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Guus Hiddink führte Südkorea bei der WM 2002 überraschend auf Platz vier © getty

Nach dem endgültigen EM-Aus trennt sich der türkische Verband von seinem Coach. Als Nachfolger wird Vogts gehandelt.

Zagreb - Einen Tag nach dem mageren 0:0 in Kroatien trennte sich der türkische Fußball-Verband TFF wie erwartet von seinem Cheftrainer.

Der bis zum Sommer 2012 laufende Vertrag wurde aufgelöst. Angeblich kassierte der 65-jährige Niederländer eine Abfindung von 3,2 Millionen Euro.

Wie der Verband mitteilte, sei die Trennung im "gegenseitigem Einvernehmen" vollzogen worden.(DATENCENTER: EM-Quali)

Informationen über einen möglichen Nachfolger soll es "in den kommenden Tagen" geben. Hiddinks Ende schien nach der katastrophalen EM-Qualifikation beschlossene Sache.

In der Gruppenphase gab es eine 0:1-Blamage gegen Aserbaidschan, gegen Deutschland (0:3 und 1:3) war der EM-Halbfinalist von 2008 ebenfalls chancenlos.

Hiddink verabschiedete sich in der Kabine

In den Play-offs gegen Kroatien war die Entscheidung eigentlich schon nach dem 0:3 im Hinspiel in Istanbul gefallen.

"Hiddink hat sich schon in der Kabine von seinen Spielern verabschiedet", schrieb die türkische Tageszeitung Hürriyet am Mittwoch und nahm die Trennung vorweg.

Das Team sei am Ende.

"Die Mannschaft braucht jetzt einen Heiler", hieß es.

Spott dem türkischen Fußball

"Hiddink verspottet den türkischen Fußball", schrieb Türkspor und holte die Keule raus.

"Wir sind mit unserem Fußball unter diesem Trainer in die 80er Jahre zurückgefallen. Kein Plan, kein Elan, keine Vision."

Beim 0:0 im Rückspiel von Zagreb am Dienstagabend ließen die Türken wieder mal Kampfwille und Spielintelligenz vermissen.

Keine Lust mehr auf Rampenlicht

Hiddink selbst blieb zunächst gelassen und beschäftigte sich schon mal mit möglichen neuen Jobs. "Ich würde nicht mehr so gerne im Rampenlicht stehen. Vielleicht arbeite ich irgendwo als Berater", sagte der 65-Jährige.

"Mein Alter ist ein weiterer Faktor", meinte der Niederländer. Der Coach hatte zuletzt auch gegen den türkischen Verband geschossen.

Das System sei fehlerhaft, junge Spieler könnten sich auf dem Weg in die Nationalelf nicht richtig entwickeln.

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Bilic tröstet Hiddink

Trost fand Hiddink direkt nach dem Spiel zunächst bei Trainer-Kollege Slaven Bilic.

Der frühere Karlsruher Bundesliga-Spieler nahm den angeschlagenen Hiddink nach dem Abpfiff kurz in den Arm und wünschte alles Gute.

Bilic selbst konnte äußerst zufrieden sein. Nachdem er wegen der mäßigen Leistungen in der Gruppenphase der EM-Qualifikation auch schon angezählt worden war, sitzt er nun wieder sicherer im Sattel.

Drei mögliche Nachfolger

Als Nachfolger Hiddinks wurden neben Ex-Bundestrainer Berti Vogts die Liga-Trainer Abdullah Avci (Istanbul BB) und Ertugrul Saglam (Bursaspor) gehandelt.

Der frühere deutsche Nationaltrainer wollte sich jedoch - wohlwissend um die Brisanz seiner Aussagen - am Dienstag in Berlin nicht äußern.

Nach dem Testspiel seines Nationalteams Aserbaidschan bei Zweitligist Union Berlin (0:1) ließ sich Vogts auf der Pressekonferenz entschuldigen. Er sei erkältet.

Dafür kam Co-Trainer Olaf Janßen, der jedoch alle Gerüchte zurückwies. Sein Chef beschäftige sich nicht mit einem Wechsel.

Vogts im Streit mit Aserbaidschan

"Wir werden jetzt wie in den vergangenen Jahren auch zum Jahresende eine Analyse unserer Arbeit vornehmen. das liegt vor uns", meinte Janßen.

Vogts hatte zuletzt durchblicken lassen, dass er wegen des Dauerstreits mit den Klubs in Aserbaidschan seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte.

Türkeis Sportminister Suat Kilic forderte allerdings einen türkischen Landsmann als neuen Nationaltrainer.

"So anerkannt Hiddink auch ist, er verstand unsere Spieler und unser Land nicht richtig. Deshalb war er so erfolglos", sagte Kilic.

Erfolgreiche Vergangenheit

Hiddink war seit dem 1. August 2010 Nationaltrainer der Türkei. Zuvor hatte er bei früheren WM-Endrunden mit den Nationalteams von Südkorea (Platz vier 2002) und mit Australien (Achtelfinale 2006) für Aufsehen gesorgt.

Außerdem trug für die russische Auswahl die Verantwortung, konnte aber auch dort nicht die großen Erwartungen erfüllen.

2009 agierte er in Personalunion zwischenzeitlich als Chefcoach des englischen Top-Klub FC Chelsea und gewann mit den Londonern den FA-Cup. Als Klub-Trainer arbeitete Hiddink u.a. bei Real Madrid, PSV Eindhoven und FC Valencia.

Trost fand Hiddink direkt nach dem Spiel zunächst bei Trainer-Kollege Slaven Bilic.

"Ich habe ihm gesagt, dass es eine Schande für den Fußball wäre, wenn er ausscheidet", sagte Bilic. "Er ist eine Gentleman, ein großer Coach und ein brillanter Mann. Wenn ich jemand als Trainer bewundere, dann ihn", so Bilic.

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