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Ottmar Hitzfeld war bereits 1985 Trainer des Jahres in der Schweiz © imago

Der Schweizer Coach steht bei einer Pleite gegen Wales vor dem Aus. Für die Presse ist aus "Sankt Gottmar" der Buhmann geworden.

Basel - Ottmar Hitzfelds Miene war ernst, die Anspannung vor dem "Endspiel" stand dem deutschen Trainer ins Gesicht geschrieben.

Am Dienstag gegen Wales (ab 20.30 Uhr LIVESCORES) geht es für Hitzfeld vielleicht schon um alles.

Es verdichten sich die Hinweise, dass der Meistertrainer von Bayern München und Borussia Dortmund im Falle einer weiteren Niederlage entlassen werden könnte.

Verbandspräsident Peter Gillieron kündigte nach zwei "Nullrunden" zum Auftakt der EM-Qualifikation einen Krisengipfel an (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

"Wir werden nach dem Dienstag unabhängig vom Resultat gegen Wales die Situation analysieren", sagte Gillieron: "Was ich im Kopf habe und was ich sage, ist nicht immer das Gleiche."

Hitzfeld schließt Rücktritt aus

Nach diesen vieldeutigen Aussagen wird in der Schweiz über zwei Möglichkeiten diskutiert:

Entweder der Verband verlängert den bis 2012 laufenden Vertrag mit Hitzfeld vorzeitig um zwei weitere Jahre, oder er entlässt den seit Juli 2008 amtierenden Deutschen.

"Als Trainer muss man mit Druck umgehen können", sagte Hitzfeld, der am Sonntag einen Rücktritt aus freien Stücken ausgeschlossen hatte, am Montag:

"Wir müssen jetzt mit den schlechten Schlagzeilen leben und selbst dafür sorgen, dass wir wieder positive produzieren."

"Resultat-Fußball" in der Kritik

Angekreidet wird dem 61-Jährigen von den Medien vor allem das mangelnde Offensivspiel.

So schrieb die "Neue Züricher Zeitung" vom "Resultat-Fußball", der akzeptiert werde, solange er Erfolge zeitige und Meilensteine wie den WM-Sieg gegen Spanien nach sich ziehe.

Doch davon kann nach dem 1:3 gegen England (2 Spiele/2 Siege) und dem 0:1 gegen Montenegro (3 Spiele/3 Siege) nicht die Rede sein.

Erwartungshaltung gestiegen

Zusätzliches Problem: Die Erfolge der letzten Jahre haben die Schweizer verwöhnt.

Neben den Eidgenossen war es in Europa nur Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, Holland und Frankreich gelungen, sich viermal in Folge ein für ein großes Turnier zu qualifizieren.

So wurden im Boulevardblatt "Blick" aus den von "Sankt Gottmar" trainierten Nationalspielern innerhalb weniger Monate die "Schweizer Fußballzwerge".

Forsche Töne werden zum Bumerang

An der Erwartungshaltung war Hitzfeld nicht ganz unschuldig.

Nach der EM-Auslosung hatte der zweimalige Champions-League-Sieger ungewohnt forsch getönt, sich direkt für die EM qualifizieren zu wollen - jetzt ist selbst die Relegation in weiter Ferne.

Schon wurde von einem generellen "Sinkflug" der Schweizer gesprochen.

Nach dem blamablen Aus im Achtelfinale der WM 2006, als die Eidgenossen im Elfmeterschießen gegen die Ukraine keinen einzigen Strafstoß verwandelten, schieden sie bei der EM 2008 im eigenen Land und bei der WM in Südafrika in der Vorrunde aus.

Team steht zu Hitzfeld

Das Scheitern in der EM-Quali würde den Trend untermauern. Die Mannschaft stellt sich allerdings vor ihren Cheftrainer.

Kapitän Alexander Frei sieht die Verantwortung für den Fehlstart bei den Spielern.

"Wir werden vom Trainerteam gut vorbereitet und müssen als Mannschaft reagieren", sagte der ehemalige Dortmunder:

"Aber es ist natürlich im Fußball immer so, dass die Resultate entscheiden, ob ein Trainer erfolgreich ist."

Zur Vorbereitung holte sich Hitzfeld Rat von prominenter Seite. Am Sonntag besuchte die Nationalmannschaft Skisprungstar Simon Ammann - immerhin viermaliger Olympiasieger.

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