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Torsten Lieberknecht beerbte im Mai 2008 Benno Möhlmann als Trainer © getty

Braunschweig verpasste in der letzten Saison knapp den Aufstieg. In dieser Spielzeit will Trainer Torsten Lieberknecht mehr.

Von Benjamin Bauer

München - In der Spielzeit 2007/2008 wäre Eintracht Braunschweig fast in der Viertklassigkeit versunken.

Doch unter Trainer Torsten Lieberknecht rettete sich der Deutsche Meister von 1967 in die damals neugegründete Dritte Liga.

In der vergangenen Saison schnupperte die Eintracht sogar am Aufstieg zur Zweiten Liga, musste aber in der Tabelle dann dem VfL Osnabrück, Erzgebirge Aue und dem FC Ingolstadt den Vortritt lassen.

Am Freitagabend startete die Dritte Liga mit dem Eröffnungsspiel, das Kickers Offenbach gegen Aufsteiger Saarbrücken mit 2:0 gewann in die neue Saison.

Und die Eintracht gehört zum erweiterten Favoritenkreis (DATENCENTER: Die Dritte Liga).

Im Interview mit SPORT1 blickt Coach Lieberknecht auf die kommende Spielzeit und formuliert das Saisonziel, nennt die Probleme der Liga und die Favoriten für den Aufstieg.

SPORT1: Die vergangene Saison beendete Eintracht Braunschweig auf Rang vier. Wie lautet die Zielsetzung für die kommende Spielzeit?

Torsten Lieberknecht: Wenn wir so lange mit oben in der Tabelle bleiben wie in der abgelaufenen Spielzeit, wären wir schon sehr zufrieden. Letztlich wollen wir versuchen, mit um den Aufstieg zu spielen. Auch wenn wir nicht Topfavorit sind. Aber aufgrund der Tatsache, dass wir eine gute letzte Saison gespielt und auch Qualität und Selbstvertrauen in der Mannschaft haben, arbeiten wir daran, diesen Traum vom Aufstieg wahr werden zu lassen.

SPORT1: Das Stadion wurde ausgebaut, der Dauerkartenverkauf ist auf Rekordkurs. In sieben Testspielen gab es sieben Siege. Die Erwartungen und der Druck sind hoch, oder?

Lieberknecht: Bei einem Traditionsverein wie der Eintracht sind Erwartungen immer da. In den letzten Jahren ist bei den Leuten hier aber Vernunft eingekehrt und alle können Testspiele einschätzen. Die Menschen gehen sehr nüchtern mit der Situation um und vertrauen den Verantwortlichen und deren Arbeit

SPORT1: Wie sind Ihre Favoriten für den Aufstieg?

Lieberknecht: Mit Ingolstadt und Osnabrück sind in der vergangenen Saison die finanzstärksten Vereine aufgestiegen. Sandhausen, Offenbach und auch Wehen-Wiesbaden versuchen, dieses nachzuahmen und haben viel investiert.

SPORT1: Sind die Personalplanungen bis zum Saisonstart abgeschlossen?

Lieberknecht: Wir haben zwar noch Testspieler eingeladen, aber wir wissen, dass wir da momentan eigentlich keinen finanziellen Spielraum haben. Deshalb gehen wir davon aus, bis zum Auftakt gegen Dresden keinen Spieler mehr zu verpflichten und auch nicht verpflichten zu können.

SPORT1: Sollte der Saisonstart also nicht wie gewünscht verlaufen, wird man noch mal tätig?

Lieberknecht: Das glaube ich momentan nicht. Da sind wir abhängig, dass die eine oder andere gute Fee am Waldesrand erscheint und uns noch ein bisschen Geld gibt.

SPORT1: Wo liegt die Stärke des Teams?

Lieberknecht: Man spricht ja gern vom geschlossenen Teamgeist. Der ist bei uns extrem ausgeprägt. Außerdem haben wir eine gesunde Mischung in der Mannschaft und gemeinsam mit Offenbach die beste Defensive der vergangenen Saison gestellt. Unsere erzielten Tore haben sich auf viele Spieler verteilt. Wir sind eine Mannschaft, die immer am Limit spielt und Gas gibt. Das zeichnet uns aus.

SPORT1: Die Mannschaft ist recht jung und hat nur wenige erfahrene Spieler in ihren Reihen. Ist das ein Defizit und könnte zu einem Problem werden?

Lieberknecht: Das muss nicht so sein. Bei der WM hat man ja bei der deutschen Nationalmannschaft gesehen, dass die jungen Spieler das Turnier geprägt haben. Man muss eine Mischung finden und den jungen Spieler Vertrauen entgegen bringen. Das haben die Braunschweiger bisher getan. Wir haben mit Deniz Dogan, Dennis Kruppke, Damir Vrancic und Marjan Petkovic aber auch eine Achse der Erfahrung. Die jungen Spieler haben doch noch Leistungsschwankungen. Da muss man Geduld aufbringen, aber wir sind da eher optimistisch als pessimistisch.

SPORT1: Die Dritte Liga ist sehr ausgeglichen. Spricht das für die Liga?

Lieberknecht: Es ist genau wie in der Bundesliga oder der Zweiten Liga. Die Entscheidungen um Aufstieg oder Abstieg fallen meistens erst in den letzten Spieltagen. Das ist ein Zeichen, dass viele Mannschaften von Niveau eng beieinander sind und oft die Tagesform entscheidet. Ein Qualitätsmerkmal ist allerdings die Tatsache, dass viele Zweitliga-Profis den Weg in die Dritte Liga finden. Seit der Einführung der eingleisigen Dritten Liga hat es eine positive Qualitätsentwicklung gegeben. Man investiert viel, aber um zu überleben muss man raus aus dieser Liga. Da muss die Balance gefunden werden, ohne sich zu übernehmen und kein finanzielles Harakiri einzugehen.

SPORT1: Sind finanzstarke Klubs wie Sandhausen Fluch oder Segen für die Liga?

Lieberknecht: Das ist vielleicht ein Trend. Bei kleinen Vereinen gibt es einen Mäzen, der seinen Traum verwirklichen will. Bei der Eintracht haben wir Verpflichtungen und Altlasten und wissen, dass der Verein auch überleben muss, damit es uns nicht so geht wie anderen Traditionsmannschaften.

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