

Packendes Duell: Italien trotzt Spanien Remis ab
Aus Polen berichtet Thorsten Mesch
Danzig - Topfavorit Spanien ist mit einem Unentschieden in die EM gestartet.
Der Titelverteidiger kam in Danzig zum Auftakt der Gruppe C zu einem 1:1 (0:0) gegen Italien ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan).
Im bisher besten Spiel der Europameisterschaft setzten beide Mannschaften auf Offensive und erarbeiteten sich zahlreiche Torchancen (DIASHOW: Der 3. EM-Tag).
Der Titelverteidiger war in einer packenden und hochklassigen Partie die spielbestimmende Mannschaft, aber Italien hielt mit Kampf und Disziplin dagegen und stellte die Spanier immer wieder vor große Probleme.
Spanien ohne echten Stürmer
Spaniens Trainer Vicente del Bosque verzichtete in seiner Startformation auf einen echten Stürmer. Im 4-3-3-System agierte Cesc Fabregas im Angriffszentrum, Fernando Torres saß auf der Bank.
Diese Variante war allerdings keine allzu große Überraschung, denn sie war von den Spaniern zuletzt nach der Verletzung von Torjäger David Villa schon häufiger praktiziert worden.
Mit den Außenspielern David Silva auf dem rechten und Andres Iniesta auf dem linken Flügel setzten die Spanier die Italiener unter Druck, doch das schön anzusehende Kombinationsspiel blieb uneffektiv.
Viele Chancen
Del Bosques Team bestimmte die Partie über weite Strecken, spielte sich zahlreiche Chancen heraus, doch es fehlte die Durchschlagskraft. "Wir haben uns bemüht und alles versucht. Wir wussten, dass es nicht einfach wird", erklärte Spaniens Trainer:
"In den zweiten 45 Minuten hat sich das Spiel geöffnet. Wir hatten mehr Chancen, aber auch Italien hatte Möglichkeiten. Ob das 1:1 ein gutes Ergebnis ist, wird sich in den nächsten Spielen zeigen. Fabregas hat sehr gute Arbeit gemacht und das Tor erzielt."
Abschluss wird verpasst
Immer wieder setzte Xavi seine Mitspieler am oder im Strafraum in Szene, doch Fabregas und vor allem Silva rannten sich in der italienischen Hintermannschaft fest oder verpassten den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss.
Die Spanier schienen den Ball ins Tor tragen zu wollen, die Italiener setzten auf ihre Zweikampfstärke und setzten auf schnelle Gegenstöße ( SERVICE: Der EM-Rechner).
In der Abwehr räumte Giorgio Chiellini in seiner rustikalen Art fast alles ab, im Fünfer-Mittelfeld gab Andrea Pirlo den Takt vor, den Sturm bildeten Antonio Cassano und Mario Balotelli.
"Die Mannschaft hat sich an meine Anweisungen gehalten. Wir haben alles gegeben. Das ist ein guter EM-Start. Ich bin mit dem Auftritt zufrieden", betonte Italiens Coach Cesare Prandelli.
Silva scheitert doppelt
In der siebten Minute hatte Silva die erste Chance für Spanien, doch seinen Schuss blockte Daniele de Rossi ab.
Drei Minuten später kam Silva nach einem schnellen Konter zum Abschluss, doch Italiens Torhüter Ginaluigi Buffon hatte keine Mühe mit dem schwachen Schuss.
"Das war ein schweres Spiel gegen den schwersten Gruppengegner. Ein Unentschieden ist aber nicht schlecht. Es liegt an uns, mit zwei Siegen können wir immer noch Gruppensieger werden", sagte Torschütze Fabregas.
Italien hält dagegen
Italien überließ dem Gegner zunächst die Initiative, kam aber besser ins Spiel und setzte gefährliche Nadelstiche.
In der 13. Minute hatten die Azzurri ihre erste Chance. Nach Pirlos scharf getretenem Freistoß hatte Iker Casillas alle Mühe, den Aufsetzer abzuwehren.
Zehn Minuten später schoss Cassano von der rechten Seite knapp am Tor vorbei. Italien zeigte deutlich, dass es nicht gewillt war, den Spaniern nur hinterher zu laufen und dass es sich nicht mit einem Remis begnügen wollte.
Balotelli schwach
Cassano war wild entschlossen, allerdings bei seinem Foul an seinem ehemaligen Madrider Teakollegen Casillas (32.) übermotiviert. Er hatte Glück, dass Schiedsrichter Viktor Kassai es bei einer Ermahnung beließ.
Spanien wirkte beeindruckt, Italien kam durch Cassano und einen Volleyschuss von Claudio Marchisio zu weiteren Möglichkeiten. Von Balotelli war weniger zu sehen. Er sah in der 37. Minute nach einem Foul die Gelbe Karte.
Kurz vor der Pause dann noch einmal die Spanier: Nach einem Pass von Xavi schoss Iniesta knapp am Kasten vorbei.
Schwache Aktion von Balotelli
Nach dem Seitenwechsel war es wieder Iniesta, der mit einem Schuss für Gefahr sorgte. Die größte Chance des Spiels hatten dann aber wieder die Italiener.
Nach einem Ballverlust von Innenverteidiger Sergio Ramos lief Balotelli allein in den Strafraum und hatte freie Schussbahn. Doch der Stürmer von Manchester City zögerte zu lange, Ramos machte seinen Fehler wieder gut und klärte vor dem verdutzten Angreifer (54.).
Di Natale trifft
Prandelli reagierte, nahm Balotelli raus und brachte Antonio di Natale ins Spiel.
Der war gerade einmal fünf Minuten auf dem Platz, als er nach einem Traumpass von Pirlo auf der linken Seite durch war und den Ball an Casillas vorbei ins lange Eck schlenzte.
Die Führung für Italien war zu diesem Zeitpunkt nicht unverdient.
Fabregas kontert
Doch die Spanier antworteten prompt. Nach einem Pass von Iniesta leitete Silva direkt weiter auf Fabregas, der schneller war als Buffon und aus zehn Metern einschoss (63.).
Beide Mannschaften spielten weiter voll auf Sieg. Del Bosque brachte Jesus Navas für Silva. Spanien dominierte wieder, aber Italien blieb mit Kontern brandgefährlich.
Torres scheitert
Del Bosque wechselte: für Fabregas kam in der 74. Minute Torres. Und er hatte nur eine Minute später die Führung auf dem Fuß, als er nach einem Steilpass frei vor Buffon auftauchte.
Der ließ sich aber nicht ausspielen, ging nicht zu Boden, sondern luchste dem Spanier den Ball ab und rettete.
Nur zwei Minuten später hatten die italienischen Fans, die gegenüber den spanischen Anhängern klar in der Unterzahl waren, den Torschrei auf den Lippen.
Nach einem Pass des eingewechselten Sebastian Giovinco verfehlte di Natale mit einer Direktabnahme das Tor.
Gerechtes Remis
Das fiel dann beinahe auf der anderen Seite. Wieder war Torres durch, doch anstatt den freistehenden Navas anzuspielen, hob er den Ball aus 18 Metern über den heraus eilenden Buffon - aber auch über das Gehäuse.
In der Nachspielzeit setzte Xabi Alonso einen Weitschuss neben das Tor.
So blieb es beim gerechten, wenn auch am Ende für Italien etwas glücklichen Remis.