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Tranquillo Barnetta machte sein letztes Tor für die Schweiz im September 2007 gegen Chile © getty

Die Eidgenossen feiern das Unentschieden von Wembley und verhindern Englands Rache an Blatter. Rooney hat wieder die Haare schön.

Von Raphael Weber

München - Alles eine Frage der Sichtweise.

Obwohl die Schweiz nach dem 2:2 gegen England nur noch geringe Chancen auf die EM-Teilnahme hat, herrscht bei den Eidgenossen nach dem verpassten Wunder von Wembley (Bericht) eitel Sonnenschein.

Zwar zeigte sich Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld etwas enttäuscht, dass nach der 2:0-Führung am Ende kein Sieg herausgesprungen ist, das Unentschieden ist für ihn aber kein Beinbruch - im Gegenteil: "Der Punkt kann Gold wert sein", so Hitzfeld in der "Neuen Zürcher Zeitung" (414073DIASHOW: Die EM-Quali - 7. Spieltag).

Die Engländer wirkten müde und schienen in diesen Tagen andere Sachen im Kopf zu haben. Zur von der "Sun" geforderten Rache am schweizer FIFA-Präsident Joseph Blatter kam es nicht.

"Macht den Blatter nass"

"Splat the Blatt" (Macht den Blatter nass) lautete die Forderung an das englische Team: "Zerstört die Schweizer und lasst Sepp zahlen." Bezahlen soll der FIFA-Boss dafür, dass das Mutterland des Fußballs vom Weltverband bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 2018 übergangen wurde.

Allerdings fehlten den "Three Lions" unter anderem der gesperrte Wayne Rooney und der verletzte Mittelfeldmotor Steven Gerrad. Rooney machte zuletzt - einmal mehr - abseits des Platzes von sich Reden.

Per "Twitter" gab der Stürmer von Manchester United zu, sich einer Haartransplantation unterzogen zu haben: "Ich wurde schon etwas kahl - und das mit 25, also: Warum nicht? Ich bin begeistert vom Ergebnis!"

Schweiz hofft auf die Sensation

HItzfeld gab sich mit Blick auf die nächsten Spiele und seine junge Mannschaft zuversichtlich: "Der Punkt ist gut für die Moral und hilft uns, den eingeleiteten Umbruch weiterzuführen."

Allerdings liegt die Schweiz mit bereits sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer England und die punktgleichen Minimalisten aus Montenegro (vier Tore für elf Punkte) nur auf Rang drei der Qualifikationsgruppe G (DATENCENTER: Die EM-Quali).

"Vor dem Spiel hätten wir für ein Unentschieden unterschrieben", sagte Hitzfeld. Nach dem 2:0 habe er schon "eine Weile auf eine Sensation" gehofft, am Ende war die "Qualität der Engländer" aber doch zu hoch.

Barnetta: "Ein Traum"

Hauptverantwortlich für die Hoffnung seines Trainers war Tranquillo Barnetta , der nach fast vierjähriger Durststrecke wieder in der Nationalelf traf - und das gleich doppelt.

Mit zwei Freistößen (32. und 35. Minute) von der linken Seite brachte er sein Team in Front und lies beide Male Joe Hart im Kasten der "Three Lions" nicht allzu gut aussehen. Für Barnetta waren es die Treffer Nummer sieben und acht im Trikot der "Nati".

Der Leverkusener zeigte sich nach der Partie selbst überrascht von seinen neu entdeckten Torjäger-Qualitäten: "Ich hatte vor dem Spiel natürlich nicht gedacht, dass ich gleich Doppeltorschütze im Wembley werde. Es ist ein Traum, dass es so gelaufen ist."

Knackpunkt Elfmeter

Den entscheidenden Dämpfer erhielt das Team von Ottmar Hitzfeld durch den englischen Anschlusstreffer noch vor der Pause. Frank Lampards Elfmeter in der 37. Minute kam für die Schweiz zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt.

"Der Knackpunkt war, dass wir das 2:0 nicht mit in die Pause nehmen konnten", stellte auch Barnetta im "Blick" fest: "Aber daraus muss man auch lernen."

Lampard hatte bei seinem Treffer gleich auch seine letzte nennenswerte Aktion, denn der Mittelfeldspieler wurde in der Halbzeit durch Ashley Young ersetzt.

Cole überzeugt von der Bank

Der Stürmer von Aston Villa musste zu Spielbeginn auf Geheiß von Trainer Fabio Capello überraschend auf der Bank Platz nehmen.

"Ich war enttäuscht, dass ich nicht starten durfte, aber ich habe es mit Fassung getragen. Wenn du dann deine Chance bekommst, willst du natürlich beeindrucken. Ich denke, das ist mit gelungen", so der Youngster im "Daily Mirror".

Mit seinem Treffer zum 2:2 und dem insgesamt starken Auftriff in der zweiten Halbzeit, der Young den "Man-of-the-match"-Award der FA einbrachte, dürfte er sich für einen Posten in der Startelf empfohlen haben.

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