vergrößernverkleinern
Michael Kempter hat am 17. Januar sein bislang letztes Bundesligaspiel geleitet © imago

Der DFB hebt die Auszeit für den Schiedsrichter wegen der Amerell-Affäre auf und setzt ihn in wieder ein. Fandel ist überrascht.

Frankfurt/Main - Überraschendes Comeback in der Provinz: Schiedsrichter Michael Kempter kehrt trotz der weiter schwelenden "Affäre Amerell" schneller auf den Platz zurück als erwartet.

Der FIFA-Referee wird am Samstag, 83 Tage nach seinem letzten Einsatz in der Bundesliga, das Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Holstein Kiel (ab 14 Uhr LIVE) pfeifen.

Dies beschloss der DFB vor dem außerordentlichen Bundestag am Freitag.

"Das ist für uns absolute Normalität, denn es gibt derzeit keine Vorwürfe, die gegen eine Ansetzung von Michael Kempter sprechen. Es gibt keine Erkenntnisse, die ihn auf irgendeine Art belasten. Er hat gezeigt, dass er körperlich und mental fit ist", sagte Theo Zwanziger. 212298(DIASHOW: Theo Zwanzigers Karriere)

Amerell prophezeit Zwanzigers Abtritt

Der DFB-Präsident hatte in den vergangenen Wochen trotz der ungeklärten Affäre um den ehemaligen Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell stets auf die Rückkehr Kempters gepocht.

Amerell kritisierte Zwanziger erneut mit teils drastischen Aussagen.

"Zwanziger versucht damit, seinen Kopf zu retten. Das ist die Not des Herrn Zwanziger, der sein Amt nicht verlieren will. Da er sein Schicksal mit Kempter verbunden hat, zaubert er ihn jetzt aus dem Hut", sagte Amerell

Er prophezeite danach sogar das Ende der Amtszeit des DFB-Präsidenten: "Diese Nummer wird nach hinten losgehen. Wenn Zwanziger Charakter hat, wird er sein Amt mit dem Untergang seines Kronzeugen Kempter verlieren."

Kempter sei nicht "ehrlich und glaubwürdig"

Es sei dreist, jemanden so kurzfristig anzusetzen, der "die Öffentlichkeit belogen" habe.

"Seine Ansetzung ist ein Schlag ins Gesicht ehrlicher Menschen. Für einen Schiedsrichter ist es wichtig, ehrlich und glaubwürdig zu sein. Das ist Kempter nicht", sagte Amerell und redete sich in Rage.

Zwanziger reagierte nach dem Bundestag gelassen. "Amerell ist ein Verrückter des Schiedsrichterwesens, das ist sein Leben. Ich habe Verständnis, dass für ihn da eine Welt zusammengebrochen ist, aber er hat den DFB freiwillig verlassen."

Kempter ließ über den DFB ausrichten: "Ich habe mich in den vergangenen Wochen fit gehalten, fühle mich gut und freue mich sehr, endlich wieder auf den Platz zurückzukehren."

Fandel ist überrascht

Völlig überrascht von den Entwicklungen zeigte sich der designierte neue Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel, der sich zuletzt gegen eine schnelle Rückkehr von Kempter ausgesprochen hatte.

Fandel war offensichtlich noch nicht informiert worden. "Das habe ich nicht gewusst", sagte er.

Kempter hatte sein letztes Bundesligaspiel vor dem Bekanntwerden des vermeintlichen Sittenskandals beim 1:0 von Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg am 17. Januar geleitet.

Ein für Anfang März beim Zweitliga-Spiel Union Berlin gegen MSV Duisburg angedachtes Comeback war abgesagt worden.

Bundesliga-Comeback bleibt offen

Wann Kempter wieder in der Bundesliga pfeifen darf, ist offen. "Über weitere Ansetzungen ist noch nicht entschieden", sagte ein DFB-Sprecher.

Kempters schnelle Rückkehr auf die Fußball-Bühne kommt sehr überraschend. Erst am Mittwoch hatte der Bankkaufmann nach fast dreimonatiger Pause einen Fitnesstest absolviert.

Diesen bestand er ohne Probleme. Auch die Glaubwürdigkeit des 27-Jährigen aus Sauldorf wird trotz der von Manfred Amerell veröffentlichten E-Mails nicht angezweifelt.

Daher steht einem Comeback auch psychisch anscheinend nichts mehr im Wege.

Bayern nehmen Kempters Entschuldigung an

Zuvor hatten der DFB und Rekordmeister Bayern München den Weg für Kempter frei gemacht.

Der DFB-Kontrollausschuss hatte am 30. März das Ermittlungsverfahren gegen den Referee eingestellt.

Anlass des Verfahrens war eine offensichtlich von Kempter stammende E-Mail an Amerell, in der er sich negativ über die Bayern geäußert hatte.

Kempter bat deshalb den Münchner Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Vorstandsmitglied Karl Hopfner bei einem Gespräch um Entschuldigung.

Die Bayern nahmen an.

Medienansturm in Sandhausen

Sandhausen, wo es sonst eher beschaulich zugeht, rüstet sich nun für einen gewaltigen Medienansturm.

"Es sind einige Faxe, Mails und viele Akkreditierungswünsche angekommen, und der Tag ist ja noch lang", sagte Manager Tobias Gebert.

"Wir sind von der Infrastruktur dazu fähig, viele Journalisten aufzunehmen. Herr Kempter wird hier eine sehr gute Leistung bringen, denn er ist ein sehr guter Schiedsrichter."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel