Mit Ruslan in den Lenin-Distrikt
Erstaunliche Begegnungen und Erlebnisse gehören zu jeder Reise.
Aber die Ukraine kann an guten Tagen auch locker mit einem exotischen Trip, sagen wir, in den Regenwald von Kambodscha, mithalten. Und in der Ukraine gibt es viele gute Tage.
Da ist zum Beispiel die Metro in der Hauptstadt Kiew. In diesem Dschungel lauern die Gefahren tief unter der Erde. Die weltweit tiefste Station "Arsenal'na" bringt es auf stattliche 105 Meter unter der Oberfläche.
Die anderen Haltestellen mit den ewig langen Rollentreppen müssen ähnlich nah am Erdkern liegen.
Doch um Einlass gewährt zu bekommen, müssen die Fahrgäste zunächst die tückischen Zugänge passieren. Der Token vom Automaten oder Schalter muss dazu in einen Einwurfschlitz gesteckt werden.
Doch wer im hektischen Gedränge danach nicht auf das kleine grüne Lämpchen wartet, sondern zu schnell losläuft, den erfassen die Lichtschranke – und anschließend die im Verborgenen lauernden Zugangssperren.
Diese sind knapp unterhalb der Gürtellinie angeordnet, was sehr gemein sein kann. Das Gemeine an ihnen ist aber vor allem, dass sie immer offen sind und erst unerwartet und schmerzhaft schließen, wenn sich jemand ohne Token Zutritt zur Metro verschaffen will.
Oder mit Token, aber ohne kurzes Warten auf das kleine grüne Lämpchen.
Das Essen ist natürlich auch immer ein Erlebnis in fremden Ländern. Wobei rasch gesagt werden muss, dass die kulinarischen Spezialitäten der Ukraine oder besser: ihre Folgen, nicht mit denen des Regenwalds von Kambodscha mithalten können.
Das ist angenehm, und das Essen ebenso lecker. Wer zum Beispiel jemals Kasitschkas probiert hat, diese Teigzöpfe mit Mohn und Puddingfüllung, verspürt den Drang, der deutschen Bäcker-Innung Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten.
Das Beste an der Ukraine sind aber immer noch die Begegnungen mit den Menschen. Wie zum Beispiel mit dem Taxifahrer Ruslan. Der juckelt vergnügt durch Charkow.
In seinem 22 Jahre alten Lada, den er vor 15 Jahren aus Ostdeutschland erworben hat, lässt er sich jedenfalls nicht anmerken, dass sein Leben auch manchmal ziemlich hart sein muss.
Er ist dabei ein so freundlicher Weggefährte, dass man am liebsten gar nicht mehr aussteigen möchte nach der Fahrt in den Lenin-Distrikt, der wiederum locker mit den Straßen im Regenwald Kambodschas mithalten kann.
Und als er von den dunklen Winternächten erzählt, von minus 20 Grad und weniger, ist man um eine weitere erstaunliche Reiseerfahrung reicher.
Er schlafe dann die ganze Nacht mit offenem Fenster, erzählt Ruslan. Denn in der Wohnung sei es im Winter durch das viele Heizen unerträglich heiß.