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Trainer Constanini während des Trainings: Österreich belegt mit sieben Punkten Rang zwei © getty

Österreich muss in der Türkei gewinnen, um die wohl letzte EM-Chance zu nutzen. Andernfalls steht Constanini vor dem Aus.

München - Als Dietmar Constantini am Montag um 10.30 Uhr das Flugzeug nach Istanbul bestieg, könnte es der Aufbruch zur letzten Dienstreise als Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft gewesen sein.

Für Deutschlands nächsten Gegner in der EM-Qualifikation geht es am Dienstag (ab 19.15 Uhr im LIVE-TICKER) in der Türkei um Platz zwei in der Gruppe A - und für Constantini nach zwei Jahren Amtszeit um seinen Job.

Der 55-Jährige weiß um die Bedeutung der Partie im Sücrü-Sarakoglu-Stadion von Istanbul. (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

"Die Teamchef-Diskussion ist längst im Gange. So ist das Geschäft. Es ist klar, dass es jetzt viele Experten gibt, die alles besser wissen", sagte Constantini, gab sich aber auch kämpferisch: "Ich bin nicht der Typ, der hinschmeißt."

Doch der Katzenjammer in Österreich ist nach der 0:2-Schmach gegen Belgien groß - und der Schuldige bei den Medien in Constantini gefunden.

"Didi Ratlos", titelte das Boulevardblatt "Kurier" und stellte die Frage, ob Constantini als "Entwicklungshelfer" der Richtige sei.

Constanini: Kein "Persilschein"

Österreichs Verbandsboss Leo Windtner will das Spiel in Istanbul abwarten, bevor er ein Urteil und eine Entscheidung fällt.

"Wir ziehen erst danach eine Bilanz. Wir müssen jetzt Contenance wahren", sagte Windter: "Einen Persilschein gibt es zwar nirgends, aber es ist bekannt, dass wir für Kontinuität stehen."

Rückendeckung erhielt Constantini zumindest von seinem früheren Chef Otto Baric. "Der Didi ist ein Schlitzohr. Er weiß, wie Kicker ticken. Er wird sie wieder aufbauen", sagte der frühere Trainer des VfB Stuttgart.

Arnautovic und Alaba in der Kritik

Für Baric war die Türkei schon einmal selbst zum Stolperstein geworden: 2001 wurde er nach einem 0:5 im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel als Nationalcoach gefeuert.

Sein damaliger Assistent war - Constantini.

Der zeigte seinen Spielern bei einer Videoanalyse nochmal schonungslos die Fehler gegen Belgien auf.

Im Kreuzfeuer der Kritik standen unter anderem die deutschen Bundesliga-Profis Marko Arnautovic von Werder Bremen und David Alaba von 1899 Hoffenheim.

Auch Hiddink unter Druck

Eine Niederlage würde wohl die Hoffnungen Österreichs auf eine Teilnahme an der EM 2012 in Polen und der Ukraine zerstören.

Ob Constantini dann noch im nächsten EM-Qualifikationsspiel am 3. Juni gegen Deutschland als Teamchef auf der Bank sitzen dürfte, wäre mehr als fraglich.

Doch auch bei den Türken steht der erfolgsverwöhnte Nationaltrainer Guus Hiddink nach dem Stolperstart in der Qualifikation mit nur sechs Punkten aus vier Spielen unter Druck.

Sahin in der Pflicht

"Keine Frage: Wir müssen Österreich schlagen, wenn wir mindestens Gruppen-Zweiter werden wollen", sagte der Niederländer.

Hiddink nimmt vor allem Nuri Sahin vom Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund in die Pflicht.

"Er muss anfangen, eine Führungsrolle einzunehmen. Seine Fähigkeiten sind unbestritten, er wird in wenigen Jahren zu den besten Spielern der Welt gehören. Daher erwarte ich von ihm gegen Österreich eine durchgehend überzeugende Leistung", forderte Hiddink.

Iniestas Bolzplatz-Erinnerungen

Unbeschwert können dagegen Welt- und Europameister Spanien sowie Vizeweltmeister Niederlande auftreten.

Die Spanier wollen in Litauen (20.45 Uhr) ihre weiße Weste in der Gruppe I ebenso wahren wie die Niederlande in der Gruppe E gegen Ungarn (20.30 Uhr). (DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Die Iberer, die das Hinspiel 3:1 gewonnen haben, fürchten vor allem die Platzverhältnisse. "Das erinnert mich an die Bolzplätze in meiner Kindheit", sagte WM-Held Andres Iniesta über den Untergrund, der einem Acker gleicht.

Doch auch dem Gegner zollt Iniesta Respekt: "Sie verteidigen sehr geschickt. Es wird hart."

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