

Torklau zerstört Ukraines EM-Traum
Donezk - Scharfschütze Wayne Rooney und ein Torklau haben den EM-Traum der Ukraine zerstört.
Der Anführer der englischen Löwen köpfte seine Mannschaft mit einem 1:0 (0:0) ins Viertelfinale gegen Italien, die "Sbirna" ist wie der zweite EM-Gastgeber Polen in der Vorrunde gescheitert.
In Viertelfinale trifft England am Sonntag in Kiew als Sieger der Gruppe D auf Italien, beide Mannschaften wären ein möglicher deutscher Gegner im Halbfinale.( DATENCENTER: Der EM-Spielplan)
All das wurde jedoch von einer skandalträchtigen Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Teams überschattet, das nicht sah, dass Englands John Terry einen Schuss von Marko Devic erst hinter der Linie klärte.
Ein Skandal, der jedoch noch die spezielle Pointe hat, dass der vermeintliche Torschütze Devic im Abseits stand.
Blochin: "Uns wurde das Tor geklaut"
"Das Ball war einen Meter hinter der Linie, das hat jeder gesehen", ereiferte sich Oleg Blochin nichtsdestotrotz.
"Wir waren klar die bessere Mannschaft", stellte der ukrainische Nationaltrainer völlig zu Recht fest und ergänzte: "Beim ersten Tor hatten die Engländer Glück - und beim zweiten Treffer des Spiels ebenfalls. Uns wurde das Tor geklaut."
Ebenso sah es der ukrainische Nationalheld Andrej Schewtschenko: "Ich weiß genau, dass es ein Tor war. Das Spiel hätte dann einen anderen Verlauf genommen."
Ukraine bis zum Tor besser
Bis zum 1:0 von Rooney war die Ukraine, die zum Einzug in die K. o.-Runde unbedingt einen Sieg benötigte, die bessere Mannschaft.
Die Gelb-Blauen, die im ungeliebten Donezk auch im siebten Versuch nicht gewannen, hatten mehr vom Spiel und bessere Chancen, blieben aber glücklos.
Glücklicher Treffer
Im Gegensatz zu Rooney: Eine Flanke von Steven Gerrard wurde gleich zweimal leicht abgefälscht, der 26 Jahre alte Torjäger von Manchester United musste den Ball vor 48.700 Zuschauern nur noch mit dem Kopf über die Linie drücken.
Die Ukraine kämpfte danach gegen den "Fluch von Donezk" - und nach einer Riesenchance von Artem Milewski, der eine Hereingabe von Andrej Jarmolenko aus vier Metern über das Tor köpfte (61.), auch mit dem Mute der Verzweiflung:
Nur eine Minute nach Milewskis Chance folgte dann die Szene des Spiels.
Englands Torhüter Joe Hart lenkte den Schuss von Devic in Richtung eigenes Tor, John Terry schlug den Ball erst hinter der Linie weg, doch der bestens postierte Torrichter sah es nicht. Schiedsrichter Viktor Kassai aus Ungarn ließ weiterspielen.
Soll der Videobeweis eingeführt werden?
Schewa zunächst auf der Bank
Das Spiel hätte eigentlich das Aufeinandertreffen zwischen Rooney und Andrej Schewtschenko werden sollen.
Doch während Rooney nach Ablauf seiner Sperre wie erwartet zur Startaufstellung der englischen Mannschaft gehörte, musste der 35 Jahre alte "Schewa" zunächst mit der Ersatzbank vorliebnehmen.
Im zweiten Spiel der Vorrunde gegen Frankreich (0:2) hatte er Schläge auf das Knie bekommen - erst in der 70. Minute kam er als letzter Trumpf der Ukraine zu seinem 111. und damit letzten Einsatz im Nationaltrikot.
Rooney hatte das 1:1 der Engländer gegen Frankreich und das 3:2 gegen Schweden nur von der Tribüne verfolgen dürfen - im letzten Qualifikationsspiel zur EM hatte er die Rote Karte gesehen.
Rooney entschlossen
Entsprechend entschlossen sprintete er vor dem Anpfiff auf das Spielfeld und hatte dann auch ein paar Chancen. Einen Freistoß von Steven Gerrard verfehlte Rooney sehr knapp (24.), dann rutschte ihm in guter Positon ein Ball über die Stirn (28.) und knapp neben das Tor.
Im Wissen, dass ihr nur noch bei einem Sieg der Einzug ins Viertelfinale gelänge, begann die Ukraine stark. Englische Ballkontakte wurden vom Publikum mit Pfiffen begleitet, die eigene Mannschaft wurde frenetisch angefeuert.
Ein paar gute Gelegenheiten gab es anfangs auch: Denis Garmasch schoss knapp über das Tor von Joe Hart (7.), ein Schuss von Devic, der mit Milewski das ukrainische Stürmer-Paar bildete, wurde im letzten Augenblick abgeblockt. Und dann schoss Oleg Gusew knapp drüber (22.).
Kein Glück im Abschluss
Ein Führungstreffer für die Ukraine wäre verdient gewesen.
Während England nur langsam ins Spiel kam und höchstens bei Standardsituationen gefährlich wurde, kombinierte die Mannschaft von Oleg Blochin gut - aber eben nicht mit dem so dringend erforderlichen Erfolg beim Abschluss.
Kurz vor der Pause hätte auch Jarmolenko treffen können (42.), er schlug drei Haken an der Strafraumgrenze, schüttelte danach noch zwei Abwehrspieler ab, kam aber am Fünfmeterraum nicht mehr zum Abschluss.
Was stattdessen kam, ist schon jetzt Fußballgeschichte.