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Mittelfeldspieler Christian Fiel ging von 2004 bis 2010 für Alemannia Aachen aufs Feld © imago

Im Interview spricht Cristian Fiel über den Druck in den Relegationsspielen, das "verrückte" Dresden und den Saisonverlauf.

Von Thorsten Mesch

München/Dresden - Für Cristian Fiel und Dynamo Dresden geht es im Relegations-Hinspiel noch nicht um alles, aber um sehr viel.

Denn neben der Tatsache, in die Zweite Liga aufsteigen zu können, hängt von den beiden Partien gegen den VfL Osnabrück (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) auch die Lizenz für die kommende Saison ab.

Für den Erhalt der Drittliga-Lizenz muss der Verein Bürgschaften in Höhe von gut zwei Millionen Euro nachweisen, für die höhere Spielklasse wären es "nur" 830.000.

Dresdens Geschäftsführer Volker Oppitz sieht dies als Herkulesaufgabe an: "Wenn die Stadt uns keine Unterstützung gibt, dann ist die Situation aussichtslos."

Doch nicht nur für den Verein wäre der Aufstieg wichtig, auch die Stadt und die ganze Region wünschen sich laut Fiel den Aufstieg.

Im SPORT1-Interview spricht der Mittelfeldspieler über den Druck in den Relegationsspielen, das "verrückte" Dresden und den Saisonverlauf.

SPORT1: Herr Fiel, am Mittwoch hat Dynamo noch im Sachsenpokal in Leipzig gespielt (1:2). Wurden viele Spieler geschont und wie ist die Stimmung vor dem wichtigen Spiel gegen Osnabrück?

Cristian Fiel: Ein Großteil der Mannschaft, der die letzten Spiele absolviert hatte, ist gar nicht erst mitgefahren. Es hat also größtenteils die zweite Mannschaft gespielt, mit einigen Spielern von uns, die in letzter Zeit nicht so viel gespielt haben. Aber um ehrlich zu sein, habe ich an dieses Pokalspiel nicht einen Gedanken verschwendet. So geht es den meisten von uns. Wir sind total fokussiert auf das Spiel gegen Osnabrück. Der Rest interessiert im Moment überhaupt nicht.

SPORT1: Es ist mit Blick auf den Saisonverlauf ja schon eine verrückte Sache. Zunächst fing es mittelmäßig an, dann kamen Sie nie über Platz vier hinaus, aber an den letzten drei Spieltagen stand Dynamo auf Platz drei. Worauf ist das zurückzuführen?

Fiel: Wir haben uns zum Ende hin ziemlich gefangen und hatten auch das Glück auf unsere Seite. Als wir geschwächelt haben, haben unsere Konkurrenten um Platz drei auch Federn gelassen. Auf einmal hatten wir die Chance es aus eigener Kraft zu schaffen. Wir haben zur richtigen Zeit die Tore gemacht und die Spiele gewonnen, was uns sonst nicht immer gelungen ist. Es gibt keine Formel, nach der wir auf einmal gespielt hätten und mit der es geklappt hat.

SPORT1: Aber es ist Fakt, dass es zum Ende der Saison einen Trainerwechsel gab. Ralf Loose löste Matthias Mauksch ab. Hat das vielleicht nochmal einen Kick gegeben?

Fiel: Ich finde es nicht in Ordnung, jetzt über einen Trainer zu sprechen, der nicht mehr da ist. Unter Mauksch hatten wir auch eine Serie und haben sechs Spiele gewonnen. Von daher kann man nicht behaupten, dass sich unter dem neuen Trainer alles geändert hätte. Natürlich bin ich froh, dass wir diese Serie zum Schluss gestartet und es dadurch geschafft haben. Aber auf das Thema alter Trainer und neuer Trainer will ich nicht weiter eingehen.

SPORT1: Es gab ja sehr viel Wirbel in Dresden in dieser Saison, der am Ende dann auch in dem Trainerwechsel gipfelte.

Fiel: Ich bin zwar noch nicht so lange hier, aber ich glaube, es gab noch keine Woche, in der es keinen Wirbel gab. Das gehört hier einfach mit dazu und zeichnet den Verein auch ein wenig aus. Hier wird es auf keinen Fall langweilig (Der SPORT1-TIPP-KÖNIG).

SPORT1: Sie kamen im Sommer von Alemannia Aachen nach Dresden. Wie sind Sie in der Mannschaft und auch in der Stadt aufgenommen worden?

Fiel: Ich fühle mich in Dresden richtig wohl, auch weil die Mannschaft es mir sehr leicht gemacht hat. Meine viermonatige Verletzungspause hat es zwar etwas erschwert, aber das ist zum Glück auch ausgestanden. Ich hoffe nun, den letzten Schritt gehen zu können und den Aufstieg zu schaffen (DATENCENTER: Die Dritte Liga).

SPORT1: Wegen der gefährdeten Lizenz für die kommende Saison wäre ein Aufstieg umso wichtiger für Dynamo. Steigt damit der Druck auf die Spieler oder können Sie das ausblenden?

Fiel: Ich kann nur für mich sprechen, aber meine Gedanken drehen sich einzig und allein um die zwei Spiele gegen Osnabrück. Mein Job in Dresden ist es, Fußball zu spielen. Das werde ich versuchen, in den beiden Spielen so gut wie möglich zu machen. Für die anderen Dinge sind andere Leute im Verein angestellt. Ich mache mir keine Gedanken, dass sie das nicht hinkriegen.

SPORT1: Das Stadion ist mit 30.000 Leuten ausverkauft, laut Geschäftsführer Volker Oppitz hätte man auch mehr als die doppelte Anzahl an Karten verkaufen können. Kann man die Fan-Kultur in Dresden mit der bei Ihrer letzten Station in Aachen vergleichen?

Fiel: Auch wenn ich sechs Jahre in Aachen war und den Verein immer noch im Herzen trage, muss ich sagen: Hier bei Dynamo ist das alles noch einen Tacken verrückter. Was hier in der Stadt los ist und wie die Fans den Verein leben, ist einmalig. So habe ich das noch bei keinem Verein erlebt.

SPORT1: Gab es ein Erlebnis, wo sie einfach nur total baff waren?

Fiel: Sowas ist mir schon mehrmals hier passiert. Alleine schon, dass wir gegen einen Abstiegskandidaten wie Wacker Burghausen ein ausverkauftes Haus haben. Wenn es danach gehen würde, müssten wir schon längst höherklassig spielen.

SPORT1: Die Zweite Liga ist ja quasi "Ihre" Klasse. Dort haben Sie bereits 224 Spiele absolviert. Wäre der Aufstieg unter dem Gesichtspunkt also auch etwas Besonderes?

Fiel: Ein Aufstieg ist immer etwas Besonderes. Auch als ich bei Dynamo unterschrieben habe, war mein Ziel immer die Zweite Liga. Hier in Dresden und in der ganzen Region kann man jeden fragen, alle wünschen sich nur den Aufstieg. Es wäre ein Traum, wenn es klappen würde. Auch wenn wir noch zwei schwere Spiele haben, hoffe ich, dass uns das gelingt.

SPORT1: In wie weit kennen Sie den VfL Osnabrück noch aus Ihrer Zweitliga-Zeit?

Fiel: Ein paar Spieler kenne ich noch aus der Zweiten Liga. Aber der Trainer hat die Osnabrücker ein paar Mal beobachtet und wird uns gut auf den Gegner und auch jeden einzelnen Spieler einstellen. Wir werden vorbereitet sein.

SPORT1: Sie haben ja auch das "Endspiel" um den Relegationsplatz in Offenbach am Bieberer Berg bestanden. Da ist Ihnen vor der Bremer Brücke in Osnabrück auch nicht bange, oder?

Fiel: Erst einmal spielen wir bei uns in Dresden. Und bange ist uns sowieso nicht. Das wird in Osnabrück einfach nur eine geile Atmosphäre.

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