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Jose Bosingwa wechselte 2008 vom FC Porto zum FC Chelsea © getty

Vor der Playoff-Partie gegen Bosnien geht der nicht-berücksichtigte Bosingwa auf Portugals Trainer los. Susic hofft auf Dzeko.

München/Lissabon - Ein Streit zur Unzeit.

Drei Tage vor der Hinspiel der EM-Playoffs zwischen Bosnien und Portugal (Fr., ab 19.45 im LIVE-TICKER) kracht es bei der "Selecao". (DATENCENTER: EM-Quali).

Schuld ist Chelsea-Verteidiger Jose Bosingwa.

Der 29-Jährige schoss nach seiner Nichtberücksichtigung in den Kader gegen Nationaltrainer Paolo Bento.

"Er ist bekanntlich ein Trainer, der mit seinen Spielern viele Konflikte hat und weder mental noch emotional in der Lage ist, eine Gruppe von Männern anzuführen", sagte Bosingwa über den Ex-Sporting-Coach.

Dieser hatte den Rechtsverteidiger zuvor aus "emotionalen und mentalen Gründen" außen vor gelassen. Nun der Konter Bosingwas.

"Der Zeitpunkt ist so ungünstig, das ist schlecht"

Der Mannschaft merkte man beim Abschlusstraining vor dem Abflug nach Zenica die Anspannung an und auch Verbandsvizepräsident Amandio de Carvalho zeigte sich "tief enttäuscht."

"Der Zeitpunkt ist so ungünstig, das ist schlecht", sagte Carvalho.

Nicht der erste "Zickenkrieg" bei den Portugiesen. Bereits Ende August war Real Madrids Verteidiger Ricardo Carvalho aus dem Mannschaftshotel geflohen und hatte den Trainer als "Söldner" bezeichnet, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht in der Startelf stehen werde.

Carvalho wurde vom Verband für ein Jahr gesperrt und auch Bosingwa ließ verlauten, nie mehr unter Bento spielen zu wollen.

Vor dem wichtigen Spiel haben Ronaldo und Co. nun eine Sorge mehr.

Ronaldo kann sich Scheitern nicht leisten

Besonders für den Real-Superstar steht viel auf dem Spiel. Gerade hat Ronaldo sein 100. Pflichtspieltor für seinen Klub Real Madrid erzielt, doch in dieser Länderspielpause geht es um mehr.

Einer wie er kann sich eine verpasste EM, immerhin das zweitgrößte Fußballereignis weltweit, schlicht nicht leisten - vor seinen Sponsoren nicht, vor sich selbst schon gar nicht.

Portugal bereit für Bosnien

Alles werden er und seine Mitstreiter also in diese 180 plus x Minuten legen, wie Ronaldos Sturmkollege Helder Postiga bestätigt:

"Wir sind komplett auf Bosnien konzentriert. Wir denken nur an die beiden Spiele."

Wie eng das alles werden kann, wissen die Portugiesen. Vor zwei Jahren mühten sie sich, ohne Ronaldo, zu zwei knappen 1:0-Siegen gegen die Bosnier und damit zur WM in Südafrika.

Dzeko in Torlaune

Portugal gegen Bosnien ist zweifellos das Topduell der großen Namen.

Auf der anderen Seite will der Ex-Wolfsburger Edin Dzeko sein Land zum Europa-Turnier schießen. Die Zeichen stehen gut:

Nach halbjähriger Eingewöhnungsphase trifft der 37-Millionen-Euro-Mann für Manchester City mittlerweile, wie er will.

Zehn Tore in neun Spielen in der Premier League, auch in den letzten beiden Gruppenspielen der EM-Qualifikation war er zur Stelle.

Bereits nach der Playoff-Auslosung Mitte Oktober schob Dzeko die Verantwortung hinüber zum Weltstar von Real: "Jedes Team, in dem Ronaldo spielt, ist Favorit."

"Die haben Cristiano Ronaldo, wir haben Edin Dzeko"

Sein Trainer Safet Susic sieht die beiden Topstürmer derweil fast schon auf Augenhöhe:

"Warum sollte uns also nicht eine Überraschung gelingen? Die haben Cristiano Ronaldo, wir haben Edin Dzeko."

Der Coach hat auch bereits einen Schwachpunkt beim Gegner ausgemacht: "Portugal hat tolle Spieler, verteidigt aber nicht gut"

Die Portugiesen kämpfen derweil auch für die eigene Erfolgsserie, seit 1996 sind sie bei EM-Turnieren immer mindestens ins Viertelfinale gekommen.

Türkei ohne Sahin gegen Kroatien

Auch bei den anderen Playoff-Paarungen könnten große Namen auf der Strecke bleiben.

Dzekos kroatischer Premier-League-Kollege Luka Modric muss sich in zwei erwartbar hitzigen Spielen gegen die Türkei durchsetzen, ihm zur Seite steht eine ganze Armada derzeitiger und ehemaliger Bundesliga-Profis, mit Wolfsburgs Mario Mandzukic an der Spitze.

Die Türken ihrerseits verfügen seit diesem Jahr über zwei Profis von Real Madrid.

Während Hamit Altintop seine Mannschaft wie gewohnt als Kapitän aufs Feld führen wird, ist Nuri Sahin nach langer Verletzung noch nicht mit dabei.

Tschechien will Minimalziel erreichen

Die Tschechen Tomas Rosicky und Milan Baros sind mit ihren mittlerweile 31 und 30 Jahren schon als Altstars zu klassifizieren, ihr großer Auftritt auf Europas Bühne liegt bereits sieben Jahre zurück.

Gegen Montenegro um die Italien-Profis Mirko Vucinic (Juventus) und Stevan Jovetic (Florenz) will der Halbfinalist von 2004 nach dem Vorrunden-Aus 2008 nun zunächst das Minimalziel erreichen:

Die Auslosung der EM-Gruppen am 2. Dezember in Kiew.

Das gilt auch für Giovanni Trapattonis Iren, die gegen Underdog Estland klarer Favorit sind.

Je nach Verlauf der Playoff-Spiele dürfte dann der eine oder andere Starspieler zähneknirschend auf dem heimischen Sofa sitzen.

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