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Karim Benzema hat in 29 Länderspielen neunmal für Frankreich getroffen © imago

Mit Problemen tritt die Equipe tricolore gegen Rumänien an. Stürmer Benzema weckt Erinnerungen an den bitteren WM-Sommer.

Von Marcus Giebel

München - Laurent Blanc ist in diesen Tagen nicht zu beneiden.

Nach dem holprigen Start in die EM-Qualifikation mit der Heimniederlage gegen Weißrussland (0:1) und dem Erfolg in Bosnien-Herzegowina (2:0) ist er mit dem französischen Nationalteam gegen Rumänien (Sa., ab 21 Uhr LIVESCORES) zum Siegen verdammt.

Dabei wird die Partie in vielerlei Hinsicht ein Gradmesser.

Denn auch vor dem vierten Spiel unter der Regie des ehemaligen Welt- und Europameisters hat sich noch keine feste Stammformation herauskristallisiert.

Defensiv-Duo angeschlagen

Das liegt zum einen an den vom Französischen Verband FFF ausgesprochenen Sperren gegen einige der WM-Versager, zum anderen an Verletzungen wichtiger Akteure.

So bangt Blanc um den Einsatz der beiden Defensivstabilisatoren Alou Diarra und Abou Diaby (beide Knöchelprobleme).

Die Außenverteidiger Bacary Sagna und Benoit Tremoulinas, die beide unter Oberschenkelblessuren leiden, haben bereits abgesagt und wurden durch Anthony Reveillere und Aly Cissokho ersetzt.

Freiwilliger Verzicht auf Toulalan

Besonders Alou Diarra und Diaby waren zuletzt feste Größen bei Blanc. Dennoch verzichtet der Coach weiterhin auf Jeremy Toulalan, der nach interner Sperre wieder spielberechtigt wäre.

"Ich weiß, wozu er fähig ist, aber ich muss auch die Leistungen der anderen Spieler berücksichtigen", so Blanc.

Somit dürfte in der wichtigen Schaltzentrale einzig der erst 20-jährige Yann M'Vila von Stade Rennes gesetzt sein.

Nasri und Gourcuff gemeinsam?

Und auch offensiv gibt es noch viele Fragezeichen. So könnte sich Blanc vorstellen, die Rückkehrer Samir Nasri und Yoann Gourcuff gemeinsam auflaufen zu lassen.

"Es spricht nichts dagegen, mit einem Spielmacher aufzulaufen, aber wenn Spieler das Team besser machen, sind sie immer nützlich", entgegnet der Trainer der öffentlichen Meinung, die beiden seien in ihrer Spielanlage zu ähnlich.

Nasri pflichtet bei: "Ich habe schon einmal gegen die Schweiz gemeinsam mit Yoann gespielt und es hat gut funktioniert. Es gibt eine Affinität zwischen Yoann und mir."

Die Dreierreihe hinter einem Ein-Mann-Sturm würde Florent Malouda auf der linken Seite komplettieren - wenn Gourcuff wegen der Engpässe nicht in eine defensivere Rolle schlüpfen muss.

"Malouda ist in exzellenter Verfassung. Er ist ein fester Bestandteil bei einem europäischen Topklub und hat internationale Erfahrung", lobt Blanc den Linksfuß vom FC Chelsea.

Benzema sorgt für Unruhe

Das größte Problem liegt jedoch im Sturm.

Zwar erhielt der in der Liga schon siebenmal erfolgreiche Dimitri Payet vom AS St. Etienne erstmals eine Einladung.

Die besten Chancen auf einen Platz in der Startformation hat jedoch der bei Real Madrid kaum beachtete Karim Benzema.

Und das, obwohl der 22-Jährige zu spät zum Treffpunkt der Equipe Tricolore erschienen ist und damit Erinnerungen an die Eskapaden während der WM weckte.

Doch Blanc sieht es ihm nach und verdeutlicht zugleich sein Dilemma: "Wir haben schon suspendierte Spieler. Deshalb machen wir es nicht noch schlimmer."

Noch kein Evra-Nachfolger gefunden

Immerhin sind Franck Ribery, Ex-Kapitän Patrice Evra und Nicolas Anelka noch vom Nationalteam ausgeschlossen.

Die Nachfolge von Evra ist derweil noch immer offen. In den ersten drei Partien unter Blanc führten mit Philippe Mexes, Malouda und Alou Diarra schon drei verschiedene Akteure die Auswahl auf das Feld.

Der Trainer hat sich noch nicht festgelegt: "Ich brauche noch etwas Zeit, um den richtigen Spieler auszuwählen."

So sieht er auch Nasri, Gourcuff und Benzema im erweiterten Kreis der Kandidaten.

"Wie ein Verein funktionieren"

Stabilität ist nach drei Monaten Amtszeit zwangsläufig noch nicht eingekehrt bei Les Bleus.

Wohin der Weg führen soll, hat Blanc vor dem Heimspiel-Doppelpack gegen Rumänien und Luxemburg skizziert: "Unser Ziel muss es sein, wie ein Verein zu funktionieren. Wenn wir dahin kommen, wird unser Spiel solide." Darum setzt er nun sogar auf einen Mentaltrainer.

Viel Zeit bleibt ihm nicht, der dunkle Schatten der WM hängt weiterhin über der Mannschaft: Die zwölf Sponsoren haben nun verkündet, ihre Unterstützung in den kommenden vier Jahren an die sportlichen Leistungen zu knüpfen.

Die französische Nationalmannschaft steht im Herbst 2010 also in vielerlei Hinsicht am Scheideweg.

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