vergrößernverkleinern
Wacker Burghausen beendete die Saison 2010/2011 mit 37 Punkten auf Platz 18 © imago

Burghausen profiltiert von der Insolvenz der Westfalen und bleibt drittklassig. In Babelsberg muss dagegen noch gebangt werden.

Ahlen/Babelsberg - Rot Weiss Ahlen steht nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahren nachträglich als Absteiger aus der Dritten Liga fest.

Das bestätigte der DFB am Dienstag. Zehn Tage nach dem Saisonende hat damit der sportliche Absteiger Wacker Burghausen doch noch den Klassenerhalt geschafft.

Kurios: Schon 2009 hatte Wacker vom Rückzug des Ligarivalen Kickers Emden profitiert und die Klasse gehalten.

Mit dem SV Babelsberg muss zudem noch ein weiterer Klub bangen.

Ahlen, das die Saison 2010/2011 als 17. beendet hatte, rückt ans Ende der Tabelle. (DATENCENTER: Die Dritte Liga).

Keine Geldgeber für die Dritte Liga

Laut DFB-Spielordnung werden die Begegnungen des Klubs nicht annulliert, da das Insolvenzverfahren nach dem letzten Spieltag, aber vor dem Ende des Spieljahres eröffnet wurde.

Das K.o. für Ahlen kam am Dienstag um 16.15 Uhr, als das zuständige Amtsgericht Münster das eingeleitete Insolvenzverfahren über das Vermögen des Drittligsten bestätigte.

"Es sind keine Geldgeber da, mit denen die Dritte Liga finanzierbar gewesen wäre", sagte Insolvenzverwalter Michael Mönig.

Hoffnung auf Sponsoren für die Regionalliga

Wäre das Insolvenzverfahren in der Saison eröffnet werden müssen, hätte der Verein den Spielbetrieb für die laufende Saison sofort einstellen müssen. "Das konnten wir durch unsere Bemühungen vermeiden", sagte Mönig.

In der kommenden Saison wird der einstige Zweitligist wohl in der Viertklassigkeit spielen. "Derzeit laufen intensive Gespräche mit potenziellen Sponsoren, damit vom DFB die Lizenz für die Regionalliga erteilt werden kann", teilte der Klub mit.

Folgt Babelsberg auf Ahlen?

Das gleich Szenario könnte auch dem SV Babelsberg drohen.

Wegen akuter Finanzprobleme ist auch bei den Potsdamern der Entzug der Lizenz und damit verbunden der Zwangsabstieg aus dem Profifußball möglich.

Trainer Dietmar Demuth war völlig geschockt, einige Spieler sind noch ahnungslos: "Die Nachricht kam am Montagabend sehr überraschend. Wir sind total ratlos, wie es jetzt weiter gehen soll", sagte der Coach.

Fehlende Sponsorengelder könnten das endgültige Aus der Babelsberger bedeuten. Der geplante Gesamtetat von 2,7 Millionen Euro sei bislang nur zur Hälfte gedeckt, weil bereits verhandelte Sponsorenverträge nicht unterzeichnet worden seien.

"Einige Leute haben es geschafft, unsere Arbeit zu zerstören"

"Einige Leute haben es geschafft, unsere Arbeit zu zerstören. Wir hatten ja schon immer Probleme, konnten es aber immer hinbiegen", sagte Demuth und fügte hinzu: "Im Moment sieht es aber sehr schlecht für uns aus. Ich habe große Bedenken, dass der Verein gerettet werden kann."

Der 55 Jahre alte Trainer, seit Oktober 2007 in Babelsberg im Amt, habe sofort die Spieler über die prekäre Situation informieren wollen.

"Leider sind nicht alle vor Ort, ein Teil ist schon im Urlaub. Alle haben ich noch nicht erreicht", sagte Demuth. Unter anderem teilte er seinen Profis mit, dass sie bei Angeboten von anderen Vereinen sofort die Freigabe zum Wechsel bekommen.

Entwicklung jäh gestoppt

Demuth hatte auch schon Verstärkungen im Auge, die in den nächsten Tage nach Potsdam anreisen sollten. Diesen Weg könnten sie sich sparen und gleich einen anderen Verein suchen.

"Das ist wirklich sehr bitter, weil es sportlich bei uns sehr gut lief und wir dort weitermachen wollten", sagte der langjährige Profi des FC St. Pauli.

Seine junge Mannschaft beendete die Saison überraschend auf Platz 13 und schaffte sicher den Klassenerhalt - mit dem kleinsten Etat der Liga.

Außerdem erreichte die Elf um Kapitän Marian Unger nach dem Gewinn des Fußball-Landespokals am Sonntag den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals. "Wir sind hier mit viel Liebe und Leidenschaft zu Werke gegangen, haben alles für den Verein geben. Und das soll nun alles mit einem Mal vorbei sein?", sagte Demuth.

Demuth appeliert an die Politik

Besonders viel Hoffnung auf eine Rettung gibt es nicht. "Jetzt ist die Stadt gefragt. Wenn man noch Spitzensport in Potsdam haben will, ist die Politik gefragt", sagte Demuth.

Im Hintergrund gab es in den letzten Wochen mehrere Brandherde.

Zum einen trat Peter Paffhausen, der Vorsitzende des Aufsichtsrates und Chef der Potsdamer Stadtwerke (SWP), von seinem Amt zurück.

Zudem habe die Stadt Potsdam nach Informationen der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" den vertraglich geregelten Zuschuss zur Bewirtschaftung des Karl-Liebknecht-Stadions in Höhe von 150.000 Euro im Jahr immer wieder zurückgehalten.

Frist bis zum 1. Juni

Bis zum 1. Juni muss das fehlende Geld beim DFB nachgewiesen werden. Gelingt das nicht, droht der bittere Gang in die Regionalliga.

"Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Das müssen die nächsten Tage zeigen", sagte Demuth, der genau wie alle Vereinsmitglieder in einer außerordentlich Sitzung über das weitere Vorgehen informiert werden soll.

Die Potsdamer mussten bereits im April 2003 Insolvenz beantragen, nachdem sich der Verein in seiner einzigen Zweitligasaison finanziell übernahm und 2002 als Tabellenletzter direkt wieder abstieg.

Ein vor dieser Insolvenz von der damaligen Vereinsführung aufgenommener Millionenkredit konnten in den letzten Jahren bis auf 870.000 Euro abgetragen werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel