Der spezielle Humor der UEFA
Es hat Michel Platini womöglich gut getan, mal so richtig Tacheles zu reden.
"A…löcher" seien die rassistischen Kroatien-Fans, die sich im Italien-Spiel bemerkbar gemacht haben, verkündete der UEFA-Präsident am Dienstag. Jawoll!
Auch wenn das eine Wortwahl ist, bei der man bei Oma auf die Finger bekommt, der Kernaussage wird da niemand widersprechen.
Man kann sich sogar denken: Donnerwetter, Herr Platini, der sich sonst oft nur als ganz genauer Beobachter von Verstößen gegen die Menschenrechte hervortut, hat ja doch eine Meinung.
Und kann so was wie Klartext sprechen.
Schade nur, dass das Ganze im Nachhinein nur wie eine vorauseilende Ablenkung von der humoristischen Einlage ist, die sein Verband einen Tag später auf die Bühne brachte.
80.000 Euro muss der kroatische Verband bezahlen wegen des "ungebührlichen Verhaltens" seiner Fans.
Was an sich nicht so lustig ist.
Sehr wohl aber, wenn man es mit einer Verbandsmitteilung vom Vortag vergleicht.
100.000 Euro musste da nämlich der dänische Stürmer Nicklas Bendtner bezahlen, ebenfalls wegen "ungebührlichen Verhaltens".
Was, fragt sich da der unschuldige Beobachter, hat sich dieser sinistre Geselle dann da wohl geleistet?
Die Antwort: Er hat während eines Spiels einen Werbeschriftzug einer Firma auf seinen Unterhosen entblößt.
Dazu könnte man nun viel sagen.
So Sachen über Verteidigung der Menschenwürde, Verteidigung der Geschäftsinteressen der verbandseigenen Werbepartner und Prioritätensetzung.
Aber lassen wir das.
Humor entfaltet sich am besten, wenn man ihn unkommentiert wirken lässt.
Auch und gerade, wenn er eigentlich tragisch ist.