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Christian Fuchs spielt seit 2006 für die A-Mannschaft Österreichs © imago

Christian Fuchs spricht bei SPORT1 über das Spiel gegen Deutschland, die Probleme in Österreichs Fußball und Wechselgerüchte.

Vom DFB-Team berichtetThorsten Mesch

Wien ? David gegen Goliath, kleiner Bruder gegen großer Bruder - Duelle zwischen Österreich und Deutschland haben immer eine besondere Brisanz.

Das kleine Österreich will dem großen Deutschland ein Bein stellen, wie es die Kicker von Rot-Weiß-Rot 1978 in Cordoba oder 1986 in Wien zuletzt geschafft haben.

Im EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland (20 Uhr im LIVE-TICKER) will der Außenseiter mit einem Sieg die Chance auf Platz zwei wahren.

"Vielleicht ist es ein Vorteil, dass die Deutschen praktisch durch sind. Und wir sind bis in die Haarspitzen motiviert", sagt Christian Fuchs.

Fuchs, der mit Mainz 05 den Einzug in die Europa League schaffte und einer von fünf Bundesliga-Legionären im Team von Trainer Dietmar Constantini ist, freut sich besonders auf das Wiedersehen mit einem Vereinskollegen, der Mainz allerdings verlassen hat.

"Toll wäre, wenn Andre Schürrle auf Seiten der Deutschen mit dabei wäre", sagt Fuchs, der, sollte Marc Janko nicht in der Startelf stehen, das ÖFB-Team als Kapitän auf den Rasen des Ernst-Happel-Stadions führen wird.

Im SPORT1-Interview spricht Fuchs über das Spiel, die Probleme im ÖFB-Team und nimmt Stellung zu den Spekulationen über einen Vereinswechsel.

SPORT1: Mit einem Sieg gegen Deutschland würde sich Österreich die Chance auf die Qualifikation für die EURO 2012 erhalten? Wie sehen Sie die Chancen?

Christian Fuchs: Vielleicht ist es ein Vorteil, dass die Deutschen praktisch durch sind. Und wir sind bis in die Haarspitzen motiviert. Eines steht fest: Chancenlos sind wir nicht! Ein Sieg gegen Deutschland würde uns wieder eine Mini-Chance auf die EM-Qualifikation zurückgeben, schon alleine deshalb werden wir mehr als 100 Prozent geben. Die Motivation gegen Deutschland im vollen Stadion vor 50.000 Zuschauern ist natürlich groß.

SPORT1: Sie waren dabei, als Österreich bei der EM 2008 gegen Deutschland knapp verloren hat. Wie steht Ihr Team im Vergleich zu damals da?

Fuchs: Seit ich beim Team dabei bin, hat es alle zwei Jahre einen Schnitt gegeben, wurde gejammert, wurde alles wieder anders. Auch jetzt sind viele Spieler neu mit dabei, was auch mit Verletzungen von Stammspielern zu tun hat. Im Test vor der Euro 2008 und im Gruppenspiel bei der Euro haben wir gezeigt, dass wir gegen Deutschland auch mithalten können. Wir müssen uns etwas trauen und dürfen nicht vor Ehrfurcht erstarren.

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SPORT1: Sind die fünf Deutschland-Legionäre im ÖFB-Team besonders motiviert? Laufen vielleicht auch Wetten mit deutschen Kollegen?

Fuchs: Natürlich ist dieses Spiel für uns Deutschland-Legionäre etwas ganz Besonderes. Nein, Wetten laufen keine ? ich wette nicht. Toll wäre, wenn Andre Schürrle auf Seiten der Deutschen mit dabei wäre. Ich habe ihn gestern beim Abschlusstraining getroffen, wir konnten kurz plaudern.

SPORT1: Es sind mittlerweile viele Österreicher in deutschen Vereinen - auch in den Jugendmannschaften. Auch in anderen europäischen Ligen spielen Österreicher. Warum hat sich das noch nicht maßgeblich auf die Erfolge des ÖFB-Teams niedergeschlagen?

Fuchs: Es stimmt - noch nie hatte Österreich mehr Legionäre in starken Ligen, die in ihren Klubs auch stark spielen - ob Deutschland, England, Türkei oder Holland. Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass die Voraussetzungen da sind. Wir müssen die PS endlich auch im Nationalteam auf die Straße bringen. In der Nationalmannschaft muss jeder Verantwortung übernehmen. Das kann nicht zuviel verlangt sein. Wir müssen uns mehr zutrauen. Vielleicht fehlt uns ein Routinier, an dem sich die vielen jungen Spieler orientieren können.

Bei uns wurden auch lange Zeit zu wenige Muster entwickelt, nach denen sich die Teams orientieren. Wenn ein junger Spieler in das A-Team aufrückt, dann muss er genau wissen, was sein Job ist ? wie in Deutschland oder in den erfolgreichen Jahren in Frankreich.

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SPORT1: Sie haben neulich gesagt, Ihr Anspruch sei, dass Österreich sich für eine Endrunde qualifiziert - und zwar nicht als Gastgeber. Wie und wann kann das passieren?

Fuchs: Vielleicht sollte man beim ÖFB umdenken und kompromisslos längerfristig planen und sich die Qualifikation für die EM 2016 zum Ziel setzen und darauf kontinuierlich hinarbeiten. Aber das Team steht auch im Rampenlicht, der öffentliche Druck kommt sehr schnell, und dann ist das langfristige Denken unmöglich. Da Ruhe zu bewahren ist nicht einfach.

SPORT1: Welches Image haben die deutschen Spieler in der Wahrnehmung der österreichischen Öffentlichkeit. Gibt es auch Lieblinge oder Reizfiguren?

Fuchs: Die Deutschen haben ein Selbstverständnis, dass sie die Besten sind. Das ist eine Siegermentalität, die zum Erfolg dazugehört. Das müssen wir Österreicher noch lernen. Wir dürfen uns nicht zu klein machen. Natürlich gibt es deutsche Spieler, die bei uns besonders beliebt sind. Denken Sie an Carsten Jancker, der bei Rapid unheimlich populär gewesen ist bevor er zu Bayern München wechselte. Später durfte ich mit ihm auch bei Mattersburg spielen.

SPORT1: Welchen Spieler aus der deutschen Mannschaft bewundern Sie oder finden Sie besonders gut durch sein Spiel/seine Persönlichkeit? Vor welchem haben Sie im Spiel den größten Respekt?

Fuchs: Ich respektiere Spieler, die in ihrem Auftreten souverän sind und auf dem Platz mit fairen Mitteln und Kampfkraft zum Erfolg kommen. Außerdem muss sich ein Nationalspieler auch seiner Vorbildwirkung und seiner Verantwortung bewusst sein, das hat sich in Deutschland schon durchgesetzt. Ich versuche das auch - gemeinsam mit meinem Freund und Trauzeugen Robert Almer, der bei Austria Wien spielt, habe ich auch eine Initiative zur Förderung von Sportlern mit Behinderung (Stars4Stars) ins Leben gerufen. Zuletzt haben wir ein Trikot von Raul versteigert und 1.000 Euro eingenommen. Demnächst gibt?s ein Trikot von Pele mit Autogramm.

SPORT1: Sie haben zuletzt angebliche Wechselabsichten dementiert. Bekennen Sie sich momentan klar zu Mainz oder anders gefragt: Wann könnten Sie sich einen Wechsel ? und zu was für einer Art Verein - vorstellen?

Fuchs: Vieles wurde leider aus dem Zusammenhang gerissen. Ich konzentriere mich jetzt auf die Spiele gegen Deutschland und Lettland am Dienstag. Danach geht?s in den Urlaub. Im Moment gibt?s dazu nicht mehr zu sagen.

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