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Hier findet am 1. Juli 2012 das Finale statt: Das EM-Stadion in Kiew. © getty

Hooligans, Hundetötungen und fehlende Autobahnen - doch der Ausrichter zeigt sich zuversichtlich. Zumal die Stadien fertig sind.

Kiew - In Lwiw wurde jüngst das letzte der vier ukrainischen EM-Stadien eröffnet.

Für den feierlichen Anlass hatten die Veranstalter westliche Popkultur im Programm: Die amerikanische Sängerin Anastacia trat mit ihren beliebtesten Hits auf.

Die Blickrichtung geht gen Westen, sieben Monate vor dem Großereignis Europameisterschaft, das die Ukraine zusammen mit Polen ausrichtet.

"Es ist ein geopolitisches Projekt", sagt der ukrainische Turnierdirektor Markijan Lubkiwski und verweist als früherer Diplomat auf die politische Dimension:

"Ich vergleiche die Rolle der UEFA mit der EU, sie bringt uns näher an Europa."

Organisation eine Herkulesaufgabe

Die Offiziellen machen keinen Hehl daraus, dass die Mitorganisation des weltweit zweitgrößten Fußballevents eine Herkulesaufgabe ist.

"Es ist relativ einfach, eine EM in gut entwickelten Ländern wie Österreich oder der Schweiz zu organisieren", sagt Lubkiwski.

"Für uns ist es eine doppelte Aufgabe. Wir müssen uns auch in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ändern."

Positives nach "Verfehlungen"

Sieben Monate vor Turnierbeginn haben die Ukrainer mit der Fertigstellung aller vier Arenen den wichtigsten Teil der EM-Projekte geschafft - anders als die Polen, die immer noch am Nationalstadion von Warschau werkeln.

Das nimmt man weiter östlich gerne zur Kenntnis (DATENCENTER: EM-Quali).

Die Ukraine sorgt endlich einmal für positive Schlagzeilen.

Marodierende Hooligans und Tötung von Straßenhunde

In den vergangenen Monaten waren neben den schleppenden Baumaßnahmen hauptsächlich die marodierenden Hooligan-Horden und die bestialische Tötung von Straßenhunden Thema in westlichen Medien.

[kaltura id="0_v5lnu9o8" class="full_size" title="SPORT1 unterwegs in der Ukraine"]

"Wir kämpfen gegen viele Vorurteile, die entstanden sind, ohne dass die Leute selber da waren", sagt UEFA-Cheforganisator Martin Kallen.

Der Schweizer gibt jedoch offen zu, dass es "Verfehlungen" gab beim Thema Straßenhunde.

Hunde lebendig verbrannt

Tierschutzverbände hatten darauf hingewiesen, dass streunende Hunde teilweise in mobilen Krematorien lebendig verbrannt würden.

Die UEFA hatte ursprünglich die Ukrainer in dieser Frage unterstützt, sogar einen "kleineren Geldbetrag" überwiesen, wie Kallen sagt.

Nur die Art und Weise, wie das Hundeproblem dann vor Ort in Angriff genommen wurde, war dann gar nicht im Sinne des Ausrichters - jede Menge schlechte PR die Folge.

Die UEFA habe sich mit allen vier Bürgermeistern und der ukrainischen Regierung in Verbindung gesetzt.

"Wir haben auf das Problem hingewiesen, mehr steht nicht in unserer Macht", sagt Kallen.

Neuer Teer statt Autobahn

Mit manchem muss sich Kallen einfach abfinden. Zum Beispiel damit, dass die Autobahn-Projekte wegen Staats- und Wirtschaftskrise gar nicht erst begonnen wurden.

Der EURO-Tourist bereist die Ukraine daher auf "vierspurigen Schnellstraßen", die lediglich einen neuen Belag bekommen.

Die Tausende Kilometer in die östlichen Städte Donezk und Charkiw werden die Fans ohnehin fliegen müssen. Landebahnen und neue Terminals sollen rechtzeitig fertig werden.

"Hooligans werden kein Problem sein"

Kallen muss auch darauf vertrauen, dass hinter den guten Worten mehr steckt als eine Beschwichtigungstaktik.

"Hooligans werden kein Problem sein in den ukrainischen Stadien", sagt etwa Turnierdirektor Lubkiwski.

Natürlich gebe es Rivalitäten zwischen den Klubs, "aber wenn es um die Unterstützung der Nationalmannschaft geht, ist die Stimmung freundlich."

Und falls doch Übeltäter im kommenden Sommer auf der Bildfläche erscheinen sollten, beinhalte das ab 1. Januar gültige neue Gesetz alles Nötige.

Testlauf beim DFB-Spiel

In der verbleibenden Zeit wird vor allem "operativ" getestet.

Neu ist in der Ukraine zum Beispiel das hierzulande längst gängige Sicherheitssystem mit privaten Ordnern im Stadion, man sammelt gerade erste Erfahrungen:

Bei den Eröffnungsfeiern in Kiew und Lwiw, und nun auch beim Länderspiel gegen Deutschland am Freitag.

Cheforganisator hofft auf Losglück

Bei manchem können die Organisatoren dann aber wirklich nichts machen. "Wir brauchen ein bisschen Glück mit der Auslosung", sagt Kallen.

Am 2. Dezember in Kiew stellt sich heraus, wie attraktiv die Spiele für die Fans werden.

Das benachbarte Russland in einer der beiden Gruppen in der Ukraine, die Deutschland-Gruppe in Polen, Schweden in der Danziger Gruppe C - das wäre Kallens Traumszenario.

Dann werden die Fans in Scharen kommen, hofft er.

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