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Vor allem die Kosten für den neuen Tivoli zogen Alemannia Aachen in den Abgrund © imago

Aachen insolvent, sogar Tabellenführer Osnabrück am Abgrund: Die Dritte Liga wird für viele Klubs zum Fluch statt zum Segen.

München/Osnabrück - Was einst als Premiumprodukt gepriesen wurde, wandelt sich mehr und mehr zur Problemzone des deutschen Profi-Fußballs:

Die Dritte Liga schreibt derzeit durch die finanziellen Schwierigkeiten einiger Traditionsklubs Negativschlagzeilen.

Erst die Insolvenz von Zweitliga-Absteiger Alemannia Aachen, jetzt die Schreckensbotschaft vom VfL Osnabrück.

Nach einem neuerlichen Minus von 926.000 Euro für das abgelaufenen Geschäftsjahr steht der Tabellenführer vor dem Kollaps steht. (DATENCENTER: Dritte Liga)

Nur eine Ausgliederung der Profifußballer könnte den norddeutschen Klub wohl noch retten. Darüber soll am 9. Dezember im zweiten Teil der Mitgliederversammlung entschieden werden.

Auch Rostock in Nöten

Auch andere große Drittliga-Vereine wie Hansa Rostock sind angeschlagen.

Nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga hatte erst ein Rettungspaket das sportliche Überleben des einstigen Bundesligisten von der Ostsee sicherstellen können.

Ein Teil der Steuerschulden in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro wurden Hansa erlassen. Immer öfter müssen Städte und Kommunen als Retter einspringen.

"Intensivstation Dritte Liga"

Viele Klubs machen die Rahmenbedingungen der Dritten Liga, die sich in ihrer fünften Saison seit der Gründung 2008 befindet, für die besorgniserregende Situation verantwortlich.

"Die Einnahmen brechen bei ausbleibendem Erfolg überproportional weg, deshalb sprechen alle von der Intensivstation Dritte Liga", sagte Osnabrücks Präsident Gert Lehker und behauptet:

"Den meisten anderen Vereinen der Dritten Liga geht es nicht besser als uns."

Den sportlichen Primus drückt ein Schuldenberg von rund neun Millionen Euro.

Zweitliga-Absteiger gefährdet

Beim DFB herrscht die Meinung vor, die meisten Probleme der Klubs seien hausgemacht. Mit ihren hohen Personalkosten seien die ambitionierten Mannschaften, oft mit großen und kostspieligen Stadien ausgestattet, quasi zum Aufstieg verdammt.

Besonders Zweitliga-Absteiger sind anfällig, weil sie ihren Etat und die Personalkosten nach dem Gang in die Dritte Liga oft nur minimal zurückfahren.

Gleichzeitig reduzieren sich vor allen Dingen die Einnahmen aus TV-Geldern, aber auch die Zuschauerzahlen überproportional.

Deutlich geringere TV-Einnahmen

Insgesamt 12,8 Millionen Euro werden aus dem Fernseh-Topf an die Dritte Liga ausgeschüttet - pro Klub 711.000 Euro.

Verteilt wird das Geld auf 18 Teams, da die Profivereine mit ihren zweiten Mannschaften (Borussia Dortmund II, VfB Stuttgart II) nicht an den TV-Erlösen partizipieren.

Zum Vergleich: Die DFL hatte in der vergangenen Woche beschlossen, dass die Zweitligisten in den Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 durchschnittlich insgesamt rund 126 Millionen Euro erhalten werden.

Im europaweiten Vergleich vorne

Der DFB verweist in diesen Zeiten gerne auf eine Untersuchung von "Sport+Markt", die besagt, dass im europaweiten Vergleich aller dritten Ligen Deutschland die Führungsrolle einnehme - was TV-Präsenz und -Erlöse als auch Infrastruktur betrifft.

Hierzulande sei sie nach der Bundesliga und der Zweiten Liga "sportartenübergreifend die drittumsatzstärkste Liga".

Noch vor der Eliteliga im Eishockey, Handball und Basketball.

DFB sieht Entwicklung positiv

Glaubt man den Verbandszahlen, dann ist die Entwicklung positiv: Neun Vereine haben die vergangene Saison, in denen sie durchschnittlich 2,6 Millionen Euro für Personalkosten aufwendeten, mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen.

In der ersten Spielzeit nach Start der Dritten Liga waren es nur drei Klubs, die mehr einnahmen als ausgaben. Die Fixkosten für die Teilnahme am Spielbetrieb betragen maximal fünf Prozent des durchschnittlichen Etats eines Drittligisten.

Weit weg vom Premiumprodukt

Das DFB-Fazit also lautet: Wer die Gegebenheiten seines Standorts realistisch einschätzt, kann in der Dritten Liga auch finanziell positiv abschneiden.

Die Negativschlagzeilen aber rissen zuletzt nicht ab. Dabei hatte im April 2008 der heutige DFB-Generalsekretär und damalige DFB-Direktor Spielbetrieb, Helmut Sandrock, eine mutige Prognose gewagt:

Die Dritten Liga sollte wegen ihrer außergewöhnlichen Rahmenbedingungen "mittelfristig" zu einem Premiumprodukt des Verbandes werden.

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