vergrößernverkleinern
Frankreich ist geschlagen: Weissrusslands Torschütze Sergej Kisljak (l.) dreht ab © imago

Blanc sucht nach der Heim gegen Weißrussland verzweifelt nach Erklärungen. Italiens Prandelli geht in Estland auf "Geisterjagd".

München - Laurent Blanc stand wie versteinert am Spielfeldrand und versuchte entsetzt, das Unerklärliche zu erklären.

Der Auftritt seiner Mannschaft sei katastrophal gewesen, unbeholfen und naiv, es laufe momentan "einfach alles gegen Frankreich".

Die nächste "Grand Blamage" der einst so stolzen Fußball-Nation war besiegelt, der Neuanfang ohne die WM-Rebellen wurde zum Desaster. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

0:1 in Paris gegen Weißrussland, eine Mannschaft, die die Weltmeister von 1998 wahrscheinlich barfuß besiegt hätten.

Kisljak trifft "Les Bleus" ins Herz

Laurent Blanc, einer der Helden von damals und als Nationaltrainer zum Retter auserkoren, wirkte fast schon verzweifelt:

"Wir haben einfach keine Spieler, die Tore schießen können. Wir haben sehr viele Spieler, die den Ball laufen lassen, aber 25 Meter vor dem Tor ist es vorbei. Da fehlen Leute, die den Unterschied ausmachen."

Einen solchen hatte der deutsche Trainer der Weißrussen zur Verfügung - Sergej Kisljak (86.) ließ Bernd Stange jubeln und traf Frankreich ins Herz.

Keine Veränderung seit der WM

Franck Ribery saß währenddessen in München vor dem Fernseher.

Der Mittelfeld-Star von Bayern München wäre ein Mann für den tödlichen Pass und für Zaubertore, er ist aber nach den skandalösen Vorfällen bei der WM in Südafrika intern gesperrt.

Genau wie Nicolas Anelka (FC Chelsea), Patrice Evra (Manchester United) und Jeremy Toulalan (Olympique Lyon). Die Logik: Sortiert die Stinkstiefel aus, dann kehrt der alte Glanz zurück.

Das Ergebnis ist ernüchternd. "Nein, es hat sich gar nichts geändert!", kommentierte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" anklagend.

In Bosnien unter Druck

Schon das Debüt des Nationalhelden Blanc gegen Norwegen war ohne sämtliche 23 WM-Fahrer in die Hose gegangen (1:2).

Im zweiten Spiel in der EM-Qualifikation stehen die Franzosen nun schon wieder unter Druck: Am Dienstag muss die "Equipe Tricolore" in Bosnien antreten - ohne die Stürmer Louis Saha und Loic Remy, die im Stade de France Verletzungen erlitten.

Prandelli auf Geisterjagd

Andere WM-Versager dagegen hielten sich schadlos, wenn auch teilweise mühevoll.

Italien drehte beim Pflichtspiel-Debüt des neuen Trainers Cesare Prandelli ein 0:1 in Estland noch in ein 2:1, den ersten Sieg des viermaligen Weltmeisters seit dem 18. November 2009.

"Ich habe meine Spieler aufgefordert, die Gespenster der Vergangenheit zu verjagen. Das haben sie getan", sagte Prandelli.

Antonio Cassano (60.) und Leonardo Bonucci (63.) drehten das Spiel.

England siegt souverän

England zeigte sich souverän und fertigte Bulgarien mit 4:0 ab. Jermain Defoe gelangen drei Tore (2./61./86.), der in Südafrika noch so enttäuschende Wayne Rooney bereitete drei Treffer vor.

Ein Umbruch blieb aber aus: Sieben Spieler aus der englischen Startformation des demütigenden 1:4 im Achtelfinale gegen Deutschland standen auf dem Platz, mit den angeschlagenen Frank Lampard und John Terry wären es sogar neun gewesen.

Dreierpack des "Hunters"

Die WM-Finalisten machten kurzen Prozess mit krassen Außenseitern.

Weltmeister Spanien gewann 4:0 in Liechtenstein, dessen Trainer Hans Peter Zaugg nach der Lehrstunde klagte, seine Spieler seien "nicht einmal nah genug herangekommen, um den übermächtigen Gegner zu foulen".

Die Niederlande siegten 5:0 in San Marino, wobei der Schalker Neuzugang Klaas-Jan Huntelaar allein drei Treffer erzielte.

Ruud van Nistelrooy vom Hamburger SV feierte nach zwei Jahren ein gelungenes Comeback und traf zum Endstand.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel