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Markus von Ahlen (l.) lief in der Bundesliga für Leverkusen und Bochum 38 Mal auf © imago

Nach einer Talfahrt plant die Arminia den Neustart. Der Aufstiegsfavorit kommt aus Hessen. Jena hat einen prominenten Neuzugang.

Von Christian Akber-Sade

München - Es ist das Team mit dem größten Namen der Dritten Liga.

Und doch geht es nicht als Topfavorit in die neue Saison (ab 17.45 im LIVE-TICKER).

Arminia Bielefeld setzt alles auf Neuanfang. Die Ostwestfalen haben eine rasante Talfahrt hinter sich, die nach der Lizenzerteilung in letzter Sekunde nun in Liga drei gestoppt werden soll.

Noch 2009 spielte der Klub in der Bundesliga.

Der Bau einer neuen Haupttribüne und damit verbundene eklatante Fehlplanungen im finanziellen sowie sportlichen Bereich brachten den Verein an den Rand einer Insolvenz und münden nun in der Drittklassigkeit.

Nun also wollen die Bielefelder den "Reset"-Knopf drücken und neu beginnen. Nur fünf Spieler des Kaders der vergangenen Saison bleiben dem DSC erhalten.

Komplett neue sportliche Führung

Eine komplett neue sportliche Führung mit Coach Markus von Ahlen und Leiter Samir Arabi sowie in Kürze auch ein neues Präsidium - voraussichtlich um Ex-Nationaltorhüter Uli Stein - werden versuchen, mit der Arminia wieder die andere Richtung einzuschlagen.

Auch Thomas Helmer soll dabei helfen. Der SPORT1-Moderator und Europameister von 1996 hat einen Posten im Aufsichtsrat übernommen.

Doch der Schuldenberg von ca. 27 Millionen Euro lässt sich in der "Pleiteliga", wie die dritthöchste Spielklasse häufig genannt wird, kaum reduzieren. Die Zwangsabsteiger aus Ahlen und Koblenz dienen als mahnende Beispiele.

"Man muss auch mal mutig sein"

Ein Wiederaufstieg in den nächsten zwei Jahren dürfte also nahezu Pflicht sein für Arminia Bielefeld, will man nicht von der Fußball-Bildfläche verschwinden. Die Voraussetzungen sind aufgrund der leeren Kassen allerdings denkbar schlecht.

Von Ahlen schreckt die Situation des Klubs nicht ab. "Ich finde es gut, etwas Solides aufzubauen und Konstanz zu schaffen. Man muss als Trainer auch mal mutig sein"

Arabi und von Ahlen haben es geschafft, eine Mischung aus vorwiegend erfahrenen und talentierten Drittligaspielern zusammenzustellen, die in der Vorbereitung bisher überzeugen konnte.

"Das Team zusammengeführt"

Unter anderem gelang es, mit Thomas Hübener den Aufstiegskapitän von Dynamo Dresden auf die Alm zu lotsen. Mit dem neuen Abwehrchef kam die Arminia gegen den englischen Erstligisten Sunderland im letzten Vorbereitungsspiel zu einem respektablen 1:1.

"So gut es ging, haben wir in den vergangenen sechs Wochen das Team zusammengeführt. Die spannende Frage ist nun, wie wir unter Wettkampfbedingungen agieren. Die Fans spielen dabei eine große Rolle und wir bauen auf ihre Unterstützung", sagte der Arminia-Coach vor dem Saisonstart.

Vielmehr als ein einstelliger Tabellenplatz als Ziel dürfte in der schwer berechenbaren Dritten Liga aber wohl vermessen sein.

Wehen-Wiesbaden als Favorit

Denn es sind andere Teams, die den Favoritenstatus innehaben. Allen voran der SV Wehen Wiesbaden. Die Hessen haben den nominell stärksten Kader und werden von den Trainern der Liga als Aufsteiger Nummer eins gehandelt.

Unter den zwölf Neuzugängen befinden sich mit Marco Christ (kommt von Fortuna Düsseldorf) oder auch Thorsten Burkhardt und Nico Herzig (beide zuletzt Alemannia Aachen) einige zweitligaerfahrene Akteure.

"Der Verein will innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre einen Aufstieg realisieren. Darauf arbeiten wir hin", sagte Coach Gino Lettieri zu den Zielen des Clubs. Mit dem vorhandenen Kader sollte für die Wiesbadener bereits in dieser Saison der Aufstieg möglich sein.

Wechselflut in Osnabrück

Ganz oben in der Tabelle will sich am Ende der neuen Spielzeit auch der Absteiger aus Osnabrück wiederfinden. Wie die meisten Drittligisten haben auch die Niedersachsen mit bisher 36 Zu- und Abgängen eine wahre Wechselflut hinter sich.

Unter anderem hat sich der VfL mit Fouad Idabdelhay vom NAC Breda verstärkt. Der holländische Stürmer soll für die nötigen Tore des Teams von Uwe Fuchs sorgen.

Ein Kandidat für das obere Tabellendrittel könnten auch der SV Sandhausen sein. Der Tabellenzwölfte der vergangenen Saison konnte seine Stammelf in der Sommerpause zusammenhalten und setzt auf punktuelle Verstärkungen.

Simak kehrt nach Jena zurück

Den prominentesten Neuzugang der Dritten Liga präsentierte indes Carl-Zeiss Jena. Den Thüringern gelang es, Mittelfeldspieler Jan Simak zurückzuholen, der einst bei Hannover 96 für Furore sorgte und mit Prag bereits Champions League spielte.

"Ich will einfach wieder Fußball spielen", schraubt Simak die Erwartungen eine seine Person zurück. Letzte Saison hat er für Mainz 05 lediglich eine Bundesliga-Minute auf dem Platz gestanden. Auch deshalb betrachten die Jenaer die kommende Spielzeit als Übergangsjahr.

Schwieriger wird das Unternehmen "Spitzengruppe" für Jahn Regensburg. Die Bayern müssen die Abgänge von Jarosch, Haller und Maul verkraften und den Heimfluch besiegen.

Seit September 2010 konnte der Jahn nicht mehr im eigenen Stadion gewinnen. Aufgrund eines harten Sparkurses steht Regensburg vor einer schweren Saison.

Oberhausens Schneider fehlt Klarheit

Gleiches könnte auch für Zweitliga-Absteiger Rot-Weiss Oberhausen gelten. Außer Torhüter Michael Melka hat RWO bisher nur Spieler aus unterklassigen Ligen verpflichtet.

Außerdem muss das Team von Theo Schneider auf abgewanderte Leistungsträger wie Heinrich Schmidtgal verzichten. "Wir haben eine völlig neu formierte Mannschaft. Es besteht keine endgültige Klarheit über eine Stammformation", gibt auch der Trainer zu bedenken.

In der Dritten Liga geht also ein völlig verändertes Feld an den Start. Mit bisher gut 500 Zu- und Abgängen haben die Vereine einen Rekord aufgestellt und finanzielle Probleme bestimmen den Alltag.

Bleibt abzuwarten, wer sich am Ende durchsetzen kann. Diese Liga ist jedenfalls immer für Überraschungen gut.

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