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Am 8. Juni soll das Eröffnungsspiel der EM 2012 steigen © getty

Ein Jahr vor dem Start der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine wächst der Druck auf die Ausrichter. Die Zweifel werden größer.

Warschau/Kiew - Die aktuellste Baustelle sind von Bauarbeitern verpfuschte Betontreppen im Nationalstadion von Warschau, die als Notfluchtwege ihre Belastungstests nicht bestanden haben.

Noch ist der Zeitpunkt nicht absehbar, wann die Kräne dort das Spielfeld räumen, wo am 8. Juni des kommenden Jahres das Eröffnungsspiel der EM in Polen und der Ukraine stattfinden soll (DATENCENTER: Die EM-Quali).

Schon jetzt geht man davon aus, dass das als Einweihung gedachte Länderspiel am 6. September gegen Deutschland von Warschau nach Danzig verlegt werden muss.

Technische und finanzielle Probleme ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vorbereitung auf das für 2012 geplante Fußball-Spektakel.

Keine Vorfreude

Von einer Vorfreude ist in beiden Gastgeberländern - zumindest derzeit - kaum etwas zu spüren.

Nicht viel anders als in Warschau sieht es in Posen, Danzig oder Breslau aus.

Das für Donnerstag in Danzig geplante Länderspiel der Polen gegen Frankreich musste in ein Klub-Stadion der polnischen Hauptstadt verlegt werden.

Und auch die Bauverzögerungen in den ukrainischen Austragungsorten Kiew, Donezk, Lwiw und Charkow sorgen für Unruhe.

Selbst Martin Kallen, Geschäftsführer der UEFA EURO 2012, ist inzwischen skeptisch. Es werde in einigen Bereichen "sehr, sehr knapp", sagte er in der jüngsten Ausgabe von Sponsors.

Aber er gehe davon aus, dass das Turnier ausgetragen werden könne - frage sich nur "auf welchem Niveau".

Ein Drittel aller Bauprojekte gefährdet

Die Verantwortlichen der UEFA beobachten die Entwicklung seit der EM-Vergabe am 18. April 2007 in Cardiff mit tiefen Sorgenfalten.

Selbst die Gelbe Karte ihres Präsidenten Michel Platini und die Drohung, den beiden Nachbarn die Austragung zu entziehen, hat offenbar nur einen kurzen Motivationsschub bewirkt.

Offiziellen Angaben zufolge sind allein ein Drittel aller Bau-Projekte in Polen gefährdet.

Sonderschichten in der Ukraine

In der Ukraine versuchen derweil Bauarbeiter in Sonderschichten rund um die Uhr Rückstände aufzuholen.

Allein die Stadien in Donezk und Charkow sind schon bereit für die EM.

Die acht Austragungsorte gleichen großen Baustellen.

Terminals an den Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels und besonders die Zufahrtstraßen und Autobahnen bedürfen der Runderneuerung, um den Ansturm der geschätzten 1,5 Millionen EURO-Besucher zu bewältigen.

Querelen, Skandale, Korruption

Doch immer wieder geraten die Arbeiten durch politische Querelen, Skandale, Korruption und finanzielle Engpässe ins Stocken.

So wie an der Autobahn 2, der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Berlin und Warschau.

Der chinesische Staatskonzern Covec, der mit dem Ausbau der Autobahn beauftragt war, hat die Zahlungen an die polnischen Subunternehmer eingestellt, die daraufhin in den Ausstand traten.

Inzwischen hat sich sogar Polens Premierminister Donald Tusk als Vermittler eingeschaltet.

Durchhalteparolen und der Vergleich mit Portugal

Die Verantwortlichen in beiden Ländern flüchten sich in Durchhalteparolen und erinnern an die Probleme vor der EURO 2004 in Portugal.

"Wir sind zu diesem Zeitpunkt etwa auf dem gleichen Level, vielleicht nur ein kleines Bisschen zurück", meinte Mikolaj Piotrowski, Sprecher der staatlichen Gesellschaft PL 2012.

Bei allen Defiziten in den Stadien und in der Infrastruktur - auch die Nationalmannschaften der beiden EM-Ausrichter gleichen Baustellen.

Blochin soll Ukraine fit machen

Erst vor sechs Wochen übernahm Oleg Blochin in der Ukraine sein Amt. Der 58-Jährige folgte Juri Kalitwintsew.

Blochin, Europas Fußballer des Jahres 1975, hatte die Ukraine bereits bei der WM 2006 in Deutschland betreut und war dort bis ins Viertelfinale vorgestoßen.

Derweil sucht er nach einer schlagkräftigen Formation.

Der Test am Montagabend endete 1:4 gegen Ex-Weltmeister Frankreich.

Polen träumt noch

In Polen soll es Franciszek Smuda richten.

"Ein Jahr vor der EM haben wir noch immer keine Mannschaft, die den starken Teams Paroli bieten kann. Aber wir haben einen Traum", meinte der Nationalcoach.

Der Test am Donnerstag gegen Frankreich soll neue Erkenntnisse bringen.

Die Hoffnungen in seinem Team aus Spielern aus der nationalen Liga und "Legionären" ruhen besonders auf Jakub Blaszczykowski, Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski vom deutschen Meister Borussia Dortmund.

"Die Stimmung ist nicht so schlecht wie sie von den Medien gemacht wird", sagte Lewandowski. "Wir wissen, dass wir einiges besser machen können und noch hart arbeiten müssen."

Und das gilt nicht nur für die Nationalteams.

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