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Die Alte Försterei steht im Berliner Ortsteil Köpenick © getty

Mit einer ungewöhnlichen Aktion retten die Fans von Union Berlin ihre Spielstätte und sparen ihrem Klub einen Millionenbetrag.

Berlin - Der eine Fan opfert seinen Jahresurlaub, ein anderer Anhänger reist aus Brasilien an: Mitglieder, Sponsoren und Freunde von Union Berlin renovieren seit dem 2. Juni die marode Heimspielstätte des Drittligisten an der Alten Försterei.

Die Klub-Familie arbeitet ehrenamtlich, ohne einen müden Cent. Ein Bauprojekt, das seinesgleichen sucht.

"Alles Bekloppte", sagt Jörg Brummerstädt, in Union-Kreisen nur "Tilly" genannt: "Wir sind einfach irre, sonst würden wir so etwas nicht machen." Jeden Morgen um sieben Uhr steht der 48-Jährige auf der Matte. Er ist einer von 900 freiwilligen Helfern, die Projektleiterin Sylvia Weisheit bereits auf der Baustelle begrüßen konnte.

40 bis 50 "Stadionbauer" sind es täglich. Unter professioneller Aufsicht wird geschuftet und geschwitzt, Jung und Alt, Arbeitslose neben Geschäftsführern. "Die große Union-Familie baut sich ihr Haus", sagt Christel Andres, die sich um die Verpflegung der Bauarbeiter kümmert.

"Die geilste Baustelle der Welt"

Auch die sich anbahnende kalte Jahreszeit schreckt hier niemanden ab. Kein Wunder. Für Björn Böttcher, der regelmäßig als Ordner aushilft, ist es "die geilste Baustelle der Welt" und für viele andere Unioner eine Herzensangelegenheit.

Saniert wird schließlich der eigene Stammplatz auf der Stehtribüne, den einige schon seit Jugendtagen nutzen. "Wir renovieren unser Wohnzimmer", berichtet "Tilly" und spricht den Union-Fans aus der Seele.

Gastarbeiter aus Brasilien

Projektleiterin Weisheit, die schon als 15-Jährige regelmäßig im Fanblock stand, schwärmt von der Arbeitsmoral der "Eisernen" (Ergebnisse und Tabelle) , wie die Unioner im Jargon genannt werden. "Manche haben ihren gesamten Jahresurlaub hier auf der Baustelle verbracht", verrät Weisheit.

Andere wiederum kommen von ganz weit her. Wie Hardy Becker, der eigentlich in Brasilien lebt. Während seines Heimat-Urlaubs packt auch er tatkräftig mit an. "So wie es sich gehört", sagt der Exil-Unioner.

Das einzigartige Projekt der verrückten Union-Familie hat sich mittlerweile in halb Europa herumgesprochen. Redakteure einer italienischen Sportzeitung und ein holländisches Fernsehteam statteten der Baustelle bereits Besuche ab.

Lizenentzug drohte

Ohne die Baumaßnahmen, die noch eine Überdachung, die Sanierung der Sitzplatztribüne und den Einbau einer Rasenheizung vorsehen, hätte Union Berlin die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) erteilten Auflagen für das betagte Stadion nicht erfüllen können.

Es drohte der Lizenzentzug für die 3. Liga (News) , das Aus für die Alte Försterei. Ein Horrorszenario, das gerade noch verhindert werden konnte.

"Mit der Hilfe der Fans spart der Verein rund 1,5 bis 1,8 Millionen Euro", erklärt Weisheit. Läuft alles nach Plan, ist man den ungeliebten Ausweichspielort Jahn-Sportpark schon bald los. Im Februar 2009 heißt es, rollt der Ball endlich wieder in der "neuen" Alten Försterei.

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