaggebend

Bei den Unterfranken sorgte Möller für eine faustdicke Überraschung. Erst machte er als Cheftrainer mit Viktoria den Aufstieg in die Regionalliga perfekt und trat dann zurück. Bereits wenige Stunden später sagte er in Offenbach zu.

Die Trennung beruhte vornehmlich auf finanziellen Gründen, weil die inzwischen erteilte Lizenz damals nicht sicher als sicher galt und zahlungskräftige Sponsoren fehlten. Die Zukunft des gesamten Vereins schien ungewiss.

Grund genug für Möller, seine Zelte in Aschaffenburg nach nur einem Jahr wieder abzubrechen und sich einer neuen, reizvolleren Aufgabe zu widmen.

Wie gesagt: Möller ist eine Reizfigur.

Michael Schulz / Tobias Schneider

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