

Polens verhinderter Held startet die Fehlersuche
Aus Polen berichtet Mathias Frohnapfel
Warschau - Polens Fans schienen die Angelegenheit von der positiven Seite zu betrachten.
Bis weit nach Mitternacht feierten Tausende in Warschaus Innenstadt und flanierten mit weiß-roten Hüten und Fähnchen durch die Partymeile "Nowy swiat".
Wer konnte, krächzte noch "Bialo Czerwoni" ("Weiß-Rote"), den Anfeuerungsruf des Nationalteams.
Und einige Anhänger ließen sich sogar mit griechischen Fans fotografieren (DIASHOW: Die Bilder des Spiels).
Lewandowski ärgert sich über Remis
Genau jenen Griechen, die Polens Start in die Heim-EM mit dem 1:1 ( Spielbericht) ziemlich verdorben haben.( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Und hätte Georgos Karagounis noch vom Elfmeterpunkt getroffen, wären die Polen wie zuletzt bei großen Turnieren nach dem Auftakt mit leeren Händen dagestanden (SERVICE: Der EM-Rechner).
Trotzdem saß dem Torschützen Robert Lewandowski der Schreck nach der Partie noch in den Gliedern. "Ich kann mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Wir haben 1:0 geführt und waren in Überzahl", schimpfte der 23-Jährige.
Doch die Griechen steckten eben den höchst umstrittenen Platzverweis für Werder-Profi Sokratis weg und erkämpften sich durch Dimitris Salpingidis den Ausgleich.
"Nicht als Held gefühlt"
"Nach dem Tor habe ich mich nicht als Polens Held gefühlt, ich wollte noch eins machen", erklärte der Dortmunder. Die Auszeichnung als "Man of the Match" würdigte er mit keinem Blick.
Trotz des Ärgers mühte sich Lewandowski um einen positiven Ausblick auf das Spiel gegen Russland, das beim 4:1 gegen Tschechien glänzte ( Spielbericht).
"Wir sind weiterhin optimistisch. Vor allem in der ersten Hälfte haben wir uns gut präsentiert", sagte Lewandowski, als er wie seine Mitspieler im feinen Anzug das Nationalstadion an der Weichsel verließ.
Angebliches United-Interesse lässt ihn kalt
Zugleich wischte er alle Debatten über die Frage weg, wo er in Zukunft Fußball spielen werde.
"Spekulationen um einen Wechsel aus Dortmund interessieren mich momentan nicht. Dass jemand geschrieben hat, Manchester United hätte Interesse an mir, spielt gar keine Rolle."
Polanski vermisst Aggressivität
Viel mehr beschäftigte Lewandowski und seine Teamkollegen die Frage, mit welchen griechischen Göttern es zu tun hatte, dass Polen in der zweiten Hälfte fast völlig kopflos spielte.
"Wir waren in der zweiten Hälfte nicht aggressiv genug - warum auch immer. So lassen wir die Griechen ins Spiel kommen", erklärte Eugen Polanski im Gespräch mit SPORT1.
Nationaltrainer Franciszek Smuda waren gleich eine Reihe von Fehlern aufgefallen. "Leider haben wir in der zweiten Hälfte zuviel quer und nach hinten gespielt. Wir haben den Griechen gezeigt, dass wir das Ergebnis nur halten wollen", gab er zu.
Und offen bekannte Smuda auch, dass einige Spieler "vom Druck wie paralysiert" gewesen seien.
Rote Karte nervt
Besonders galt das wohl für den jungen Keeper Wojciech Szczesny. Beim Gegentor stürzte der Arsenal-Schlussmann mit falschem Timing in die Flanke, beim Elfmeterfoul an Salpingidis kam er zu spät.
"Ich will das Verhalten von Szczesny nicht kommentieren, aber die Rote Karte hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht", sagte Smuda kühl.
In den nächsten Tagen wartet auf den nicht unumstrittenen Nationaltrainer viel Arbeit, um das Team auf Russland einzustellen.
"Lassen Kopf nicht hängen"
Immerhin kann er auf Ersatzkeeper Przemyslaw Tyton bauen. Der hielt nicht nur den griechischen Elfmeter, sondern hinterließ auch sonst einen guten Eindruck.
Der Torhüter von PSV Eindhoven gab für die nächsten Tage zugleich die Devise aus: "Wir lassen den Kopf nicht hängen."
Griechen wie ausgewechselt
Das dürfte bei den Griechen ganz genauso sein.
Wie winzige Farbtupfer in einem weiß-roten Meer wirkten die Hellas-Anhänger im Stadion und auch ihr Team schien lange Zeit geneigt, nur Kulisse für den polnischen Auftakt spielen zu wollen.
Nach dem Platzverweis für Sokratis änderte sich das schlagartig, die Griechen kämpften plötzlich mit einer unbändigen Moral. "Ich bin sehr stolz auf meine Spieler", sagte Trainer Fernando Santos daher.
Und Gelb-Rot-Sünder Sokratis schüttelte noch mehr als eine Stunde nach Spielschluss den Kopf über die harte Entscheidung von Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo.
Papadopoulos mit Kreuzbandriss
"Ich möchte nicht über den Schiedsrichter sprechen, aber beide Gelbe Karten waren nicht gerechtfertigt", grummelte er auf SPORT1-Nachfrage.
Kyriakos Papadopoulos, in Hälfte eins eingewechselt, verkündete indes bereits den Plan für die nächste Partie gegen Tschechien: "Wir wollen da gewinnen, um am Ende ins Viertelfinale einzuziehen."
Seinen Platz in der Startelf dürfte der Schalker gegen die Tschechen sicher haben. Für Namensvetter Avraam Papadopoulos, den er nach 37 Minuten ersetzte, ist das Turnier wegen eines Kreuzbandrisses beendet.
