vergrößernverkleinern
Harry Redknapp trainiert Tottenham seit Oktober 2008 © getty

Redknapp ist der Favorit auf den Posten des englischen Nationaltrainers. Doch die Verpflichtung könnte für die FA richtig teuer werden.

München - Die Spieler wollen ihn unbedingt, bei den Buchmachern ist er der haushohe Favorit, doch Wunschkandidat Harry Redknapp lässt den englischen Fußball-Verband FA zappeln.

"Es wäre nicht leicht, die Spurs zu verlassen. Es wäre sogar sehr schwer. Wenn mich jemand fragt, müsste ich darüber gut nachdenken", sagte der Coach von Tottenham Hotspur am Freitag auf einer Pressekonferenz und gab sich betont zurückhaltend.

Der 64-Jährige soll die Nachfolge von Fabio Capello antreten und die Three Lions bei der EM in Polen und der Ukraine zum ersten Titel seit dem WM-Triumph 1966 führen.

In seiner eigenen Trainerlaufbahn hat Redknapp zwar nur den FA-Cup 2008 mit dem FC Portsmouth gewonnen, doch das scheint im Mutterland des Fußballs niemanden zu stören.

Nationalspieler wollen Redknapp

"Meine erste Wahl ist Harry Redknapp", ließ Nationalspieler Rio Ferdinand, der unter Redknapp für West Ham United spielte, verlauten. (DATENCENTER: Premier League)

Topstar Wayne Rooney, der bei den ersten beiden EM-Spielen nach seiner Roten Karte in der Qualifikation gesperrt ist, stimmte seinem Teamkollegen von Rekordmeister Manchester United zu und forderte: "Nehmt nun einen Engländer als Nachfolger - mein Favorit ist Harry Redknapp."

Der englische Verband FA bestimmte zunächst einmal Ex-Nationalspieler Stuart Pearce zum Interimstrainer für das Länderspiel am 29. Februar im Londoner Wembley-Stadion gegen Vizeweltmeister Niederlande.

Pearce gerät unter Beschuss

Der U21-Coach der Engländer gerät allerdings gleich unter Beschuss der einheimischen Presse. Pearce hat in einem Ligaspiel 1994 den damaligen Nationalmannschaftskollegen Paul Ince rassistisch beleidigt.

Aus gleichem Grund wurde Kapitän John Terry seines Amtes enthoben und wurde damit Auslöser des Capello-Rücktritts. (BERICHT: Terry verliert Kapitänsamt)

Zudem ist Pearce' Bruder Dennis Mitglied der ultra-rechten Partei "British National Party". Das berichtet das britische Boulevardblatt "The Sun". Pearce war schnell bemüht die Wogen zu glätten, indem er sich von den politischen Ansichten seines Bruders distanzierte.

Dennoch wird dies nicht zu einer Abkühlung der Rassismus-Debatte in England führen.

Ablösesumme steht im Raum

Hinter den Kulissen wird daher eifrig an einer schnellen Lösung gearbeitet. (BERICHT: Nachfolgesuche beginnt)

Diese könnte der FA allerdings teuer zu stehen kommen. Wie englischen Medien berichteten, könnte einer Verpflichtung Redknapps den Verband eine Summe im zweistelligen Millionenbereich kosten. Sein derzeitiger Klub Tottenham Hotspur zahlte für Redknapp 2008 6,3 Millionen Euro Ablöse an den FC Portsmouth.

Entsprechend loyal ist Redknapp. "Es wäre nicht fair gegenüber diesem Klub, wenn ich anfangen würde, meine Gedanken abschweifen zu lassen", sagte Redknapp, die Dinge könnten für ihn bei Tottenham "nicht besser laufen".

Ohne Klub-Chef geht nichts

Ohnehin geht es nicht ohne Klub-Chef Daniel Levy, mit dem Redknapp freundschaftlich verbunden ist. "Wenn er nicht kommt und sagt: 'Schau, ich habe ein Angebot' - solange gibt es für mich nichts zu prüfen."

Unter Redknapp qualifizierte sich Tottenham 2010 erstmals für die Champions League, derzeit liegt der Klub auf Platz drei in der Premier League. Der Rückstand auf Spitzenreiter Manchester City beträgt sieben Punkte.

Der große Hoffnungsträger

Redknapps Trainerlaufbahn begann 1983 bei AFC Bournemouth, wo er auch seinen Sohn, den späteren Nationalspieler Jamie Redknapp, trainierte.

Über West Ham United, Portsmouth, den FC Southampton und erneut Portsmouth kam der Onkel von Ex-Nationalspieler Frank Lampard zu Tottenham Hotspur.

Auch wenn Redknapp, der gerade vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen wurde, noch bei keinem europäischen Topklub gearbeitet hat, gilt er in England als der große Hoffnungsträger.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel