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Dynamo Dresden spielte von 1991 bis 1995 in der Bundesliga © getty

Dem Traditionsverein Dynamo Dresden droht der Lizenzentzug für die kommende Saison. Die Stadionkosten belasten den Klub schwer.

Dresden - Leere Kassen, sportliche Talfahrt und Ärger mit den Fans: Dynamo Dresden ist wieder einmal am Tiefpunkt angelangt.

Der einstige Renommier-Klub des DDR-Fußballs kämpft gleich an mehreren Fronten ums Überleben. Große Finanzproblme bereitet dem Klub das modernisierte Rudolf-Harbig-Stadion, das sich als Fass ohne Boden erweist. (DATENCENTER: Die Dritte Liga)

Sollte mit der Stadt keine Einigung über die Nutzung erzielt werden, ist die Lizenz für die neue Saison in Gefahr.

Arena-Kosten bedrohen Existenz

"Wir benötigen in punkto Stadion ein stimmiges Konzept für die Lizenzierungsunterlagen. Es geht darum, eine wettbewerbsfähige Miete zu zahlen" sagte Dynamos Hauptgeschäftsführer Stefan Bohne.

Die Nutzungskosten der neuen Arena von jährlich 2,2 Millionen Euro bedrohen die Existenz des Klubs, so Bohne.

Die derzeit vorgesehenen Kosten für den Spielbetrieb im alt-ehrwürdigen Stadion seien ein "struktureller Nachteil" für Dynamo. Auf 1,5 Millionen Euro wird das Defizit durch die Kosten des Stadions taxiert.

Beim Verhandlungspartner indes arbeitet man mit anderen Zahlen. Nach neuesten Informationen der "Sächsischen Zeitung" errechnete die Dresdener Stadtverwaltung lediglich ein Minus von 312.000 Euro für den Verein.

Zahlenwirrwar in Dresden

"Dynamo wäre gut beraten, Zahlen voranzutreiben, die nicht als überhöht empfunden werden", sagte Stadtrat Tilo Kießling.

Am Dienstagmittag reagierte Dynamo mit "Befremden" auf die in den Medien veröffentlichten Zahlen. Vertreter der Stadt hätten den "Weg der seriösen Verhandlung" verlassen und Zahlen lanciert, die "falsch berechnet sind", teilte der Klub mit.

Man selbst bleibe seriös und strebe eine Lösung zur Nutzung des Stadions an.

"Kein zweites Leipzig"

So solle auch ein "zweites Leipzig vermieden werden", wie Bohne mit Verweis auf das Leipziger Zentralstadion sagte, das seit der Fußball-WM 2006 aufgrund fehlender Profivereine als Spielstätte verwaist.

Ein Vorbild sei laut Bohne das Modell von Fortuna Düsseldorf.

"Düsseldorf hatte ähnlich wie Dresden als Drittligist ein großes Stadion zur Verfügung und hat mit der Stadt gute Konditionen zur Nutzung der Arena ausgehandelt" sagt Bohne.

Angeblich hat man sich in Düsseldorf darauf geeinigt, dass rund 15 Prozent der Zuschauereinnahmen als Miete an die Stadt gehen.

Düsseldorf als Vorbild

Auch in sportlicher Hinsicht dient Düsseldorf als aktueller Tabellenfünfter der Zweiten Liga den Sachsen als Vorbild. Die Fortuna habe sich laut Bohne dank einer guten Personalpolitik rasch in der Zweiten Liga etabliert.

Eine Situation, von der Dynamo zurzeit nur träumen kann. Der achtmalige DDR-Meister und mehrfache Europapokal-Teilnehmer rangiert in Liga drei nur auf Rang 15.

"Unser Saisonziel kann nur Klassenerhalt lauten", sagt Bohne angesichts nur eines Punktes Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Hooligans weiteres Problem

Einen weiteren Krisenherd bekommt der Verein trotz großer Bemühungen ebenfalls nicht in den Griff: Gewaltbereite Fangruppierungen sorgen wie zuletzt im Freundschaftsspiel gegen Rapid Wien immer wieder für Krawalle und bringen den Verein in der öffentlichen Wahrnehmung weiter mit Ausschreitungen in Verbindung.

"Wir sind uns der Problematik bewusst und versuchen, solche Vorfälle zu unterbinden", erklärte Bohne direkt nach den Ausschreitungen im Januar.

Der Deutsche Fußball-Bund schien den Versprechungen zu glauben und beließ es bei einer Strafe von "nur" 5000 Euro.

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