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Francisco Copado spielte von 2006 bis 2008 für 1899 Hoffenheim © getty

Im Interview mit Sport1.de erklärt Francisco Copado seinen Wechsel von Meisteranwärter Hoffenheim zu Drittligist Unterhaching.

Von Conny Konzack

München - Er hatte die Chance auf seinen ersten Meistertitel.

Und er ließ sie freiwillig sausen. Aus Liebe. So könnte sich die Kurz-Version einer Story lesen, die der Fußball in Deutschland noch nicht erlebt hat.

Dabei ist es für Francisco Copado, Kieler spanischer Herkunft und mit einem "bayerischen Herzen", völlig normal, vier Monate vor einer möglichen Sensation kehrt zu machen.

Und damit die nächste Station seiner Jo-Jo-Karriere anzusteuern: Der in Kiel geborene Stürmer, der insgesamt dreimal in die Bundesliga aufstieg und 2006 von Eintracht Frankfurt zu Hoffenheim in die Dritte Liga ging, hätte seinen Fußball-Traum mit der TSG Hoffenheim wahr machen und den Titel holen können.

"Wie ein Märchen"

Doch Weihnachten ging der 34-Jährige wieder freiwillig in die Dritte Liga ? zu seinem alten Klub SpVgg Unterhaching (Tabelle und Spieltag Dritte Liga). Der Klub muss am Sonntag gegen Tabellenführer Paderborn bestehen (So. ab 14 Uhr LIVESCORES).

Im Interview mit Sport1.de schildert Copado seine Beweggründe, spricht über die alten Kameraden und die Ziele mit Unterhaching.

Sport1.de: Herr Copado, wie erklären Sie Ihre Entscheidung für Unterhaching einem Fußball-Fan?

Francisco Copado: Sicher, ich hätte nicht nur theoretisch mit Hoffenheim Meister werden können. Was ich dort in den zweieinhalb Jahren miterlebt habe, war einmalig. Der Aufstieg in die Zweite Liga war ja realistisch, aber der Durchmarsch in die Erste ? und dann auch noch seitdem dort Tabellenführer - das ist schon alles wie ein Märchen.

Sport1.de: Ohne Happy End für Sie. Stellen Sie sich mal vor, dass Ihre bisherigen Teamkameraden im Juni tatsächlich die Meisterschale in der Hand halten. Hätten Sie die vier Monate nicht noch Hoffenheimer bleiben können?

Copado: Ja, ja, sicherlich. Das war mir schon alles klar. Aber mein Schritt ist dennoch wohl überlegt: In Hoffenheim hatte ich bis Weihnachten gerade mal sechs Spiele mitgemacht und saß sonst auf der Bank, ohne dass ich verletzt war. Aber ich tat mich schwer, in die Stammelf zu kommen und ich wollte nicht der ewige Joker bleiben. Dazu kam, dass meine Frau Eva (Anm. der Red.: die Tochter von Unterhaching-Mäzen Anton Schrobenhauser) unheimlich Heimweh hatte und wieder nach München wollte, wo sie sowieso schon jede freie Minute war. Den Schritt hatten wir schon im Hebst besprochen.

Sport1.de: Also aus Liebe freiwillig gleich wieder zwei Klassen zurück?

Copado: Ja, die Familie hat gesiegt. Unser Zweijähriger, der Leondro, freut sich schon auf München. Lukas, der mit fünf ja schon im Kindergarten war, hatte anfangs mit dem erneuten Umzug etwas Probleme, aber er weiß genau, was bei mir der Grund ist. Darüber haben wir zwei oft genug gesprochen. Auch wenn er mich gerne im Meisterteam gesehen hätte. Aber das war ja noch längst nicht sicher.

Sport1.de: Glauben Sie etwa nicht an Ihr Ex-Team?

Copado: Doch, doch. Hoffenheim hat?s n der Hand. Aber der erste Platz kam für uns alle überraschend, auch wenn Kaiserslautern damals ja auch bis zum Titel durchmarschierte. Doch in dem Jahr war Bayern etwas schwach. Das ist dieses Jahr nicht der Fall. Aber ich hoffe, Hoffenheim bleibt oben. Auch wenn?s vielleicht noch schwer werden wird.

Sport1.de: Wie erklären Sie die Stärke der Hoffenheimer?

Copado: Die Truppe ist ehrgeizig, völlig unbelastet, jung ? und spielt schon über zwei Jahre in der fast gleichen Formation. Das ist wohl entscheidend ? sie ist gewachsen.

Sport1.de: Jetzt wollen Sie mit Unterhaching eine Kopie schaffen und mindestens sechs Punkte aufholen, um noch einen Aufstiegsplatz in die Zweite Liga zu erreichen.

Copado: Das ist machbar. Mit Hoffenheim haben wir doch auch sogar mal acht Punkte aufgeholt.

Zum zweiten Teil des Interviews

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