Mit Beistand von ganz oben: Tyton wird zum Helden
Warschau - Als Przemyslaw Tyton zum ersten Helden der EM 2012 wurde, hatte er Beistand von ganz oben.
Er habe für den Torhüter gebetet, teilte der Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz mit.
"Mit meinem ganzen Herzen waren meine Gebete bei ihm. Als er den Schuss gehalten hatte, empfand ich große Erleichterung. Zum Glück hat der Himmel unsere Mannschaft unterstützt", schrieb der ehemalige Sekretär des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. in seinem Blog.
Die geistliche Unterstützung brachte den gewünschten Erfolg - Tyton hielt den von Stammtorhüter Wojciech Szczesny verschuldeten Elfmeter. (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Szczesny dankt auf Knien
Der 25-Jährige rettete damit dem Gastgeber Polen im EM-Eröffnungsspiel gegen Griechenland das 1:1 ( Bericht) und erlöste auch Szczesny.
Der kniete nach seinem Platzverweis flehend vor einem Fernseher und drückte seinem Ersatzmann die Daumen. Als Tyton bravourös gegen Georgios Karagounis parierte, riss Szczesny die Arme hoch und marschierte halbwegs erleichtert in die Kabine.
Polnische Presse feiert Tyton
"Gott sei Dank habe ich den Elfmeter gehalten. Das war ein großartiges Gefühl. Mein Einsatz war ein Geschenk", sagte Tyton, der von der polnischen Presse ausgiebig gefeiert wurde.
"Dank Tyton haben wir das Spiel nicht verloren. Wird er jetzt Polen retten?", fragte die Tageszeitung "Fakt", das Webportal "Interia" titelte: "Hölle für Szczesny - Himmel für Tyton".
"e.pl" schrieb: "Tyton hat Polen gerettet".
Märchenhafte Rückkehr
Bei der ersten Trainingseinheit nach seiner Heldentat wurde Tyton von den polnischen Fans ebenso wie Pechvogel Szczesny mit Sprechchören bedacht.
Tyton genoss die Situation, gleicht sein Aufstieg doch einem Märchen.
Noch vor vier Monaten saß der 1,95-Meter-Mann beim niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven nur auf der Bank, auch wegen einer schockierenden Szene aus dem September 2011.
Im Spitzenspiel gegen Ajax Amsterdam war Tyton nach einem Zusammenprall mit einem Mitspieler bewusstlos liegen geblieben, die Begegnung wurde für 15 Minuten unterbrochen.
Der Keeper hatte Glück, kämpfte sich zurück, wurde Stammtorhüter und gewann im April mit PSV den Pokal.
Nächste Bewährungsprobe gegen Russland
Als Krönung folgte nun die Parade.
Nach nur sechs Länderspielen darf sich Tyton sogar Hoffnung auf eine Wachablösung im Kasten der "weißen Adler" machen: Szczesny wird für mindestens ein Spiel gesperrt, bei einer weiteren Glanzleistung am Dienstag gegen Russland (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) hätte Nationaltrainer Franciszek Smuda die Qual der Wahl. ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
So weit wollte Tyton noch nicht denken.
"Ich habe die Chance bekommen, dem Team zu helfen - das war für mich wie ein Traum. Ich bin unglaublich glücklich", sagte Tyton, der als erster Torhüter der EM-Geschichte nach einer Einwechslung einen Strafstoß hielt.
Lob von Trainer und Kollegen
Der Dank seiner Mitspieler war ihm gewiss.
"Er hat das super gemacht. Ich habe die Daumen gedrückt, dass er hält", sagte Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek vom deutschen Double-Gewinner Borussia Dortmund.
Ein Sonderlob gab es auch vom Trainer: "Das war eine starke Leistung. Er hat schon in seinen Klubs viele Elfmeter gehalten", sagte Smuda, der Tyton eigentlich nur als Nummer drei auf dem Zettel hatte.
Doch Lukasz Fabianski verletzte sich in der Vorbereitung, Tyton rückte auf und wurde nun zum Elfmetertöter mit geistlicher Unterstützung.