"Wollen unseren Fans etwas zurückgeben"
Aus Polen berichtet Thorsten Mesch
Danzig - 4:0 stand es in der Danziger Bernstein-Arena für Spanien ( Bericht u. Bilder).
Doch die 20.000 irischen Fans hörten nicht auf zu singen.
"Looooooooow lie the Fields of Athenry", hallte es durch das Stadion. Fast zehn Minuten lang und sogar noch nach dem Schlusspfiff. ( DATENCENTER: Der EM-Spielplan).
Stolz auf ihre Leistung konnte Irlands Mannschaft nicht sein. Wohl aber auf die eigenen Anhänger, die abends in Danzig und Sopot die Straßen verstopfen, die Kneipen leer trinken und Clubs füllen, dabei aber immer friedlich und gut gelaunt sind.
Und das, obwohl ihr Team schon vor dem letzten Gruppenspiel gegen Italien am Montag (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) keine Chance mehr hat, das Viertelfinale zu erreichen ( SERVICE: Der EM-Rechner).
Der irische Verteidiger Sean St. Ledger spricht im SPORT1-Interview über die außergewöhnlichen Anhänger seiner Mannschaft - und über Irlands Ausscheiden, Spaniens Torjäger Fernando Torres und das letzte Spiel gegen Italien. ( SERVICE: Alle EM-Kader)
SPORT1: Herr St. Ledger, warum war für Ihr Team nichts gegen Spanien zu machen?
Sean St. Ledger: Sie sind sehr schnell in ihren Bewegungen und die Winkel ihrer Laufwege und Pässe sind außergewöhnlich. Und es ist unglaublich hart, den Ball zu behaupten, wenn man ihn erst einmal hat. Sie gehen sofort auf den Gegner und wollen den Ball so schnell wie möglich zurückerobern. Ich habe noch nie gegen eine Mannschaft gespielt, die so viel Druck ausübt.
SPORT1: Als Leverkusen in der Champions League gegen Barcelona gespielt hat, haben die Bayer-Profis anschließend erzählt, sie hätten kaum Luft zum Atmen bekommen. War es für Sie ähnlich?
St. Ledger: Ja, es war sehr hart und sehr ermüdend. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Man hat kaum Zeit bei eigenen Aktionen.
SPORT1: Bei Spanien war das große Thema, ob man mit Mittelstürmer oder "falscher Neun" spielen solle. Wo lagen die Unterschiede für Sieg, gegen Torres und gegen Fabregas zu spielen?
St. Ledger: Wenn Torres im Sturmzentrum spielt, hat er auch die Fähigkeit, in den Rücken der Abwehr zu laufen. Er ist sehr schnell, was es einem nicht leichter macht. Fabregas hat nicht die Physis und die Laufwege wie Torres. Mit ihm ist Spaniens Spiel leichter vorherzusehen.
SPORT1: Sie sind schon aus dem Turnier ausgeschieden. Sind Sie frustriert, weil Sie vielleicht denken, dass Sie mehr hätten zeigen können?
St. Ledger: Wir haben es uns in beiden Spielen selbst schwer gemacht. Gegen Kroatien und Spanien sind wir schnell in Rückstand geraten. Man darf auch nicht vergessen: Wir haben gegen den Weltmeister, Titelverteidiger und ich denke auch kommenden Europameister gespielt.
SPORT1: Geht es für Irland vor allem darum, sich mit einer guten Leistung zu verabschieden, auch von den tausenden Fans, die in Polen sind?
St. Ledger: Unsere Fans sind fantastisch. Das sage ich nicht nur, weil ich Spieler der irischen Mannschaft bin. In der ganzen Welt hat man gesehen, wie toll sie uns unterstützt haben. Wir lagen 0:4 zurück, und sie haben die letzten Minuten aus dem Inneren ihrer Herzen gesungen. Man kann ihnen gar nicht genug danken. Ich hoffe, dass wir ihnen etwas zurückgeben können, was sie bejubeln können.
SPORT1: Für Italien geht es im letzten Spiel um alles. Irland kann sich nicht erlauben, nachzulassen, oder?
St. Ledger: Wir müssen zunächst für uns selbst spielen, aber auch an alle anderen Teams denken, die noch in der Gruppe sind.
SPORT1: Irland war noch nicht bei vielen großen Turnieren dabei. Haben Sie Lust auf mehr bekommen?
St. Ledger: Das Turnier war eine sehr schöne Erfahrung. Wir wollen gerne wiederkommen.