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Die Türkei ist für Guus Hiddink die fünfte Station als Nationaltrainer © imago

Türkeis Nationalcoach will seine Negativ-Bilanz gegen die DFB-Auswahl endlich beenden. Kommt Sahin dabei eine Schlüsselrolle zu?

Vom DFB-Team berichtet Martin Volkmar

Berlin - Der Mann ist ein Weltenbummler, spricht mehrere Sprachen, hat schon Topklubs wie Real Madrid und den FC Chelsea und mehrere Nationalmannschaften trainiert.

Und doch weist die beeindruckende Erfolgsstory von Guus Hiddink einen schwarzen Fleck auf:

Seine Bilanz gegen die DFB-Auswahl ist katastrophal: Vier Spiele - vier Niederlagen.

"Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich eine negative Bilanz gegen Deutschland habe", sagt er dazu auf Nachfrage von SPORT1 ironisch.

Nächste Chance gegen den Angstgegner

Am Freitag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) hat der Nationalcoach der Türkei nun die nächste Chance gegen den Angstgegner. "Die Mannschaft wird immer auf den Platz gehen, um zu gewinnen", erklärte Hiddink vor dem Gipfeltreffen der EM-Qualifikationsgruppe A.

Und die Voraussetzungen sind nicht schlecht, denn im ausverkauften Berliner Olympiastadion wird mindestens die Hälfte der Zuschauer auf Seiten der Gäste sein.

"Das wird eine sehr gute Kulisse, und wir erwarten natürlich die Hilfe von der Hälfte des Publikums. Das wäre sehr gut für die Mannschaft", sagt der Niederländer in fließendem deutsch.

Sahin als großer Hoffnungsträger

Es ist ein Prestigeduell für den Coach ebenso wie für die rund 2,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken und die Mannschaft, in der vermutlich fünf in Deutschland geborene Spieler stehen werden.

Einer von ihnen wurde vor dem Spiel von den türkischen Medien zum großen Hoffnungsträger ernannt. "Der Mann des Tages wird Nuri Sahin sein", schrieb die Zeitung "Ajansspor" über den aus Lüdenscheid stammenden Shootingstar von Borussia Dortmund.

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Und als Kontrapunkt zum Wehklagen über den Verlust von Mesut Özil an den DFB meinte "Milliyet": "Der deutsche Verband wird sehr traurig sein, dass Nuri Sahin für die Türkei spielt."

Sahin selber bleibt zurückhaltend. "Es wäre eine Riesensache, im Olympiastadion von Beginn an dabei zu sein", erklärt der 22-Jährige nur.

Debüt genau vor fünf Jahren gegen Deutschland

Auf den Tag genau vor fünf Jahren gab das damals auch vom DFB umworbene Riesentalent sein Debüt in der türkischen Nationalelf und erzielte gegen das deutsche Team auch noch den 2:1-Siegtreffer.

Nach dem Ausfall von Spielmacher Arda Turan hat er nun beste Chancen auf die Startelf, doch Hiddink will sich erst kurz vor dem Anpfiff entscheiden.

"Es ist gut, auch junge Spieler dabei zu haben. Und wenn sie die Leistung bringen, haben sie eine Chance, dabei zu sein", sagt der Coach lediglich.

Kritik an der Leistung gegen Bayern

Und er äußert sogar Kritik an der von allen Seiten bejubelten Vorstellung Sahins beim 2:0 des BVB gegen den FC Bayern.

"Ich habe mit Nuri über das Spiel gesprochen und ihn gefragt, warum Bayern in der ersten Stunde überlegen war", sagt Hidink.

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"Da erwarte ich auch von einem jungen Spieler, dass er sein Team reorganisiert."

Kein Kontakt zu Klopp

Das Gleiche hätte er vermutlich auch Dortmunds Coach Jürgen Klopp gehabt, der ihn zuletzt wegen Sahins Nicht-Berücksichtigung in den letzten Länderspielen kritisiert hatte.

"Ich habe keinen Kontakt zu ihm gehabt", meint Hiddink dazu. "Wenn er Kommentare gibt, ist das seine Sache. Damit habe ich kein Problem, ob es wahr ist oder nicht."

Für Bundestrainer Joachim Löw dagegen hat der 63-Jährige nur warme Worte. "Die deutsche Elf gehört spielerisch zu den besten Teams des Kontinents", lobt er.

Kritik am türkischen Fußball

Den türkischen Fußball dagegen hatte er vor einiger Zeit im Magazin "11 Freunde" Einstellung und Spielweise deutlich kritisiert.

"Die Spieler sind es gewohnt, nur das Nötigste zu tun, und werden zu sehr verhätschelt", hatte der frühere Trainer von Fenerbahce Istanbul da erklärt. Nun ruderte er im "kicker" zurück: "Ich will dem türkischen Fußball nicht seine Seele rauben."

Und Hiddink weist auch die Skeptiker zurück, die die ersten beiden Siege in der Quali gegen Kasachstan (3:0) und Belgien (3:2) alles andere als überzeugend fanden.

"Man muss realistisch sein. Die türkische Mannschaft hat in den letzten Jahren keine großen Erfolge gehabt", sagt er mit Verweis auf die verpasste Teilnahme an den letzten beiden Weltmeisterschaften.

"Von daher sehe ich unsere Leistung in den ersten zwei Spielen nicht so schlecht. Auch wenn wir natürlich in der Zukunft noch besser sein wollen."

Schlüsselspiel gegen Deutschland

Ein Schlüsselspiel für das erklärte Ziel EM 2012 dürfte das Duell gegen den WM-Dritten Deutschland sein.

Auch für Hiddink eine besondere Herausforderung, denn auf den Tag genau vor einem Jahr unterlag er mit Russland zu Hause gegen die DFB-Elf 0:1 und verpasste damit den Gruppensieg und später in der Relegation die WM-Teilnahme.

"In Moskau hat uns die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben unsere Dominanz nicht in Tore umgesetzt. Diesmal wird es hoffentlich anders sein", sagt Hiddink.

Schließlich will er seine schwarze Serie endlich beenden.

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