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Giovanni Trapattoni trainiert Irland seit Februar 2008 © getty

Der Italiener will mit Irland zur EM - im Sommer wäre er bereits 73 Jahre alt. Doch zuvor stehen die Play-offs gegen Estland an.

München - Der italienische Trainer-Dino ist zwar schon 72 Jahre alt, an den wohlverdienten Ruhestand denkt der ehemalige Bundesligatrainer von Bayern Müchen und dem VfB Stuttgart aber noch lange nicht.

Im Sommer kommenden Jahres will der Maestro bei der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine eine Hauptrolle spielen und mit Irland den einen oder anderen Großen ärgern.

Dann wäre er 73 Jahre alt - und damit zwei Jahre älter als der griechische Nationaltrainer Otto Rehhagel bei der WM 2010.

Um den Rekord zu brechen, müssen sich "Trap" und sein Team aber in den beiden Play-off-Spielen gegen Außenseiter Estland im Nachsitzen das Ticket für die EM sichern. (Fr., ab 20.30 im LIVE-TICKER)

Den Grundstein wollen die Iren am Freitagabend in Tallinn legen. Die erste EM-Teilnahme seit 1988 wäre nicht nur für den irischen Fußball ein Befreiungsschlag, nachdem dieser 2010 eine seiner bittersten Stunden erlebt hatte. (DATENCENTER: EM-Quali)

Das Trauma von Henrys Hand-Tor

Denn vor der WM in Südafrika scheiterten die Iren in den Play-offs unglücklich an Frankreich, für das Thierry Henry das entscheidende Tor mit einem nicht geahndeten Handspiel vorbereitet hatte - was Gott und die Welt gesehen hatten, nur eben der Schiedsrichter nicht.

"Das Aus in Paris ist immer noch ein Trauma auf der Insel", sagt Trapattoni, der gegen die Esten aber nicht nur auf die eigene Stärke, sondern auch auf himmlischen Beistand vertrauen darf.

Schließlich ist "Il Tedesco" (der Deutsche), wie Trapattoni in seiner italienischen Heimat gerufen wird, seit vergangenem Jahr auch der Coach der Fußballauswahl der Vatikanstadt.

Irischer Heldenstatus in Sicht

Falls er mit den Iren die EM-Qualifikation schaffen sollte, würde er auf der Insel zweifelsohne Heiligenstatus erlangen, auch wenn er bei seiner Inthronisierung als Teammanager im Frühjahr 2008 gesagt hatte.

"Ich bin kein Heiliger, ich bin Giovanni."

Damals bezog sich Trapattoni, der 1998 in Deutschland mit seiner Wutrede als Bayern-Trainer ("Was erlauben Strunz?" - "Schwach wie eine Flasche leer!" - "Ich habe fertig!") Kultstatus erlangte, aber auf seinen Geburtstag am 17. März - zufällig auch der Geburtstag des irischen Nationalheiligen St. Patrick.

"Estland nicht unterschätzen"

In Irland war der Italiener nicht von allen mit offenen Armen empfangen worden, galten seine Trainingsmethoden doch spätestens seit seinem Aus 2008 bei RB Salzburg als veraltet.

Doch der Trainer-Routinier setzte sich gegen alle Widerstände durch und erwarb zusätzliche Sympathiepunkte, als er auf zehn Prozent seines Millionengehalts verzichtete, nachdem die irische Wirtschaft eingebrochen war.

Zudem führte er das Team wieder zu alter Stärke. In der EM-Quali verlor Irland nur ein Spiel gegen Gruppensieger Russland, dennoch warnt Trapattoni: "Wir haben keinen Grund, Estland zu unterschätzen."

Mit fünf Ausfällen nach Tallin

Zumal Trapattoni im Hinspiel fünf Ausfälle verkraften muss.

Nach Liam Lawrence (FC Portsmouth), Shane Long (West Bromwich Albion), John O'Shea (AFC Sunderland) und Kevin Doyle (Wolverhampton Wanderers) sagte auch noch Leon Best (Newcastle United) ab, da seine Frau am Spieltag ihr erstes Kind erwartet.

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