

Ohne Rechenschieber: Italien springt ins Viertelfinale
Aus Polen berichtet Mathias Frohnapfel
Posen - Die Enfants terribles haben zugeschlagen: Antonio Cassano und Mario Balotelli haben Italien zu einem 2:0 über Irland, auf Platz zwei in der Gruppe C und damit ins Viertelfinale geschossen.
Italien trifft in Kiew auf den Gruppensieger der Gruppe D, während die Spanier, die in Danzig Kroatien 1:0 ( Bericht) besiegten, die nächste Partie in Donezk gegen den Zweiten der Gruppe D bestreiten.( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
Per Kopf hatte Cassano vor der Pause (35.) in Führung gebracht, ehe Joker Balotelli kurz vor Schluss den Sieg sicherstellte (90.).
Somit konnte auch Taktikfuchs Giovanni Trapattoni als irischer Coach seinem Heimatland nichts anhaben.
"Italien war uns natürlich technisch überlegen. Es gibt viele Aspekte, in denen wir uns noch verbessern müssen", klagte der "Maestro" nach dem Spiel.
Italien mit gravierenden Umstellungen
Italiens Trainer Cesare Prandelli nahm eine gravierende Systemveränderung vor, stellte von Dreier- auf Viererkette um.
Das war möglich, weil der zuvor verletzte Andrea Barzagli wieder ins Team zurückkehrte. Zudem rückten auch Ignazio Abate und Federico Balzaretti in die Startelf, Leonardo Bonucci, Christian Maggio und Emanuele Giacherini mussten auf die Bank.
Im Angriff verbannte Prandelli den angeschlagenen Mario Balotelli aus der erste Elf, für ihn lief Antonio di Natale, Torschütze beim 1:1 gegen Spanien, auf. (DIASHOW: Die Bilder des Spiels)
Irische Fans klar in der Überzahl
Bei Irland tat Giovanni Trapattoni seinem Erzkritiker Roy Keane nicht den Gefallen "alle elf Spieler" auszutauschen. Auch wenn die "Boys in Green" schon ausgeschieden waren, wollte sich der Maestro gegen seine Heimat keine Wettbewerbszerrung vorwerfen lassen.
Und die Iren starteten bei 28 Grad Außentemperatur engagiert in das letzte Gruppenspiel, das nicht ausverkauft war. Zahlreiche Plätze blieben frei, wobei die irischen Fans klar die Überzahl bildeten.
"Squadra Azzura" dominiert
Die sahen gleich ihr Team unter Druck geraten, in der ersten Viertelstunde dominierte Italien klar. Doch die Azzurri waren noch zu ungenau im Abschluss wie de Rossi (2.) und Barzagli (8.).
Erst jetzt konnten sich Irland etwas befreien, dem großen Favoriten Paroli bieten. Vor allem mit langen Bällen wurden die Iren jetzt gefährlich. So flankte Aiden McGeady von rechts in den Strafraum, doch Kevin Doyle verpasste am langen Pfosten (22.).
Die Italiener waren jetzt gewarnt, hatten sie doch in drei Vergleichen bisher noch nicht gegen Trapattonis Iren gewinnen können.
Ecke bringt die Führung
Erst auf der Linie klärte so Sean St. Ledger, als Di Natale an der Strafraumkante bereits an Keeper Shay Given vorbei war (33.). Die Führung fiel eine Minute später – per Standard.
Andrea Pirlo, eleganter Freischoßschütze beim 1:1 gegen Kroatien, servierte den Ball auf den Kopf von Cassano, der ihn fulminant ins Tor wuchtete (35.).
Die Squadra Azzurra hatte spätestens zu diesem Zeitpunkt alles im Griff und ging mit dem Ergebnis in die Pause. Da es zwischen Kroatien und Spanien 0:0 stand, hätte dieser knappe Erfolg sogar Italien den Gruppensieg beschert.
Di Natale und Cassano mit großen Chancen
Nach der Pause spielte Italien weiter nach vorn: Di Natale und Cassanso Versuche wurden aus aussichtsreicher Position aber geblockt (48., 49.).
Die Italiener drängten jetzt auf das zweite Tor, wussten sie doch, dass ein mögliches 1:1 zwischen Kroatien und Spanien ihr Aus bedeutet hätte.
Allerdings war Fortuna ihnen in diesem Moment nicht hold: So parierte Given gegen Di Natale (54.) und ein Volleyschuss von Claudio Marchisio rauschte am Tor vorbei (59.).
Die Iren hatten lediglich mit einem Fernschuss aus 30 Metern durch Keith Andrews einen Torschuss zu verzeichnen (61.).
Italien zeigt Kräfteverschleiß
Wie in den Partien zuvor bauten die Italiener in der zweiten Hälfte physisch ab, während ihre Gegner aufkamen - so auch die Iren.
Bei einem knallharten Freistoß von Andrews hatte Gianluigi Buffon Glück, dass seine Abwehr nicht bei einem Iren landete, sondern Barzagli klärte (78.).
Die Partie wogte jetzt hin und her, wobei Italien sich wieder Oberwasser erkämpfte. Und Joker Mario Balotelli machte schließlich den Deckel drauf, als er per schönem Seitfallzieher das 2:0 erzielte (90.).
Zuvor musste noch der Ire Andrews nach einem Foul im Mittelfeld mit Gelb-Rot vom Feld (89.). Eine sehr harte Entscheidung.
Möglicher Deutschland-Gegner im Halbfinale
Den Italienern war es schnuppe, nach einem bangen Moment des Wartens auf das endgültige Ergebnis des anderen Spiels. "Wir haben mit allen Kräften diesen Sieg gewollt. Wir haben begriffen, dass wir nicht nur Technik und Qualität, sondern auch das Herz einsetzen müssen", sagte Italiens Trainer Cesare Prandelli.
Robbie Keanes Enttäuschung hielt sich in Grenzen: "Natürlich sind wir alle etwas traurig, aber wir sind von besseren Teams geschlagen worden. Es ist schade für unsere Fans, sie hätten mehr verdient gehabt."
In Danzig blieb es beim 1:0 für Spanien und die Italiener feierten mit Luftsprüngen die Viertelfinalqualifikation und könnte im Halbfinale auf Deutschland treffen.