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Guus Hiddink (l.) traf auch schon als Russlands Nationaltrainer auf Berti Vogts © imago

Aserbaidschans Trainer Vogts bremst nach dem Sieg gegen die Türkei die Euphorie. Belgiens Coach hadert nach dem 4:4 gegen Österreich.

Baku - Als Guus Hiddink fassungslos von einem der schlimmsten Tage seiner Karriere sprach, rief der große Sieger Berti Vogts zur Bescheidenheit auf.

Belgiens Coach wähnte höhere Mächte im Spiel und sein österreichischer Kollege kriegte sich vor Freude kaum ein.

In der Gruppe A gibg es am Dienstagabend zwischen Aserbaidschan und der Türkei sowie zwischen Belgien und Österreich drunter und drüber.

Vogts bremst die Euphorie

"Ich bitte darum, meine Spieler nicht zu überschwänglich zu feiern. Das Glück war heute auf unserer Seite", sagte Trainer Berti Vogts nach Aserbaidschan 1:0-Coup gegen die Türkei in der EM-Qualifikation.

Trotz des größten Erfolgs seines bisher zweieinhalbjährigen Schaffens in der ehemaligen Sowjetrepublik war Vogts mit seinem Team nicht rundum zufrieden.

"Wir hätten vor allem in der zweiten Halbzeit noch mehr Tore schießen können", sagte der 63-Jährige.

Vogts hat nun offenbar vor allem damit zu tun, Spielern, Funktionären und Fans die Flausen aus dem Kopf zu treiben, dass man in der Gruppe nun sogar Platz zwei hinter Deutschland erreichen könne. (DATENCENTER: Die Gruppe A)

Hiddink: "Einer meiner schlimmsten Tage"

Vogts' Gegenüber Hiddink landete dagegen auf dem harten Boden der Realität. Der Niederländer musste nach seiner erfolgreichen Zeit in Australien und Russland anerkennen, dass es kein Selbstläufer wird, aus dem türkischen Team eine Siegermannschaft zu formen.

"Ich kann mich nicht daran erinnern, wann eine meiner Mannschaften einmal zwei Qualifikationsspiele hintereinander verloren hat", sagte Hiddink. "Das ist einer der schlimmsten Tage meiner Karriere." Der Gegner habe sie niedergekämpft und völlig verdient gewonnen.

Niederlage "nicht akzeptabel"

Hatte Hiddink die Niederlage gegen Deutschland noch als normal bezeichnet, wirkte er nach dem Spiel gegen Vogts' Team geschockt.

"Deutschland ist ein Weltklasse-Team, da kann ich mit einer Niederlage leben. Aber ich kann nicht akzeptieren, gegen Aserbaidschan zu verlieren."

Presse haut auf den Coach ein

Die nicht gerade als zimperlich bekannte türkische Presse nahm erwartungsgemäß auch vor dem großen Namen Hiddink keine Rücksicht. Falsche Spieler, falsche Taktik, falscher Wohnsitz waren die häufigsten Vorwürfe gegen den nicht in der Türkei lebenden Niederländer.

"Wir haben unser Ticket für die EM 2012 eigenhändig ins Feuer geworfen. Hiddinks Ruf ist angekratzt. Die ganze Welt lacht über uns", schrieb die Zeitung "Fanatik", und das Massenblatt Hurriyet forderte bereits indirekt den Rauswurf des Trainers: "Die Rechnung der Niederlage muss von jemandem beglichen werden."

Vogts glaubt noch an die Türkei

Zumindest von Berti Vogts, der nach dem 2:0 in Liechtenstein vor einem Jahr seinen zweiten Sieg mit Aserbaidschan in einem Qualifikationswettbewerb feierte, gab es ein paar aufmunternde Worte für Hiddink:

"Für mich ist die Türkei immer noch der Favorit auf den zweiten Platz in der Gruppe."

Der EM-Dritte von 2008 liegt zwar nur einen Punkt hinter den zweitplatzierten Österreichern, hat aber auch schon ein Spiel mehr ausgetragen.

"Österreicher müssen Gott danken"

Österreich könnte sogar schon drei Punkte vor den Türken stehen. Beim 4:4 in Belgien führte das Team um Werder Bremens Marko Arnautovic zweimal, doch am Ende konnte die Mannschaft von Trainer Dietmar Constantini froh sein, wenigstens einen Zähler entführt zu haben,

"Die Österreicher müssen Gott danken. Sie haben das Maximum aus diesem Spiel herausgeholt. Normalerweise muss das Match 8:4 für uns ausgehen", sagte Belgiens Coach Georges Leekens.

Sein Kollege war weitaus zufriedener. "Dieses Spiel hatte alle Facetten. Wir haben 3:2 geführt, dann die Rote Karte kassiert, dann das 3:4 bekommen und in der letzten Minute noch ausgeglichen. Das ist dann genial", sagte Constantini.

Denkwürdiges Spiel in Brüssel

Schon bevor die letzten denkwürdigen Minuten anbrachen, hatte das Match bereits alles, was ein gutes Fußballspiel braucht: Wechselnde Führungen, viele Tore, Großchancen in Serie und einen Platzverweis.

Der nach dem Spiel von Österreichs Presse zum "StArnautovic" hochgejubelte Bremer Arnautovic sowie Franz Schiemer hatten das Match nach dem 0:1 von Jelle Vossen zunächst gedreht.

Belgien glich durch Marouane Fellaini aus, Schiemer traf erneut zur Führung und Paul Scharner flog in der 68. Minute nach einer dummen Tätlichkeit direkt neben dem Schiedsrichter vom Platz.

In der 87. Minute traf der Belgier Marvin Ogunjimi zum 3:3, drei Minuten später erhöhte Nicolas Lombaerts zum 4:3 und versetzte die 25.000 Zuschauer im König-Baudouin-Stadion in Ekstase. Erst in der dritten Minute der Nachspielzeit traf Stuttgarts Harnik zum Ausgleich - und die belgischen Fans trauten ihren Augen nicht.

Arnautovic und Prödl gehen feiern

Während sich fast das komplette österreichische Team noch in der Nacht auf den Heimweg machte und um drei Uhr morgens in Wien-Schwechat landete, machten Arnautovic, Vereinskollege Sebastian Prödl und Scharner die belgische Hauptstadt unsicher.

"Ich werde mit den Burschen noch einen trinken", sagte der als nicht gerade pflegeleicht geltende Arnautovic. Die Drei machten sich dann am Mittwoch direkt von Brüssel aus auf den Weg zu ihren Vereinen.

Harnik nicht zufrieden

Harnik war hingegen nicht zum Feiern zumute. "Wenn man vier Tore schießt und nur einen Punkt holt, ist das für mich enttäuschend", sagte der Stürmer.

"Ich muss auf die Euphoriebremse steigen. Sieben Punkte aus den ersten drei Spielen sind das Mindeste, was wir für eine Qualifikation brauchen."

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