

Angeschlagen ins Finale
Von Julian Buhl
München/Breslau - Gegensätzlicher hätten die beiden Spielhälften im zweiten EM-Gruppenspiel für Tschechien gegen Griechenland 2:1 (2:0) ( Bericht) nicht anfangen können.
Während die "Reprezentace" sich und ihre Anhänger zunächst mit einem Traumstart und zwei Toren innerhalb von 186 Sekunden in einen Jubelrausch versetzte, begann der zweite Spielabschnitt mit einem ebenso blitzartigen Schock.
Denn Tomas Rosicky war nach dem Seitenwechsel nicht mehr auf dem Feld zu finden.
Dass Tschechiens Kapitän sich an der Achillesferse verletzt hatte, stand sinnbildlich für die Befindlichkeit seiner Mannschaft.
"Die zweite Halbzeit war kompliziert, weil Rosicky nicht mehr weiterspielen konnte. Wir haben seine kreativen Stärken vermisst", sagte Nationalcoach Michal Bilek hinterher. ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
"Zurück im Wettbewerb"
Auch Petr Jiracek (3.), der gemeinsam mit seinem zukünftigen Vereinskollege beim VfL Wolfsburg Vaclav Pilar (6.) für den frühesten EM-Doppelpack der Geschichte gesorgt hatte, räumte die Probleme offen ein.
In der Tat geriet Tschechien nach dem frühen Anschlusstor der Griechen durch den Ex-Frankfurter Theofanis Gekas (53.) noch einmal massiv unter Druck und rettete den knappen Vorsprung am Ende mit etwas Glück über die Zeit.
So aber hat der EM-Finalist von 1996 beste Chancen aufs Viertelfinale.
"Wir sind zurück im Wettbewerb und haben jetzt in dem Spiel gegen Polen die Chance, weiterzukommen", sagte Mittelfeldspieler Tomas Hübschman. (DIASHOW: Der 5. EM-Tag)
Rosicky und Cech fraglich
"Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben, mit der wir uns in dieser Gruppe durchsetzen können. Das haben wir gezeigt", ergänzte Rosicky.
Ob der 31-Jährige allerdings im Endspiel gegen Co-Gastgeber Polen auflaufen kann, ist fraglich.
Außerdem bangen die Tschechen auch noch um den Einsatz ihres Startorhüters Petr Cech, der sich beim Anschlusstreffer der Griechen einen schweren Patzer erlaubte und nun über Schulterprobleme klagt.
Beide Leistungsträger werden zwei Tage mit dem Training aussetzen müssen, erst danach könne man definitiv sagen, ob sie einsatzbereit sind, erklärte Teamarzt Petr Krejci:
"Wir haben nur drei Tage bis zum Spiel Zeit, aber wir hoffen weiter, dass beide okay sein werden und spielen können."
Wie wichtig Rosickys Mitwirken für Tschechien ist, belegte die zweite Halbzeit eindrucksvoll.
Siegen oder fliegen
Die Ausgangssituation in Gruppe A könnte vor dem dritten Spieltag spannender nicht sein.
Alle vier Mannschaften können mit einem abschließenden Sieg noch aus eigener Kraft das Viertelfinale erreichen. ( SERVICE: Der EM-Rechner)
Auch Bundestrainer Joachim Löw dürfte diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgen und kann also noch keins der vier Teams aus seinem Notizbuch der möglichen deutschen Viertelfinalgegner streichen.
Daran, dass Griechenland sich im direkten Duell mit dem momentanen Tabellenführer Russland tatsächlich durchsetzen kann, glauben momentan allerdings die wenigsten. ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Ex-Champion zeigt Schwächen
Dafür offenbarte der Sensations-Europameister von 2004 im bisherigen Turnierverlauf zu viele Schwächen.
Hinzu kommen Verletzungsprobleme - Avraam Papadopoulous musste aufgrund eines Kreuzbandrisses bereits abreisen.
Stammtorhüter Kostas Chalkias musste gegen Tschechien mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden und ist nun fraglich.
Immerhin steht Bremens Innenverteidiger Sokratis nach seiner Gelb-Rot-Sperre den Hellenen gegen Russland wieder zur Verfügung.
"Wir haben immer noch Hoffnung. Es gibt immer noch eine Möglichkeit weiterzukommen", sagte Nationaltrainer Fernando Santos.
Griechenland droht Debakel
Dennoch dürfte auch er nach der ungeschlagen abgeschlossenen Qualifikation, in der man immerhin Kroatien hinter sich gelassen hatte, mit höheren Erwartungen nach Polen und in die Ukraine gereist sein.
Nun droht den Griechen ein ähnliches Debakel wie bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz.
Damals musste das von Otto Rehhagel betreute Team als Titelverteidiger nach der Gruppenphase mit drei Niederlagen gegen Spanien (1:2), Schweden (0:2) und Russland (0:1) im Gepäck die Heimreise antreten.
"Das ist nicht das Ende"
Von Euro-Krise will Griechenland allerdings noch nichts wissen.
"Das ist noch nicht das Ende. Wir glauben immer noch an unsere Mannschaft und wir werden bis zur letzten Minute dieses Turniers kämpften", sagte Angreifer Giorgios Samaras.
Etwas pragmatischer formulierte es Sturmkollege Gekas: "Das einzige was wir tun müssen ist, das letzte Spiel zu gewinnen."
So wie jede der vier Mannschaften in Endspiel-Gruppe A.