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Portugal um Liedson (Bild) kassierte zuletzt vor 30 Jahren vier Gegentore © imago

Nach dem 4:4 gegen Zypern geht die portugiesische Presse mit der Nationalelf hart ins Gericht. Eduardo nimmt die Schuld auf sich.

Von Nikolai Kube

München - Verkehrte Fußball-Welt in Portugal.

Bei der WM in Südafrika präsentierte sich die Defensive der Südeuropäer noch als ein fast unbezwingbares Bollwerk.

Nur ein Gegentor, und das im Achtelfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien, mussten die Portugiesen hinnehmen.

Und jetzt das: Der Fußballzwerg Zypern schenkte Keeper Eduardo im ersten EM-Qualifikationsspiel vier (!) Gegentore ein, die Fans in Guimaraes trauten ihren Augen nicht. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Ronaldo fehlt verletzt

"Unsere Abwehr ist normalerweise immer stark und solide, wie bei der WM, aber heute war sie einfach inkompetent", sagte Co-Trainer Agostinho de Oliveira, der den für sechs Monate gesperrten Coach Carlos Queiroz auf der Bank vertritt.

Gut, dass sich zumindest die Offensivabteilung um den Bremer Hugo Almeida in Normalform präsentierte und am Ende beim 4:4 wenigstens noch ein Punkt für die "Seleccao" heraussprang.

Almeida, Raul Meireles, Danny und Manuel Fernandes erzielten in Abwesenheit des verletzten Stars Cristiano Ronaldo die Treffer für die Gastgeber.

Portugal im Schockzustand

Dennoch: Portugal befindet sich ob der Leistung des Nationalteams im kollektiven Schockzustand.

"Wir sterben einen langsamen Tod", schrieb das Blatt "Correio da Manha" und sah einen "Rekord der Eseleien". Die Sportzeitung "O Jogo" ging mit den Spielern ebenfalls hart ins Gericht: "Das war ein Desaster!"

Alves, Carvalho und Coentrao versagen

Ein Desaster war in erster Linie die Leistung der sonst so verlässlichen Innenverteidiger Bruno Alves von Zenit St. Petersburg und Real-Neuverpflichtung Ricardo Carvalho.

Auch Fabio Coentrao, der im Sommer kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern München gestanden hatte, erwischte einen rabenschwarzen Tag und bestätigte Louis van Gaals Meinung, Diego Contento sei um keinen Deut schlechter als der junge Portugiese.

"Das war ein unwahrscheinliches Spiel. Das gibt es nicht, dass man vier Tore schießt und doch nicht gewinnt. Aber die gesamte Mannschaft hat Fehler gemacht", nahm Mittelfeldspieler Manuel Fernandes die Verteidigung in Schutz.

Eduardo nimmt Schuld auf sich

Auch von den Spekulationen, die Dopingaffäre um Coach Queiroz, der vor der WM Dopingkontrolleure wüst beschimpft haben soll, habe die Mannschaft stark verunsichert, wollte der Valencia-Star nichts wissen.

Stattdessen nahm Keeper Eduardo, der beim FC Genua unter Vertrag steht, die Schuld auf sich:

"Ich übernehme die Verantwortung für alle vier Tore", sagte der 28-Jährige der portugiesischen Sportzeitung "A Bola" und fügte an: "Wie dieses Unentschieden zustande gekommen ist, versteht niemand."

"Müssen jetzt nach vorne schauen"

Die Hoffnung auf eine erfolgreiche EM-Qualifikation hat Eduardo trotz des frühen Dämpfers aber noch nicht aufgegeben: "Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Es warten noch viele Spiele auf uns. Nur müssen wir natürlich aus unseren Fehlern lernen", so der Torhüter.

Eine ruhige Nacht wird Eduardo allerdings nicht verbracht haben.

Denn der Schlussmann hatte bislang in 19 Länderspielen seit seinem internationalen Debüt im Februar 2009 gegen Finnland nur vier Treffer kassiert.

Bis der 63. der Fifa-Weltrangliste Zypern die portugiesische Fußball-Welt auf den Kopf stellte.

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