vergrößernverkleinern
Zvjezdan Misimovic (r.) bestritt bisher 62 Länderspiele für Bosnien-Herzegowina © getty

Vor dem Spiel gegen Portugal spricht Bosniens Zvjezdan Misimovic im SPORT1-Interview über die EM und sein Leben in Moskau.

Von Reinhard Franke

München - Seine Kumpels nennen ihn nur "Zwetschge", auch in der Bundesliga kennt man ihn hauptsächlich unter diesem Namen.

Zvjezdan Misimovic lernte das Fußballspielen beim FC Bayern München. Über Bochum, Nürnberg kam er 2008 zum VfL Wolfsburg und wurde unter Felix Magath Deutscher Meister.

Der Bosnier spielte sich in die Notizblöcke der internationalen Topklubs. Nach einem 6-monatigen Gastspiel bei Galatasaray Istanbul zog Misimovic im März 2011 weiter zu Dynamo Moskau.

Dort spielt er zusammen mit Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi. Am Freitag geht es für Misimovic mit der Nationalmannschaft Bosnien Herzegowinas in der EM-Qualifikation gegen Portugal (ab 19.45 im LIVE-TICKER). (DATENCENTER: EM-Quali)

Bei SPORT1 spricht Misimovic über das wichtige Spiel gegen Ronaldo und Co., sein Leben in Moskau und eine Rückkehr in die Bundesliga.

SPORT1: Herr Misimovic, mit Bosnien-Herzegowina geht es gegen Portugal. Es ist die Revanche zu den WM-Playoffs für 2010, als Sie an den Portugiesen scheiterten. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Spiel?

Zvjezdan Misimovic: Wir wollen zur EM. Ich denke, dass Portugal der Favorit ist. Auch weil die das zweite Spiel zu Hause haben. Aber wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass wir als Mannschaft gereift sind, dass wir einfach besser auftreten als früher und eigentlich schon in Frankreich einen Sieg verdient gehabt hätten, um uns direkt zu qualifizieren.

SPORT1: Sie sagen die Mannschaft ist gereift. Macht es sich bemerkbar, dass mehr bosnische Spieler bei internationalen Topklubs spielen?

Misimovic: Jeder Spieler reift, wenn er in einer besseren Liga spielt. Jetzt haben wir natürlich mehrere Spieler, die in Europa spielen und das macht sich ganz klar in der Mannschaftsleistung bemerkbar.

SPORT1: Sind Sie besonders nervös vor so einem wichtigen Spiel für Ihr Land?

Misimovic: Angespannt, aber nicht nervös. Es gibt ja ein Hin- und Rückspiel und ich denke, dass es erst im Rückspiel klar gemacht wird. Die EM-Qualifikation wäre ein Traum für jeden von uns, auch für unser recht junges Land wäre das etwas Spezielles.

SPORT1: Sie sprechen es an. Was würde eine EM-Teilnahme für Ihr Land bedeuten?

Misimovic: Die Leute bei uns leben für Fußball, es herrscht eine riesige Euphorie und alle fiebern richtig mit. Die Situation in unserem Land ist nicht so berauschend und mit einer EM-Qualifikation könnte man da einiges bewegen.

[kaltura id="0_knvj091z" class="full_size" title="F r Ronaldo und Co z hlt nur ein Sieg"]

SPORT1: Wie oft sind Sie noch in Ihrer Heimat?

Misimovic: In der letzten Zeit war es immer ein bisschen schwierig. Mein Bruder (Vitomir, Anm. d. Red.) lebt noch dort und natürlich versuche ich so oft es geht hinzufahren. Bei mir ist das auch etwas anderes. Ich bin in München geboren und in Deutschland aufgewachsen und von daher ist mein Lebensmittelpunkt München.

SPORT1: Ihr fußballerischer Mittelpunkt ist seit März 2011 Moskau. War das der richtige Schritt dorthin zu gehen?

Misimovic: Auf jeden Fall. Ich denke wir sind mit der Mannschaft auf einem guten Weg. Wir sind momentan Dritter und müssen natürlich noch die Playoffs spielen, weil ab nächsten Sommer wie in ganz Europa gespielt wird. Man wird sehen wie es weitergeht.

SPORT1: Anfangs hatte man das Gefühl, dass Sie sich gar nicht so wohl fühlen, als Sie von Galatasaray Istanbul kamen. Es gab auch das Gerücht, dass Felix Magath Sie damals zu Schalke holen wollte.

Misimovic: Es gab ja damals nur die Möglichkeit nach Russland zu gehen, weil ich in einer Saison schon für zwei Vereine gespielt hatte. Die Option Bundesliga gab es da nicht.

SPORT1: Inwieweit haben Sie die Bundesliga noch im Blick und gibt es den Gedanken an eine Rückkehr?

Misimovic: Ich bin mit der Bundesliga groß geworden, verfolge sie regelmäßig und bin auf dem neuesten Stand. Es ist für mich die beste Liga der Welt. Als gebürtiger Münchner ist für mich auch Deutschland das beste Land der Welt. Ich habe noch zweieinhalb Jahre Vertrag in Moskau und bin da offen für alles.

SPORT1: Sie spielen in Moskau mit Kevin Kuranyi zusammen. Wie ist Ihr Verhältnis?

Misimovic: Kevin ist ein super Typ und wir verstehen uns blendend. Er ist ein ganz bodenständiger Typ und da gibt es gar keine Probleme. Kevin war am Angang eine große Hilfe als Anlaufstelle, weil er deutsch spricht und da schon ein halbes Jahr gespielt hat.

SPORT1: Und wie leben Sie in Moskau?

Misimovic: Wir (mit Frau Stefanija und den Söhnen Nico, 1 Jahr und Luka, 6, Anm. d. Red.) leben in einem Wohnkomplex mit internationaler Schule, einem Medicalcenter und Restaurants. Wir fühlen uns sehr wohl. Viele haben noch Vorurteile, dass in Russland alles kalt und grau ist, aber so ist es nicht.

SPORT1: Lassen Sie uns noch über Ihren Ex-Klub VfL Wolfsburg sprechen. Die kriegen einfach die Kurve nicht und versinken im Tabellenkeller. Wie sehen Sie die Situation bei den "Wölfen"?

Misimovic: Es ist ähnlich wie damals im ersten Magath-Jahr (2007/08, Anm. d. Red.). Da hat es auch in der Hinrunde nicht geklappt und in der Rückrunde sind sie dann durchgestartet. Wenn man so viele neue Spieler holt, dann braucht das seine Zeit. Die Meisterschaft hat uns damals auch keiner zugetraut.

SPORT1: Sehnen Sie sich nach der Zeit zurück?

Misimovic: Nein, aber das war schon etwas Besonderes damals mit Wolfsburg die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte zu holen. Aber jetzt bin ich in Moskau. Es wäre aber schon schön meine Karriere in der Bundesliga zu beenden.

SPORT1: Ihr Tipp für das Hinspiel?

Misimovic: Wir gewinnen 1:0.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel