

Mandzukic im EM-Schaufenster - Trap sauer
Aus Polen berichtet Mathias Frohnapfel
Posen - Ein giftgrüner Bodenbelag, dazu überall die violetten Sponsorenwände der UEFA:
Es dürfte nicht wundern, wenn die Farbkombination im Bauch des Städtischen Stadions in Posen einen Fluchtreflex auslöst.
Doch nicht bei Mario Mandzukic: Kroatiens Doppeltorschütze besprach völlig entspannt den 3:1-Erfolg über Irland ( Billard und Kniefall-Kopfball: Kroaten siegen kurios).
"Ein super Spiel", konstatierte er auf SPORT1-Nachfrage und nannte ein Erfolgsrezept gegen das Hoch-und-weit-Konzept der Iren: "Wir haben gesagt, wir müssen den Ball auf dem Boden halten, das haben wir gemacht." (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Premiere macht Mandzukic glücklich
Dabei hat der Wolfsburger Profi bei seiner EM-Premiere selbst zweimal den Kopf eingesetzt, mit genauem Blick für die Lücke schon nach drei Minuten die Führung geköpft und mit einem wuchtigen Kopfball den Treffer zum Endstand.
"Das freut mich, wenn du deine Leute hier im Stadion und zu Hause glücklich machen kannst", sagte Mandzukic, der Kroatien den erwünschten guten Start in die Gruppe mit Italien und Spanien beschert hat.
Nach dem Remis der beiden Giganten ist Kroatien aktuell sogar Gruppenerster. "Es war ein perfekter Tag für die ganze Mannschaft. Wir haben mit großem Herz gespielt, weil wir wussten, dass viele Leute von uns den Sieg erwartet haben."
Kroatien kompensiert Ausfälle
Mandzukic hat damit gezeigt, dass Kroatien auch ohne die verletzten Ivica Olic und Ivo Ilicevic offensiv erfolgreich sein kann.
Im T-Shirt sprach der Stürmer, in Wolfsburg trotz zwölf Saisontoren zuletzt eher schweigsam, bis kurz vor Mitternacht. Nur in einem Moment blitzte sein Lausbubenlächeln etwas weniger fröhlich.
Seine Zukunft in Wolfsburg, bat der 26-Jährige, wolle er "jetzt nicht kommentieren".
Marktwert wächst
VfL-Trainer Felix Magath hat ausgerechnet Ivica Olic, Mandzukic' Rivalen in Kroatiens Nationalteam, nach Niedersachsen gelotst.
Kurioserweise führte die UEFA in der Pressemappe zum Spiel Mandzukic als HSV-Profi. Eine realistischere Spur könnte zu Lokomotive Moskau führen, das ab Sommer ja vom aktuellen kroatischen Nationaltrainer Slaven Bilic trainiert wird.
Mandzukic vermisste beim VfL die Wertschätzung, die EM ist somit seine Chance auf der größtmöglichen Bühne seine Qualität feilzubieten.
Ein Treffer in den nächsten beiden Spielen gegen Italien und Spanien dürfte den Marktwert weiter in die Höhe treiben.
Kroatien bereit für "Hammerspiele"
"Wir respektieren auch Italien und Spanien, können aber gegen alle bestehen", sagte Mandzukic selbstbewusst.
Beim Teamkollegen Ivan Rakitic hörte sich das ein paar Meter entfernt ähnlich an. "Wir müssen einfach so weitermachen", forderte der Ex-Schalker. "Mit Italien und Spanien warten zwei richtige schwere Gegner - das werden zwei Hammerspiele."
"Wir waren das aggressivere Team"
Trainer Slaven Bilic dürfte seine Mannen jetzt zuerst einmal akribisch auf die Italiener vorbereiten. ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
"Ich bin sehr zufrieden mit meinen Jungs. Wir waren das aggressivere Team", lautete sein Fazit. Zugleich machte Bilic seinem Kollegen Giovanni Trapattoni Mut.
"Ich denke, Spanien und Italien werden noch Schwierigkeiten mit den Iren bekommen."
Trapattoni stellt Altersrekord auf
Der 73-Jährige blickte indes missmutig drein. Daran mochte auch die Bestmarke nichts ändern, dass Trapattoni von nun als dienstältester Coach bei einer EM geführt wird.
Denn sämtliche Fußballgötter hatten die Kämpfertruppe in Grün im Stich gelassen, besonders das erste Tor fiel durchaus seltsam, als Mandzukic - halb noch am Boden, halb im Aufstehen - irgendwie den Ball erwischte.
"Wir haben nach dem Gegentor das Mittelfeld abgegeben und das Spiel in der ersten Halbzeit verloren", meinte Trapattoni und ärgert sich über das 2:1 von Nikica Jelavic, das er, allerdings zu Unrecht, als "klares Abseits" wertete.
In der zweiten Hälfte blieb den Iren allerdings ein klarer Elfmeter versagt.
"Noch ist nichts verloren"
Chancen aufs Weiterkommen rechnet sich der frühere Bayern-Coach weiterhin aus, Spanien und Italien seien schließlich nur einen Punkt entfernt. ( SERVICE: Der EM-Rechner)
"Jetzt haben wir noch zwei Spiele - noch ist nichts verloren", erklärte auch Irlands Torschütze Sean St. Ledger.
Allerdings droht umgekehrt in der Partie gegen Welt- und Europameister Spanien bereits das Aus.