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Jan Tomaszewski erreichte mit Polen bei der WM 1974 in Deutschland den 3. Platz © getty

Im zweiten Teil des SPORT1-Intefviews spricht Polens Ex-Nationalspieler Jan Tomaszewski über die Bundesliga und das DFB-Team.

Von Jakob Gajdzik

München - In den 70er-Jahren war Jan Tomaszewski einer der polnischen Fußball-Helden.

Mit SPORT1 spricht er 200 Tage vor Beginn der EM ausführlich über das Turnier im eigenen Land

(Hier geht es zurück zum ersten Teil: "Polens Nationalelf ist der Mülleimer Europas")

Im zweiten Teil des Interviews spricht der 63-Jährige über bekannte polnische Spieler in der Bundesliga, den aktuell besten Spieler seines Landes und das DFB-Team.

SPORT1: Um wieder auf das Sportliche zu kommen: In der Bundesliga spielen mit den Dortmundern Jakub Blaszczykowksi, Robert Lewandowski, Lukasz Piszczek sowie den beiden Kölnern Adam Matuschyk und Slawomir Peszko zahlreiche Nationalspieler. Wie sehen Sie ihre Rolle?

Jan Tomaszewski: Sie spielen eine tragende Rolle. Sie sind super geschulte Spieler, das ist der Effekt aus der Bundesliga. Das sind in dieser Mannschaft die besten Spieler. Über Piszczek kann ich leider nichts sagen, denn er ist für mich jemand, der aufgrund seiner Verurteilung wegen des Korruptionsskandals nicht in der Nationalmannschaft spielen dürfte.

SPORT1: Wer ist für sie der beste polnische Spieler?

Tomaszweski: Momentan ist das "Kuba" Blaszczykowski. Die größte Überraschung ist für mich jedoch Lewandowski, denn als er noch in Polen gespielt hat, habe ich ihm nicht den Sprung zu einem Stürmer von internationalem Format zugetraut. Bei Borussia Dortmund und dem professionellen Umfeld in Deutschland hat sich aber sein wahres Potenzial gezeigt. Er kann für mich einer der besten Stürmer in Europa werden. Dazu kommt Arsenal-Keeper Wojciech Szczesny.

SPORT1: Trainer Smuda sieht die polnische Abwehr als größte Problemzone.

Tomaszweski: Man kann diesen Mann nicht ernst nehmen, der ändert seine Meinung drei mal täglich. Im ersten Spiel, wo die Nationalelf ohne den Adler auf der Brust aufgelaufen ist (0:2 gegen Italien, Anm. d. Red.), verteidigte er diese Maßnahme und beim folgenden Spiel gegen die Ungarn (2:1) kommt er dann mit dem Adler auf der Brust auf seinem Mantel raus, während die Spieler traurig ohne spielen mussten. Wenn ich Spieler wäre, ich würde so einem Trainer ins Gesicht spucken und als Präsident hätte ich ebenfalls eine Disziplinarstrafe verhängt.

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SPORT1: Unabhängig vom Trainer, wo sehen Sie die polnischen Problemzonen?

Tomaszewski: Das Problem ist, es gibt keine Mannschaft. Das Team hat mit Blaszczykowski, Lewandowski und Szczesny drei Leistungsträger, der Rest sind austauschbare Trikots. Niemand weiß bisher, wer wo und wie spielt. Die EM beginnt nicht in 200 Tagen, sie beginnt morgen. Da muss man bereits eine Formation haben.

SPORT1: Sehen Sie nicht den Testcharakter, um vielen Spielern eine Chance zu geben?

Tomaszewksi: Wie lange soll man denn testen? Smuda sagte, dass er Anfang 2011 eine Mannschaft geformt haben wird. Nun geht das Jahr zu Ende und er experimentiert immer noch.

SPORT1: Sie selbst haben 1974 in der wohl besten polnischen Mannschaft gespielt. Bei der WM in Deutschland haben sie mit Spielern wie Lato, Deyna oder Szymanowski gespielt und im Halbfinale sogar einen Elfmeter von Uli Hoeneß gehalten. Dennoch ging das Spiel bei der legendären "Wasserschlacht von Frankfurt" 0:1 verloren. Wäre Polen ohne den Regen Weltmeister geworden?

Tomaszewski: Nein, Deutschland hat vollkommen verdient gewonnen. Hat die Mannschaft etwa nicht auf dem selben Platz gespielt? Das war damals einfach die beste Mannschaft der Welt. Für mich und mein Team war das größte Lob, als nach dem Spiel Spieler wie Müller, Beckenbauer, Meier oder Overath zu uns kamen und sagten, es war eine tolle Partie und wer weiß, wie es ohne den Regen ausgegangen wäre. Ich bin stolz, dass dieses Spiel in die Geschichte des Fußballs eingegangen ist.

SPORT1: Und wie sehen sie die Chancen des aktuellen DFB-Teams?

Tomaszweski: Deutschland hat eine sehr große Chance. Die Mannschaft hat eine feste Ordnung und klasse Einzelspieler wie Özil oder Schweinsteiger. Der Sieg gegen Holland hat gezeigt, dass das eine große Mannschaft ist. Sie ist das Produkt einer Entwicklung. Die Mannschaft ist mit jungen Spielern wie Özil, Müller und Khedira zur WM 2010 in Südafrika gefahren und sie gehört nun zu den besten Mannschaften der Welt. Unsere jungen Spieler werden dagegen blockiert.

SPORT1: Wie sehen Sie Miroslav Klose und Lukas Podolski?

Tomaszewski: Ich hoffe, dass sie ein klasse Turnier spielen und einer von ihnen Torschützenkönig wird. Ich werde bei der EURO auch wegen der beiden der deutschen Mannschaft die Daumen drücken.

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