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Als Profi war Bernd Storck von 1983 bis 1989 für Borussia Dortmund aktiv © getty

Vor dem Duell mit der DFB-Elf macht sich Kasachstans Nationalcoach Bernd Storck keine Illusionen - und setzt auf den Lerneffekt.

Astana - Bernd Storck hat sich ein bisschen in Kasachstan verliebt.

In der ehemaligen Hauptstadt Almaty lässt es sich umgeben von Bergen, Wäldern und Seen wahrlich gut leben. Im Winter kann Storck sogar Skifahren.

Ansonsten jedoch bleiben für den deutschen Nationaltrainer der Kasachen sportlich viele Wünsche offen. Von "Storcks Riesen" kann keine Rede sein, sein Vertrag läuft zum Jahresende aus.

Und eine Sensation im Duell mit seinem Heimatland in der EM-Qualifikation am Dienstagabend (ab 18.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Astana hält er für ausgeschlossen.

"Anschauungsunterricht auf höchstem Niveau"

"Für uns geht es nur darum zu lernen. Das ist eine wunderbare Möglichkeit für meine Spieler, sich weiterzuentwickeln", sagte der 47-Jährige.

"Wir bekommen von einer der besten Mannschaften der Welt Anschauungsunterricht auf höchstem Nivau. Für mich ist Deutschland der klare Favorit in dieser Gruppe und vielleicht derzeit sogar die beste Mannschaft der Welt, sogar noch einen Tick besser als Weltmeister Spanien", so Storck.

Storck seit 2009 im Amt

Das 3:0 der DFB-Auswahl gegen die Türkei 297064(DIASHOW: Die Bilder des Spiels), das er via Satelliten-Schüssel ab der 46. Minute live verfolgt hat, habe ihn nur in seiner Einschätzung bestätigt, sagte der Ex-Bundesliga-Profi, der seit 2008 als Trainer in Kasachstan arbeitet.

Seit vergangenem Jahr ist er für die A-Nationalelf verantwortlich. Seine Mannschaft will gegen den dreimaligen Welt- und Europameister nicht wie das Kaninchen vor der Schlange verharren.

RWO-Profi im Kasachen-Kader

"Wir wollen Deutschland so lange es geht ärgern und selbst Nadelstiche setzen. Ich weiß, dass das sehr schwer wird, aber wir haben beim unglücklichen 0:2 gegen Belgien viele Chancen gehabt. Wir wollen das Spiel so lange wie möglich offen halten", sagte Storck..(DATENCENTER: Die Gruppe A)

In Heinrich Schmidtgal von Rot-Weiß Oberhausen hat der Trainer immerhin auch einen Deutschland-Legionär in seinem Team.

EM 2016 als Fernziel

Kasachstan, die Nummer 126 der Weltrangliste, sieht Storck trotz der bislang drei Niederlagen mit insgesamt 0:7 Toren in der EM-Qualifikation auf einem guten Weg.

"Sowohl in der U 21, für die ich ebenfalls verantwortlich bin, als auch in der A-Mannschaft schlummert viel Potenzial. Die Spieler sind begeisterungsfähig und lernwillig. Unser Fernziel ist die Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich. Das betrachte ich als durchaus realistisch, da ich seit meinem Amtsantritt gute und regelmäßige Fortschritte sehe", so der langjährige Co-Trainer von Jürgen Röber.

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg - und Geduld sei nicht die Stärke der Kasachen.

Storck hofft auf Verlängerung

"Zum Glück wissen zumindest die entscheidenden Leute beim Verband, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis wir unsere Ziele höher stecken können. Unser Verbandspräsident ist auch der Verteidigungsminister, er hat großen Einfluss", sagt Storck.

Deshalb hofft er auch auf eine Fortsetzung seines Engagements in der rund 4000 km von Deutschland entfernten früheren Sojwetrepublik.

"Ich bin nach Kasachstan gekommen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Ich würde gerne bleiben und irgendwann die Früchte unserer Arbeit ernten."

Kasachstan als "Fußball-Entwicklungsland"

In Kasachstan fühlt er sich sehr wohl. "Ich wohne auch nicht in Astana, sondern in Almaty etwas abseits in den Bergen auf 1200 Meter Höhe mit viel Wald und Seen in der Nähe. Astana ist eine Stadt für Diplomaten, Wirtschaftsmanager und Regierungsangestellte. Das hat mit der Realität der normalen Kasachen wenig zu tun. Die Menschen sind sehr gastfreundlich und äußerst charmant", sagt Storck.

Auch die Arbeitsbedingungen sind gut, aber nicht mit Deutschland zu vergleichen. Es gebe nur ein Leistungszentrum, nur sechs von zwölf Erstliga-Trainern hätten eine offizielle FIFA-Lizenz.

Kein Hexenkessel in Astana

"Holger Fach ist als Coach von Lokomotive Astana eine absolute Bereicherung", sagt Storck, der in der Regel eine Woche im Monat bei seiner Familie in Berlin verbringt.

Ein Hexenkessel wird die Astana Arena am Dienstag wohl nicht: "Von der Atmosphäre wird es nicht so prickelnd wie in Berlin. Das liegt daran, dass sich der durchschnittliche Kasache keine Eintrittskarte erlauben kann, die ein Zehntel seines Monatslohns kostet."

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