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Nigel De Jong wechselte im Januar 2009 für 18 Millionene Euro vom HSV nach Manchester © getty

Nach der brutalen Grätsche gegen Hatem Ben Arfa steht der Ex-Hamburger heftig in der Kritik. Ein Bayern-Spieler springt ihm zur Seite.

Von Matthias Becker

München - Die Bilder gleichen sich.

Ein Gegner wälzt sich vor Schmerz am Boden und Nigel De Jong steht mit betroffenem aber gleichzeitig entschuldigendem Gesichtsausdruck daneben.

Innerhalb von knapp sieben Monaten hat der frühere HSV-Spieler am Wochenende zum zweiten Mal einem Gegenspieler das Bein gebrochen.

Im März erwischte es Stuart Holden (Bolton Wanderers), am Sonntag musste Newcastles Hatem Ben Arfa nach einem Angriff von ManCity-Profi De Jong schon nach vier Minuten vom Platz getragen werden.

Mit der Sauerstoffmaske im Gesicht und gebrochenem Schien- und Wadenbein.

Da De Jong auch beim WM-Finale gegen Spanien mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen Xabi Alonso auffällig wurde - in keinem der drei Fälle wurde der Niederländer des Platzes verwiesen - wird der Proteststurm gegen die Spielweise des 25-Jährigen immer lauter.

"Das hat etwas mit Intelligenz zu tun"

"De Jong sollte verboten werden, Fußball zu spielen. Seine Grätsche war kriminell", sagte Ben Arfas Teamkollege Jose Enrique dem "Daily Mirror" und forderte, der Niederländer solle so lange gesperrt werden, bis Ben Arfa wieder zurück auf dem Platz sei.

Der sicherlich vom hautnahen Erleben des Geschehens geschockte Teamkollege ist aber nicht der Einzige, der sich auf De Jong eingeschossen hat. Newcastle United wendete sich in einem Brief an den englischen Fußballverband FA und forderte eine harte Bestrafung.

In der Heimat empfiehl Jan Everse, Trainer von Sparta Rotterdam, De Jong den Gang zum Psychiater, Kulturkritiker Hugo Bons poltert gar:

"Nigel de Jong ist ein rückfälliger Krimineller! Das hat etwas mit Intelligenz zu tun. Er ist eine Schande für den niederländischen Fußball."

Aus dem Aufgebot gestrichen

Angesichts dieser Erregung erklärt sich auch die Schutzmaßnahme von Bondscoach Bert van Marwijk, der De Jong für die EM-Qualifikationsspiele gegen Schweden und Moldawien aus dem niederländischen Aufgebot strich.

"Ich habe die Mannschaft darüber informiert und klar gemacht, dass ich keine andere Möglichkeit gesehen habe", erklärte van Marwijk und kündigte an:

"Ich werde diese Sache mit Nigel schon bald besprechen."

Rückendeckung durch van Bommel

Aus Reihen der Elftal erhält De Jong aber auch Rückendeckung. "Ich kenne Nigel als netten Kerl. Er will niemanden absichtlich verletzen, er will nur jedes Spiel gewinnen", sagte Bayern-Kapitän Mark van Bommel der niederländischen "AD Sportwereld".

"Wir finden das alle sehr frustrierend und es ist unglücklich, dass er zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten einem Gegner das Bein gebrochen hat", erkennt van Bommel zwar an, sagt aber auch:

"Es gibt Leute, die ihn jetzt einen Kriminellen nennen. Das ist natürlich Unsinn."

"Anders in die Zweikämpfe gehen"

Sein aggressives Spiel solle De Jong trotz der jüngsten Ereignisse nicht verändern, fordert van Bommel, selbst wiederholt für seine rüde Gangart kritisiert.

"Ich wollte nie jemanden verletzen und musste über diese Kritik nachdenken", erinnert sich der Bayern-Profi: "Nigel sollte sein Spiel nicht verändern, wir brauchen ihn so wie er ist. Aber vielleicht sollte er hin und wieder etwas anders in die Zweikämpfe gehen."

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